Eine Wunderpflanze bei Darmbeschwerden

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 Die Blutwurz Potentilla erecta, gesehen am Lemberg.
Die Blutwurz Potentilla erecta, gesehen am Lemberg. (Foto: Judith Engst)
Judith Engst

Bei Verdauungsbeschwerden schwören erfahrene Naturheilkundler auf ein spezielles Wundermittel: den Blutwurz-Schnaps. Der kuriert den Darm in Windeseile, und das kommt nicht von ungefähr: Besitzt die Blutwurz (Potentilla erecta), eine Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, doch eine ungeheuer hohe Dosis an Gerbstoffen (Tanninen), die vor allem in der Wurzel in konzentrierter Form vorhanden sind.

Der Blutwurz-Schnaps wird mit besagter Wurzel angesetzt, die übrigens beim Anschneiden blutrot anläuft – daher der Name. Das fertige Gesöff ist dann so tanninreich, dass es buchstäblich die Darmwand gerbt. Das bringt im Nu den Verdauungsapparat wieder in Schwung. Wer keinen Schnaps mag, kann auch einen Tee aufgießen, der sich abgekühlt auch zum Gurgeln eignet, wenn die Mundschleimhaut entzündet ist. Auch hier zeigen die Tannine ihre adstringierende, sprich zusammenziehende Wirkung. Falls Sie mal den Namen „Tormentill“ hören – auch diese Bezeichnung wird gerne für die Blutwurz verwendet.

Pflanze ist im Schwarzwald häufig

Die Blutwurz gehört zu den Fingerkräutern, von denen auf dem Heuberg einige wachsen, so zum Beispiel das frühblühende Fingerkraut (Potentilla praecox) oder das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina). Die Spezies Potentilla erecta lässt sich aber sehr gut von allen anderen Arten dieser Gattung unterscheiden, denn sie hat nur vier Blütenblätter und keine fünf. Anders als die ebenfalls recht ähnlichen Hahnenfüße fehlt außerdem der starke Glanz auf den Blütenblättern. Wer Blutwurz für Schnaps sammeln will, fährt am besten in den Schwarzwald, denn der dort zumeist saure Untergrund gefällt der Pflanze als Wuchsort besser als unsere kalkhaltigen Böden. Bei uns sind die Standorte vorwiegend auf bachnahe Wiesen und Niedermoore beschränkt. So manch älterer Heuberger kennt hier noch Plätze, an denen er früher die Wurzeln dieser Pflanze ausgegraben hat oder heute noch ausgräbt (aber das bleibt natürlich geheim – die Pflanze ist begehrt).

Umso erstaunlicher ist es, dass wenigstens ein paar vereinzelte Pflanzen, so auch diejenige im Bild, im „Hardt“ stehen, von Gosheim aus betrachtet also an dem Weg, der oberhalb des Lembergparkplatzes beginnt und hinter den Lemberg führt. Interessanterweise steht hier der Kalk bis fast ganz oben an, was die Blutwurz eigentlich nicht so gerne mag. Erklären lässt sich dies nur, wenn man berücksichtigt: Neben reinen Kalkstandorten gibt es im weißen Jura auch einige lehmige Stellen, aus denen der Kalk durch jahrtausendelange Verwitterung praktisch ganz ausgewaschen wurde. Offenbar hat sich die Blutwurz am Lemberg eine solche Stelle ausgesucht. Da die Pflanze dort aber nur sehr vereinzelt wächst, lohnt sich das Sammeln leider nicht. Übrigens ist die Art laut Roter Liste Baden-Württemberg nicht gefährdet. Wer sie also findet, darf sie in kleinen Mengen sammeln, ohne befürchten zu müssen, dass dies gleich zu ihrem Aussterben führt.

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