Besuch in Eckerwald: Unmenschliches geschah im Naziwahn

Ein Kunstwerk erinnert an die geschundenen Häftlinge.
Ein Kunstwerk erinnert an die geschundenen Häftlinge. (Foto: Gemeinde Deilingen)
Schwäbische Zeitung

Unbeschreibliches hat sich vor 76 Jahren in der unmittelbaren Nachbarschaft abgespielt in dem wahnhaften Vorhaben Nazideutschlands, zum Ende des Krieges mit Arbeitssklaven Öl aus Schiefer zu gewinnen. An die Geschundenen und Toten erinnert die Gedenkstätte Eckerwald mit seinem Verein. Dessen Vorstandsprecherin ist die Deilingerin Brigitta Marquart-Schad. Sie führte jüngst eine Gruppe von Gemeinderäten, Vereinen und Organisationen – besonders zahlreich vertreten war eine Gruppe des Handharmonika-Clubs – durch die KZ-Friedhöfe Schömberg und Schörzingen und die Gedenkstätte an der „Produktionsstätte“.

Auf dem KZ-Friedhof in Schörzingen sind 549 Todesopfer bestattet. Die Häftlinge, die jeden Tag in die Schieferölfabrik auf dem Gelände Eckerwald zur Arbeit gezwungen wurden, wohnten unter unmenschlichen Bedingungen in überfüllten Baracken auf dem Gelände des heutigen Gewerbegebiets in Schörzingen. Die Initiative Gedenkstätte Eckerwald e. V. arbeitet dafür, dass Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Noch heute besuchen viele Angehörige aus europäischen Ländern die letzte Ruhestätte ihrer in den Jahren 1944 und 1945 umgekommenen Verwandten.

Die Besuchergruppe machte sich anschließend auf den Weg zum Gedenkpfad Eckerwald, der durch ein Gelände führt, auf dem 1944/ 1945 eine Schieferölfabrik mit der Bezeichnung „Wüste 10“ errichtet werden sollte. Sie war eine von zehn Produktionsstätten auf der Schwäbischen Alb. Für den Aufbau des Werks wurden täglich etwa 500 Häftlinge aus dem KZ Schörzingen abkommandiert. Die anderen 500 Häftlinge waren im Bergwerk in Schörzingen zur Schieferverschwelung eingesetzt.

Die Häftlinge mussten ohne Schuhe, Arbeitskleidung, Nahrung und medizinische Versorgung täglich Schwerstarbeit verrichten und kamen meist innerhalb kürzester Zeit durch Krankheiten und Unterernährung um. Die Fundamente und Mauern der Gebäude und baulichen Anlage sind heute noch sichtbar. Zum Schluss der Führung besuchten die Teilnehmer den KZ-Friedhof in Schömberg, auf dem 1774 Todesopfer der Lager Dautmergen und Schömberg bestattet sind. Besonders viele Opfer waren jüdischen Glaubens und wurden aus der Stadt Wilna (der Hauptstadt Litauens) zur Zwangsarbeit deportiert.

Bürgermeister Albin Ragg bedankte sich bei Brigitta Marquart-Schad sehr herzlich für die sehr informative und anschauliche Führung an den Orten des Leidens und des Sterbens von Häftlingen im Alter zwischen 13 und 60 Jahren.

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