Alte Wehinger Festhalle war einst eine kleine Sensation

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 Die alte Wehinger Festhalle wird jetzt abgerissen.
Die alte Wehinger Festhalle wird jetzt abgerissen. (Foto: Richard Moosbrucker)
Richard Moosbrucker

Jetzt muss sie weichen, die alte Wehinger Festhalle mit der kleinen Turnhalle. Damals im Jahre 1952 war sie eine kleine Sensation auf dem Heuberg. Die Einweihung wurde mit einem großen Fest gefeiert. Bauherr Bürgermeister Anton Hugger war stolz auf das Geschaffene und lud die „fleißigen Heubergbewohner“ dazu ein, sich „ bei Gesang und Musik zu erfreuen“. Der Jugend widmete er den neu angelegten Sportplatz, auf dass sie sich „recht zahlreich und recht oft auf dem Sportplatz einfinden“.

In der Tat stellte der Neubau der Festhalle schon etwas besonderes dar. Nirgendwo sonst gab es etwas Vergleichbares auf dem Heuberg. Sogar ein Kino sollte in die Festhalle einziehen. Bislang mussten die Wehinger nach Delkhofen ins Kino gehen. Jetzt konnte man in der großzügigen neuen Festhalle nicht nur Heimatfilme gucken. Jetzt „pilgerten die Jugendlichen der Nachbargemeinden fast jeden Sonntag nach Wehingen, um ins Kino zu gehen.“

Franz Gehring aus Gosheim erzählt heute noch gerne, wie er damals als junger Bursche mit seinen Freunden jeden Sonntag ins Kino ging, denn in Gosheim gab es so etwas noch nicht. Direkt angebaut wurde damals eine kleine Turnhalle, die vom Turnverein Wehingen zum Training genutzt werden konnte. Später, nachdem auf der Breite die neue Schule samt Schwimmbad und Turnhalle gebaut wurden, nutzte sie der TV Wehingen, vor allen Dingen die Sparte Fußball, als Vereinsheim und öffentliche Gaststätte.

Aus finanzieller Sicht eröffnete sich die Perspektive für den Neubau aus der Tatsache, dass der Gemeindewald im Jahre 1951 einen größeren Betrag eingebracht habe und die zehn Gemeinderäte mit dem noch jungen Bürgermeister Anton Hugger „ein ganz klein wenig Schneid“ bewiesen hätten.

Diese Zeiten sind längst vorbei und längst ist die Festhalle – auch wenn sie mehrmals renoviert und erweitert wurde, in die Jahre gekommen, so dass man noch unter der Ägide von Altbürgermeister Josef Bär dazu durchgerungen hatte, eine neue Festhalle zu bauen. Möglich wurde dies durch die steigenden Gewerbesteuereinnahmen und die Sparpolitik der Gemeinde Wehingen. Nicht zuletzt füllte sich das Gemeindesäckel auch durch den Verkauf der EnBW-Aktien, deren Erlös in die Rücklagen der Gemeinde floss.

Lange hat der Gemeinderat überlegt, was mit der alten Halle geschehen soll. Schließlich setzte sich die Erkenntnis durch, dass es am besten ist, sie abzureißen, um nicht zuletzt den Fußballern im TV Wehingen die Möglichkeit zu geben, ein neues Vereinsheim mit Gastronomie und entsprechenden Umkleide- und Duschmöglichkeiten zu bauen. Das wird allerdings den Verein auf eine harte Bewährungsprobe stellen, denn, obwohl die Gemeinde dem TV Wehingen Unterstützung zugesagt hat, wird noch manches Finanzierungs- und Eigenleistungsproblem zu stemmen sein. Aber vielleicht gelingt es dem TV durch eine große Gemeinschaftsleistung zum Ziel zu kommen.

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