Brücken zeigen, wo einst Ritter ritten

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Ein Rentnertrio aus Unterdigisheim ist begeistert davon, wie die Burg auf dem Oberhohenberg jetzt „sichtbar“ gemacht wird – beso (Foto: Gisela Spreng)
Schwäbische Zeitung
Gisela Spreng

Auf dem Oberhohenberg bei Deilingen hat sich in den letzten Wochen eine Menge getan: Eine imponierende Hängebrücke überspannt den äußeren Burggraben. Eine achteckige Metallkonstruktion in Form eines Besucherpodests soll die Dimension des ehemaligen Bergfrieds aufzeigen, der hier einst 100 Fuß, also etwa 30 Meter, in die Höhe ragte. Unter der Plattform sind die freigelegten und gesicherten Mauerreste zweier Eckpunkte des Turms zu sehen.

In den letzten Oktobertagen, als das warme Herbstwetter noch zum Wandern einlud, sind etliche Neugierige auf den 1011 Meter hohen Oberhohenberg gestiegen und mussten begeistert zugeben: „Jetzt kann man sich endlich vorstellen, wie es da oben einmal ausgesehen haben muss.“ „Früher war ja außer einer Menge Gebüsch und Bäumen von einer Burg nichts zu sehen. Und Aussicht gab‘s auch nur an wenigen Stellen“, meinte ein rüstiges Rentner-Trio aus Unterdigisheim, das vor allem von der langen Hängebrücke fasziniert war.

„Die zweite, ursprünglich geplante Brücke über den inneren Wallgraben haben wir gestrichen“, erklärt der Schörzinger Ortsvorsteher Josef Rissler, der als Motor des Arbeitskreises „Erlebnistreff Oberhohenberg“ zusammen mit deren Leiterin, der Landschaftsgärtnerin Ilse Sigmund, das ehrgeizige Leader-Projekt im Frühjahr 2009 auf den Weg gebracht hat. Sonst habe alles wie am Schnürchen geklappt. Mit Hilfe einer etwa zehnköpfigen rüstigen Rentnertruppe des Albvereins Schörzingen hätten sie den zugewachsenen Berggipfel freigeschnitten, so dass auch der schmale Traufweg wieder begehbar sei. Zwei Tage lang habe ein Helikopter in einer nicht zu überhörenden Aktion Material und Werkzeug auf den Berg gebracht. Die Firma Gebrüder Widmer aus Weilen unter den Rinnen habe die Brücke und das Turmpodest aufgebaut. Was jetzt auf dem Berg noch fehle, seien die Informationstafeln, die es den Wanderern erleichtern, die Geschichte der Hohenberger ein bisschen erlebbar zu machen.

Manch einer kennt das Bild des Burgenforschers und -malers Konrad Albert Koch von der imposanten Burg auf dem Oberhohenberg mit dem achteckigen Bergfried. Koch hat in seinen detaillierten Grundriss-Zeichnungen und auf dem bekannten Gemälde festgehalten, was er bei den Ausgrabungsarbeiten des Albvereins Schörzingen im Jahr 1913 alles entdeckt hat.

Info-Tafeln waren bisher der einzige Hinweis auf die Burg. Zum Abschluss der Arbeiten soll eine weithin sichtbare Fahne mit den Farben und dem Wappen der Hohenberger auf dem Gipfel wehen.

„Wir wollen der Bevölkerung den historischen Wert der Hohenberger näher bringen, ihnen gleichzeitig ein Wandererlebnis der besonderen Art bieten und auch der Abenteuerlust der Kinder entgegenkommen.“

Erlebnisplatz am Fuße des Bergs

Am Fuße des Berges auf der „Großen Wiese“ bei der Schutzhütte ist nämlich ein Erlebnisbereich für Familien entstanden mit Bänken, Tischen und einer neuen Grillstelle. In einer achteckigen Spielburg mit Burgtor, Schildmauer, Zugbrücke, Wehrgängen und Verlies soll auch die junge Generation nachempfinden können, was für eine großartige Burg einst auf dem Oberhohenberg thronte. Außerdem ist die Hütte des Albvereins erweitert worden mit Überdachung, Terrasse und WC-Anlage.

Mehr Fotos finden Sie unter www.schwaebische.de/fotoreportagen

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