Ein bisschen Erzgebirge erstrahlt in Geisingen

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Schwäbische Zeitung

Schwibbögen, Räuchermännchen, Nussknacker: Viele dieser Boten der Weihnachtszeit stammen aus dem Erzgebirge. In einem der Geisinger Adventsfenster erstrahlen nun einige dieser Adventsdekorationen. Initiator des Fensters zur Erzgebirgischen Holzkunst ist Daniel Stache, der gebürtig aus dem Erzgebirge kommt und jetzt in Rietheim-Weilheim wohnt. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Linda Seiss geht er auf die traditionelle Holzkunst im Erzgebirge und deren Bedeutung für die besinnliche Jahreszeit ein.

Herr Stache, wie feiert man die Adventszeit im Erzgebirge?

Im Erzgebirge geht es in der Adventszeit sehr gemütlich zu. Die Wohnungen erstrahlen im Lichterglanz und überall sind in den Gassen Schwibbögen zu sehen. An den Wochenenden unternehmen viele Familien auch sogenannte Lichterfahrten, bei denen die Beleuchtungen in den verschiedenen Orten angeschaut werden. Nach Feierabend setzt man sich zusammen, trinkt Kaffee, zündet die Kerzen der Weihnachtspyramiden an, isst Weihnachtsstollen und Lebkuchen.

Worin sehen Sie die Unterschiede vom Erzgebirge zur hiesigen Region?

Mein Eindruck ist, dass der Vorweihnachtszeit im Erzgebirge, sinnbildlich gesehen, mehr Glanz innewohnt. Sie hat eine große Bedeutung und ist natürlich die Jahreszeit schlechthin für die Holzkunst. In den Läden sieht man bei jedem, der etwas dafür übrig hat, ein Funkeln in den Augen. Außerdem gibt es im Erzgebirge keine bunten Lichter, dort wird traditionell dekoriert. Der amerikanische Stil ist verpönt.

Am Montagabend ist das Adventsfenster geöffnet worden. Wie kam die Idee mit dem Adventsfenster zustande?

Ich habe einen Ort gesucht, um die Kultur und Tradition des Erzgebirges darzustellen. Denn mit den Gepflogenheiten bin ich seit meiner Kindheit vertraut und wollte einen kulturellen Beitrag leisten. Über Bekannte bin ich dann auf die Stadt Geisingen zugegangen.

Was ist denn im Fenster alles zu sehen?

Im Adventsfenster sind die wichtigsten Elemente der Erzgebirgischen Holzkunst zu sehen. Ein Schwibbogen mit dem Schwarzenberger Motiv prägt das Fenster. Es sind zwei Bergleute, eine Klöpplerin und ein Schnitzer zu sehen – also die damaligen Haupterwerbsquellen des 18. und 19 Jahrhunderts. Außerdem ist ein Nussknacker zu sehen. Neben zwei Räuchermännchen, die im Raum für den Räucherduft sorgen, ist im Adventsfenster auch ein Figurenpaar, ein Lichter-Engel und ein Lichter-Bergmann, zu finden. Der Engel steht für die weihnachtliche Botschaft und der Bergmann für den Broterwerb. Das Licht spielte damals ohnehin eine wichtige Rolle, denn im Winter haben die Bergleute kein Tageslicht gesehen. Morgens, als sie unter Tage gegangen sind, war es noch dunkel, und abends, als sie aus den Stollen kamen, war die Sonne bereits wieder untergegangen. Deswegen war die Beleuchtung in den Fenstern ein wichtiges Element, sodass die Bergmänner auch Licht gesehen haben. Denn normal werdem im Erzebirge alle Fenster mit einem Schwibbogen gestaltet.

Was zeichnet die Erzgebirgische Holzkunst Ihrer Meinung nach aus?

Viele Stücke werden mit echter Handarbeit in der Region hergestellt, sehr filigran und mit Liebe zum Detail. Außerdem gehen viele Holzkünstler mit der Zeit, sind flexibel. Es gibt mittlerweile viele moderne Sachen, über die sich viele Auswärtige freuen. Und das ist, denke ich, auch ein wichtiger Faktor, dass die Erzgebirgische Holzkunst nicht ausgestorben ist.

Info: Adventsfenster

Das erzgebirgische Adventsfenster erstrahlt ab sofort in der gesamten Advents- und Weihnachtszeit im Grünwinkel 1 in Geisingen von 17 bis 22 Uhr. In der Adventszeit wird in Geisingen jeden Tag ein weiteres Adventsfenster geöffnet. Das Motto in diesem Jahr lautet „Wundervolle Begegnungen“.

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