Andreas Zekorn stellt Buch zum KZ Dautmergen vor

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 Nach der Buchvorstellung signiert Andreas Zekorn einige Exemplare.
Nach der Buchvorstellung signiert Andreas Zekorn einige Exemplare. (Foto: Breisinger)
Schwäbische Zeitung
sbo und Dennis Breisinger

Das Buch des Balinger Kreisarchivars und Kenners auch der KZ-Geschichte in Spaichingen hat einen Epilog. Dieser befasst sich mit dem polnischen Schriftsteller und KZ-Häftling Tadeusz Borowski, der in seinen Erzählungen und Gedichten schonungslose und sehr bewegende Einblicke in die Realität der Konzentrationslager gibt.

Andreas Zekorn las unter anderem aus dessen Erzählung „Tod eines Aufständischen“ vor, in der Borowski aufzeigt, dass es allen Häftlingen in erster Linie ums Überleben ging, so dass zum Teil auch vor Kannibalismus nicht Halt gemacht wurde. „Das KZ Dautmergen bestand nur rund neun Monate lang, von Anfang August 1944 bis April 1945. Aber es beschäftigt immer noch, denn Mord verjährt nicht“, sagte Zekorn.

Der Buchtitel nehme zum einen Bezug auf den völlig ungeeigneten Versuch des „Unternehmens Wüste“, aus Ölschiefer Öl zu gewinnen, zum anderen auf die zahlreichen Opfer. „Dieses Buch soll einen Beitrag zur Erhaltung der Demokratie leisten“, beschrieb der Kreisarchivar die Intention seiner Publikation. In seinem Werk geht er auf die Planung des Lagers, auf die Insassen und deren Haftbedingungen sowie die Täter, auf die juristische Aufarbeitung der Verbrechen und die Erinnerungsarbeit vor Ort ein.

Es komme auch die bislang unbeachtete Thematik vor, dass nach der Räumung des KZ Dautmergen sich nicht nur die Franzosen für die Schieferölproduktion interessierten, sondern auch amerikanische Nachrichtendienste unter Beteiligung von Briten und Kanadiern. Eine Originalliste mit Namen, Geburtsdaten und Berufen der in Dachau-Allach eingetroffenen Häftlinge von Dautmergen sei ebenfalls Bestandteil des Buches. Haupttäter waren neben dem Lagerkommandanten Erwin Dold SS-Hauptsturmführer Franz-Johann Hofmann, SS-Obersturmführer Hans-Joachim von Kruederer und SS-Untersturmführer Stefan Kruth. „Kruth sah sich als der erbarmungslose Gott des Lagers, der über Leben und Tod der Häftlinge bestimmte“, hielt Zekorn fest.

„Bei ihren Anklagen vor dem Militärverwaltungsgericht in Rastatt 1946/47 und dem Landgericht Hechingen 1965/66 wurden die Aufseher abscheulicher Taten bezichtigt. Zum Teil wurden aber nur geringe Strafen ausgesprochen, von Kruederer blieb sogar straffrei“, so der Kreisarchivar.

Lothar Frick, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, die das Buch in der Reihe Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs herausgibt, hielt fest: „Dieses unabdingbare und bestens recherchierte, gut geschriebene und wissenschaftlich fundierte Buch dient als umfassende Darstellung des KZ Dautmergen und füllt eine große Lücke.“ In Zeiten des knapp gescheiterten Anschlags auf die Synagoge in Halle, des bald anstehenden 71. Jahrestags der Reichspogromnacht und der Tatsache, dass fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland antisemitisches Gedankengut in sich trägt, habe es eigentlich kein geeigneteres Erscheinungsdatum geben können. „Denn die Erinnerungskultur gehört zu den Grundlagen der freiheitlichen Demokratie“, sagte Frick. „Dieses Buch soll die Arbeit des Kreisarchivs erleichtern, Bürger und Schüler aufklären, ein Andenken an die Opfer sein und einen Beitrag zur Aussöhnung leisten. Es ist wichtig für uns, dass wir uns unserer Vergangenheit bewusst stellen“, ergänzte Landrat Günther-Martin Pauli.

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