Kreis-Verwaltung wartet auf Gutachten für Donaubrücke

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Die Donaubrücke bei Geisingen ist für den Verkehr vollgesperrt. Sollte das Materialgutachten positiv ausfallen, wäre eine einspu
Die Donaubrücke bei Geisingen ist für den Verkehr vollgesperrt. Sollte das Materialgutachten positiv ausfallen, wäre eine einspurige Nutzung für Pkw bis 16 Tonnen Last denkbar. (Foto: Paul Haug)
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Die derzeit gesperrte Donaubrücke bei Geisingen muss wahrscheinlich neu gebaut werden. Davon geht die Tuttlinger Kreisverwaltung aus. Zwar müssen die Ergebnisse der Materialprüfungen noch abgewartet werden, „an einem Neubau der Brücke geht aber nichts vorbei“, sagte Landrat Stefan Bär im Ausschuss für Technik und Umwelt des Kreistags. Mit Kosten von rund fünf Millionen Euro abzüglich der Förderung wird gerechnet.

Ende März war der Überweg entlang der Kreisstraße 5942 voll gesperrt worden. An der Unterseite des Bauwerks war die Durchrostung der Spannbewehrung festgestellt worden. Der Verkehr wird seitdem über die Bundesstraße 31 und die Gemeindeverbindungsstraße nach Geisingen umgeleitet. Ob und wie lange die Brücke gesperrt wird, hängt nun von der Untersuchung ab, wie groß die Spannungsrisskorrosionsgefährdung ist. Sollte kein Stahl verwendet worden sein, der spannungsrisskorrosionsgefährdet ist, könnte die Brücke mit einer zusätzlichen Statik unterstützt werden.

Geisingen droht hohe Verkehrsbelastung

„Wenn wir Glück haben, können wir den Verkehr in der Interimszeit noch über die Brücke leiten“, meinte Bär, der die Hoffnung auf eine Teilöffnung der Fahrbahn hat. „Es zählt aber die Sicherheit“, erklärte der Landrat. Bei einem positiven Materialgutachten könnte wenigstens eine Fahrbahn für den Autoverkehr bis zu einer Last von 16 Tonnen freigegeben werden. Im schlimmsten Fall, dass sich das Durchrosten auch in weiteren Abschnitten der Brücke bestätige, müsse die Donauüberquerung geschlossen bleiben. Das würde für Geisingen eine hohe Belastung durch den Verkehr bedeuten.

Schon die bisherige Vollsperrung der Donaubrücke sei „eine böse Nachricht“ gewesen, meinte Geisingens Bürgermeister Walter Hengstler. Ab Mai behindern weitere Baustellen – die Umleitung der B 27 am Knotenpunkt Kirchen-Hausen, der Ausbau des Radwegs an der Kreisstraße nach Bad Dürrheim – den Verkehr rund um die Stadt. „Und wir können nicht alles über den Wartenberg und die Straße Drei Lärchen führen. Das ist für den Schwerkraftverkehr nicht geeignet. Das meiste müsste durch die Tuttlinger Straße führen“, erklärte Hengstler, der wenigstens für den Personennahverkehr eine Verbesserung erreichen konnte. Die Schüler aus Gutmadingen und Geisingen werden nun nicht mehr beim nächsten Ringzughalt in Kirchen-Hausen abgesetzt, sondern direkt nach Immendingen gefahren.

Thomas Leibinger (Freie Wähler) wollte im Ausschuss des Kreistags wissen, ob die Brücken immer unter Aufsicht stehen würden. „Die Brücken werden regelmäßig überprüft“, sagte Michael Guse vom Dezernat Wirtschaft, Kreisentwicklung und Kultur. Die Überwachung sei aber immer nur eine Sichtkontrolle, meinte der Landrat. „Ich hoffe, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt.“ Zumal die Brücken im Landkreis auch regelmäßig saniert würden. „Das sind teure Maßnahmen, aber notwendig“, sagte Bär.

Mörtelschicht verdeckte Schäden

In dem Fall der Geisinger Brücke handele es sich auch um einen Sonderfall, meinte Guse. Mit einer flexiblen Mörtelschicht sei das falsche Material damals verbaut worden. Dies habe die Schäden an der Brücke verdeckt. Dass der Rost erst Ende März auffiel, habe zudem daran gelegen, dass die Temperatur von fünf Grad Celsius erst dann vorgelegen hätte.

Bis zur nächsten Sitzung des Kreistags sollen die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Der Landkreis ist aber schon in die Planungen eingestiegen und hat drei Büros um eine Honorarermittlung gebeten. Alle Planungsleistungen zum Verkehr, Wasserrecht und Baugrundgutachten sollen bis Mitte Mai 2019 vergeben werden. Die Planung dürfte eineinhalb Jahre benötigen. Mit dem Bau wird im besten Fall im Frühjahr 2021 begonnen.

Für Hengstler stellt sich die aktuelle Lage nicht so prekär dar. Man müsse die Situation beobachten. Zudem sei die Koordination der verschiedenen Bauarbeiten wichtig. „Alle Bauprojekte müssen wissen, was gerade an anderer Stelle abläuft“, meint der Geisinger Bürgermeister. Dann könnte die Lage reibungsloser über die Bühne gehen.

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