Jörg Koch mit seinem Sohn Jens vor der Hermle AG
Jörg Koch mit seinem Sohn Jens vor der Hermle AG (Foto: Moosbrucker)

„Lebenslang bei der gleichen Firma“ . Unsere kürzlich gestartete Serie über eine lebenslange berufliche Bindung an einen Betrieb über Generationen hinweg findet heute eine interessante Fortsetzung. Jörg Koch aus Deilingen hat 40 Jahre lang bei der Berthold Hermle AG in Gosheim gearbeitet. Interessanterweise ist er seinem Vater Josef Koch gefolgt, der ebenfalls fast sein ganzes Leben in den Diensten der gleichen Firma stand.

Und noch eins: Auch Jörg Kochs Sohn Jens steht schon seit zwölf Jahren auf der Gehaltsliste des Gosheimer Maschinenbauers. Da gibt es also gute Gründe, diese generationsübergreifende Betriebstreue einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Jörg Koch kann es sich jetzt gemütlich machen. Er sitzt auf dem Balkon und plaudert wie aus dem Nähkästchen, wie es dazu kam, dass er in seinen 40 Dienstjahren es geschafft hat, zum Leiter der technischen Serviceabteilung aufzusteigen. Jörg Koch macht es sichtlich Spaß, rückblickend seine und seines Vaters Zeit bei Hermle zu reflektieren.

Josef Koch lernte den Beruf des Schmieds und Schlossers bei der Firma Karl Kolb in Balingen, die auf die Herstellung von Luftdruckkesseln für Kompressoren spezialisiert ist. Josef Koch fokussierte sich auf das Zusammenschweißen diverser Metallkomponenten, einer Arbeit, bei der man handwerkliches Geschick unter Beweis stellen konnte. Der damalige Leiter des Gosheimer Unternehmens, Hubert Hermle, holte ihn von Balingen auf den Heuberg, mit dem Auftrag, eine Schlosserei zu gründen und aufzubauen. Dieses Angebot ließ sich Josef Koch nicht entgehen.

Er stieg bei Hermle ein und setzte seine Aufgabe erfolgreich um. Damit bekam er einen verantwortungsvollen Posten bei Hermle, den er bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1995 bekleidete. Hermle hatte damals etwa 250 Beschäftigte auf der Gehaltsliste.

Jörg Kochs Berufswunsch, „Radio- und Fernsehtechniker“ zu werden, konnte nicht hundertprozentig erfüllt werden. Aber das Fachgebiet der Elektronik als Rundfunk- und Fernsehmechaniker bei der Firma Hopt in Schörzingen bot ihm zunächst eine interessante Alternative.

Der technische Fortschritt in dieser Sparte wurde aber für den mittelständischen Betrieb zur schwierigen Herausforderung. Die aufkommende Halbleitertechnik stellte die berufliche Zukunft Kochs in Frage, so dass er sich nach Alternativen umsehen musste. Hermle suchte damals Elektroniker und so fiel dem jungen Koch die Wahl nicht schwer, dort einzusteigen.

Zunächst wurde der Schaltschrankbau sein beruflicher Schwerpunkt. Schon kurze Zeit später wechselte er in die damals dreiköpfige Servicegruppe. Koch: „Wir standen vor einer rasanten Entwicklung, an deren Ende eine Service-Abteilung von rund 240 Mitarbeitern stand. Das war ein absoluter Glücksfall für mich und ich durfte für 120 Mitarbeiter verantwortlich sein.“

Gerade diesen Servicebereich bezeichnet Koch als wichtige Grundlage für den rasanten Erfolg der Berthold-Hermle-AG. „Keine einzige Stunde habe ich kurzgearbeitet“, stellt Jörg Koch fest, wohl wissend, dass sich jetzt in Zeiten der Corona-Krise vieles, zumindest vorübergehend, zum Schlechten verändert hat.

Auch wenn er heute nicht mehr in der Verantwortung steht, so fühlt er sich dennoch mit dem Betrieb verbunden, weil er den größten Teil seines Lebens auch eine Art Heimat war. Sein ehemaliger Chef, Alfons Betting, der die Service-Abteilung auf den Weg gebracht hat, lobt auch heute noch die zuverlässige Art Kochs als Verantwortlichen für den Service, der als eine Art Markenzeichen für Hermle gilt.

Auch in der Nachschau ist Koch noch sehr beeindruckt von der Hermle AG, weil sie jedem Mitarbeiter immer wieder Chancen gebe, sich hochzuarbeiten. So ist er heute noch froh darüber, dass man ihm mit der Leitung der Service-Abteilung eine große Verantwortung übertragen hat. Und so wird das Bonmot, nachdem viele Köche den Brei verderben, auf die Kochs aus Deilingen absolut nicht zutreffen.

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