Gosheim probiert Selbstverwaltung aus

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Gunther Roth, Bürgermeister Bernd Haller, Sabina Eppler (Jugend
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Gunther Roth, Bürgermeister Bernd Haller, Sabina Eppler (Jugend re ferenten), Kevin Kindsvater (Schüler), Anton Abt (Abteilungsleiter Haus Nazareth) und Alexander Traub (Schüler, von hinten) (von links) setzen sich für eine „engbegleitete Selbstve (Foto: Gisela Spreng)
Schwäbische Zeitung
Gisela Spreng

Das Jugendhaus in Gosheim soll eine „engbegleitete Selbstverwaltung“ bekommen. Was dahintersteckt, dazugehört und was bisher vom Jugendreferat in die Wege geleitet wurde, haben die Gemeinderäte und ein Dutzend Zuhörer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung erfahren.

Die beiden Jugendreferenten Gunther Roth und Sabina Eppler gehören zum Erzbischöflichen Kinderheim „Haus Nazareth“ mit Sitz in Sigmaringen und betreuen mit Bubsheim, Deilingen, Gosheim, Königsheim und Wehingen fünf Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbandes Heuberg (GVV). Dazu kommt Kolbingen. Seit 2017 sind sie für die jeweiligen Jugendräume und Jugendhäuser sowie die Arbeit mit den Jugendlichen zuständig. Eppler und Roth berichteten über die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten in Gosheim seit der Renovierung des Jugendhauses in der Zinkenstraße.

Neue Öffnungszeiten sollen Überschneidungen mit anderen Gemeinden vermeiden, so dass die jungen Leute durchaus auch außerhalb ihrer Heimatgemeinde Freunde in den sechs anderen Gemeinden besuchen und an den dortigen Aktivitäten teilnehmen können. Eppler hatte Erfreuliches von der Grundschul-Gruppe zu erzählen, wo acht- bis zehnjährige Juraschüler der dritten und vierten Klassen in den Jugendräumen mit kindbezogenen Angeboten Gemeinschaft erfahren.

Roth berichtete von den vielfältigen ortsübergreifenden Aktivitäten im Rahmen des Ferienprogramms, die von Ausflügen in den Europa-Park über Kinotage bis zu Grill- und alkoholfreien Cocktailabenden reichten.

Dieses Jahr soll das internationale Jugendtreffen auf dem Klippeneck einer der Höhepunkte werden. Eine Umfrage an den Heuberger Schulen nach den Schülerwünschen, eine engere Kooperation mit den Schulen und „Mitternachtssport“ sind geplant.

Konzept der „Schlüsselmeister“

In einer Präsentation stellen die beiden Realschüler Alexander Traub (15) und Kevin Kindsvater (16) ihr Konzept vor, wie sie als „Schlüsselmeister“ zweimal pro Woche die Verantwortung für das Jugendhaus übernehmen wollen. Sie haben strenge Regeln aufgestellt: Zutritt ab fünfter Klasse, Aufräumen, Aufkommen für mutwillige Schäden, Putzen, Rauchverbot, kein unnötiger Lärm, keine Gewalt, kein Alkohol, keine Drogen. Als Strafen drohen Hausverbot und Anzeigen.

Trotz der gut gemeinten Vorsätze und der bestens formulierten Regeln äußern die Gemeinderäte gewisse Bedenken. Eugen Braunschweiger will wissen, was im Ernstfall, wenn die Situation tatsächlich einmal ausufere, vorgesehen sei. Ihre Eltern, die in Jugendhaus-Nähe wohnten, wollten jederzeit zu Hilfe kommen; Roth bietet seine Hilfe an. „Eventuell müssen wir auch die Polizei rufen“, sagen die zwei Schlüsselmeister. Andreas Hauser möchte unbedingt eine Altersbegrenzung auf maximal 18 Jahre einführen. Stefan Hauser will die Selbstverwaltung zunächst auf sechs Monate befristet wissen. Roth erklärt und beruhigt, er bringe Erfahrungen aus mehreren gut funktionierenden Selbstverwaltungen mit.

Haller macht den Vorschlag – auch an die Jugendhaus-Anlieger unter den Zuhörern gerichtet –: „Wir probieren es. Wir wollen das Jugendhaus wieder aktivieren und gleichzeitig die Nachbarn nicht stören.“ Am 23. April soll der Selbstverwaltungs-Versuch gestartet werden.

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