Stadt will Radwege für Autos freigeben

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 Die Donaubrücke in Geisingen ist eine Bogenscheibenbrücke und wurde 1952 anstelle der früheren Schindelbrücke gebaut. Sie war e
Die Donaubrücke in Geisingen ist eine Bogenscheibenbrücke und wurde 1952 anstelle der früheren Schindelbrücke gebaut. Sie war eine der ersten Brücken mit einem damals neuen Stahl, der sich inzwischen als sehr kritisch herausgestellt hat. (Foto: Paul Haug)
Paul Haug

Nachdem klar ist, dass die Donaubrücke bei Geisingen neu gebaut werden muss, denkt die Stadtverwaltung über alternative Verkehrswege während der Bauzeit nach – dabei kommen auch Radwege ins Spiel.

„Die Brücke ist nicht mehr zu retten“, berichtete Raffael Knopf vom Ingenieurbüro Breinlinger. Er war bei den Untersuchungen des Zustands der Brücke mit dabei und berichtete von den neuesten Untersuchungen über den Zustand des Bauwerks. Mehr als 100 Interessenten wollten unter anderem wissen, warum der Zustand nicht schon früher erkannt wurde – und, ob bei der Sanierung vor 20 Jahren geschlampt wurde.

Stadtbaumeister Christian Butschle informierte über die derzeitigen Überlegungen, den unteren Riedweg für den Pkw-Verkehr für die Einwohner vom Kirchtal freizugeben, sowie von Gutmadingen her den Radweg zu verlegen und den bisherigen Radweg ebenfalls für den PKW-Verkehr freizugeben. Die Kosten seien ermittelt, so Butschle, nun folge die Anhörung der einzelnen Behörden und letztlich müsse die Finanzierung für die alternative Verkehrsführung noch geklärt werden.

1952 wurde die Donaubrücke als eine der ersten Brücken mit dem spannungsrisskorrossionsgefährdetem Spannstahl gebaut, erläutert Knopf. Damals hatte man mit diesem Stahl keine Erfahrung, inzwischen weiß man aber, dass die Brücken mit diesen Materialien nach 70 Jahren ihr Ende erreicht haben. Bei der Geisinger Brücke ist der Stahl an vielen Stellen durchgerostet oder gerissen. 1996 wurde die Brücke saniert, schon damals seien Korrosionsschäden festgestellt worden. Die damalige Sanierung, so Markus Villing, Sachgebietsleiter des Ingenieurbüros, wurde nach bestem Wissen und Gewissen durch das damalige Straßenbauamt ausgeführt. Der Landkreis Tuttlingen erhielt die Brücke nach verschiedenen Abstufungen der Straße, und ist seit 2005 im Zuge der Verwaltungsreform für den Baukörper voll verantwortlich.

Nun werde der Blick nach vorne gerichtet, um schnellstmöglich eine neue Brücke zu bauen. Weil sich Ausschreibungen und Genehmigungen hinzögen und auch Unternehmen gefunden werden müssten, nannte Breinlinger als realistischen Zeitraum für die Fertigstellung daher den Herbst 2022. Der Baubeginn könnte 2021 erfolgen.

Dezernent Michael Guse musste sich von Gutmadingern Kritik wegen des Busverkehrs anhören. Der jetzige Zustand sei überhaupt keine Lösung, weder kurz- noch langfristig, monierte Tanja Weiler. Insbesondere der Schülerverkehr sei problematisch. Die Schüler müssten teils zur Haltestelle am Pflegeheim laufen. Da keine Hauptschule mehr vorhanden ist, gebe es keine Schülerlotsen die die Schüler begleiten könnten – obwohl die dortige Straße wegen der Sperrung sehr stark frequentiert ist. Für ihre Einwände beim öffentlichen Personennahverkehr erhielt Weiler Beifall. Auch, dass aufgrund der Sperrung teilweise nur noch ein bis maximal zwei Haltestellen angefahren würden, wurde kritisiert. Guse versprach, sich der Probleme anzunehmen und nach Abhilfe zu suchen.

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