Männergesangverein braucht Nachwuchs

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 Der Gunninger Liederkranz bei der Chorprobe.
Der Gunninger Liederkranz bei der Chorprobe. (Foto: Mai Saito)
Mai Saito

Der Gunninger Männergesangverein (MGV) Liederkanz kann auf 116 Jahre Geschichte zurückblicken. Aber anno 2020 werden die Stimmen knapp. Nun soll ein neues Konzept mit Proejktsängern helfen.

Jeden Freitag treffen sich die zwölf Mitglieder des Liederkranzes dort, wo sie sich bereits im Jahre 1904 getroffen haben, im alten Gunninger Schulhaus neben der Hohenkarpfenhalle. In ihrer 100-jährigen Geschichte gab es sowohl Höhen als auch Tiefen: Kriegsjahre hinterließen auch beim Verein Spuren, aber in den Siebzigern erlebte der Liederkranz einen Aufschwung: Gernot Laufer, der damals neue Dirigent, hatte neue Lieder und Methoden im Repertoire, so zum Beispiel das Auswendigsingen.

Bis heute ist der Liederkranz bei dieser Tradition geblieben - Laufer übrigens auch: Er ist weiterhin Dirigent bei dem Gunninger Verein und feiert 2021 sein 50-jähriges Jubiläum. „Er hat ein würdiges Jubiläum verdient“, meinen Vorsitzender Willi Weiß und der Bass-Sänger Josef Mayer. Deswegen hätten sie die Anzahl der Auftritte ein wenig reduziert, damit sie im kommenden Jubiläumsjahr fit sind, so Mayer. Trotzdem kommen sie auf rund acht Auftritte in diesem Jahr.

Aber nach 100-jähriger Geschichte mangele es dem Verein an einem: Nachwuchs. „Wir hätten in Gunningen genug Sänger, die mitsingen könnten“, meint Weiß, „aber es will sich niemand mehr an einen Verein binden“. Deswegen sei es einen Versuch wert, in der neuen Saison das Projektsingen auszuprobieren. Vorsitzender Weiß machte bereits gute Erfahrungen: In dem zweiten Verein, in dem er mitsingt, seien sogar 50 Prozent der Projektsänger im Verein geblieben. Das wünscht sich auch der Liederkranz Gunningen: Bei zwölf Sängern seien die vier Stimmen sowieso schon dünn besetzt. „Wenn zwei bis drei Sänger fehlen, dann geht es fast nicht mehr“, meint Mayer.

Um beim Liederkranz mitzusingen, sei keine Chorerfahrung oder ein Vorsingen nötig, so die beiden MGV-Mitglieder. Auch müssten Interessierte nicht einmal Noten lesen können: „Ich sehe ja in den Noten, ob ich rauf oder runter muss“, so Mayer. Orientieren können sich Neulinge an den Erfahrenen, indem sie sich neben einen routinierten Sänger stellen.

Bei der Liederauswahl ist der Musikverein international unterwegs: von Italienisch über Englisch bis Französisch ist alles dabei. Nur bei letzteren müsste man tricksen und den Text als Lautschrift notieren.

Für die beiden Mitglieder ist der Verein ein Herzensprojekt: „Ich finde, dass Kulturelles wie der Chor erhalten bleiben soll“, so Weiß. Schließlich geht die Gemeinschaft auch über den Chor hinaus: „Wir haben eine gute Kameradschaft.“ Bei Geburtstagen feiern sie zusammen und Winterwanderungen seien ein fester Bestandteil eines jeden Jahres.

Trotz der Nachwuchsprobleme kann sich der Verein noch nicht vorstellen, die Gemeinschaft für Sängerinnen zu öffnen. „Also noch geht es nicht, aber man darf auch nicht ’auf gar keinen Fall’ sagen“, meint Mayer. Aber auch wenn Frauen nicht mitsingen können, seien sie ein Teil der Vereinsgemeinschaft: Bei Festen helfen und feiern sie mit: „Unsere Frauen sind mit eingebunden“, sagt Weiß.

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