Am Freitag wird der Drogen-Prozess am Landgericht in Rottweil weiterverhandelt.
Am Freitag wird der Drogen-Prozess am Landgericht in Rottweil weiterverhandelt. (Foto: Patrick Seeger)
Lothar Häring

Der Prozess vor dem Rottweiler Landgericht wird am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt.

Die Indizien verdichten sich, dass die rauen Mengen von Rauschgift, die im Sommer und Herbst 2017 im Raum Geisingen aufgetaucht sind, aus Richtung Schweiz gekommen sind. Das wurde am Dienstag, am siebten Verhandlungstag, vor dem Landgericht Rottweil deutlich.

Zwei Aussagen stehen sich diametral gegenüber: Ein Angeklagter mit türkischer Staatsangehörigkeit, der in Geisingen mit Frau und zwei kleinen Kindern lebt und arbeitete, beteuerte, er habe im Auftrag der beiden albanischen Mitangeklagten nur als Drogenkurier gearbeitet. Der 42-Jährige gab sich außerordentlich redselig, sprach von einem albanischen Hintermann names „Pledi“, der wohl aus dem Ruhrgebiet komme und mit Herne-Kennzeichen einmal angereist sei, sich aber auf keinen Fall habe sehen lassen wollen.

Das steht in krassem Widerspruch zu den Schilderungen eines Albaners, der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt: Der 23-Jährige wollte eigentlich die Aussage verweigern, weil er sich an eine Art Schweigegelübte gebunden fühlte, das er mit dem Türken vereinbart habe, wie er erklärte. Nach dessen Anschuldigungen aber könne er ihn nicht mehr schützen. Es gebe keinen „Pledi“, den er kenne, sagte er. Zwar habe er vor seiner Zeit im Ruhrpott „schwarz“ auf dem Bau für sieben, acht Euro Stundenlohn gearbeitet, seither aber keinen Kontakt mehr dorthin.

Nach Geisingen sei er über einen Bekannten gekommen – und die Initiative sei von dem 42-jährigen Türken ausgegangen, der einen Helfer gesucht habe. So kam es nach Darstellung des 23-Jährigen dazu, dass er für den Türken, der frührer in der Schweiz lebte und schon dort mit der Drogen-Szene in Kontakt stand, mit dessen Auto nach Konstanz fuhr, um Rauschgift, vor allem Marihuana, in großen Mengen abzuholen.

Eine mehr als vierstündige Vernehmung

In einer mehr als vierstündigen Vernehmung mit vielen bohrenden Fragen schilderte der Albaner viele Einzelheiten: unter anderem, dass die Übergabe der Drogen im Parkhaus des Einkaufszentrums „Lago“ stattfand und dass er „die Ware“ von drei Männern, darunter zwei Türken mit Schweizer Dialekt und Schweizer Kennzeichen, bekommen habe. Er blieb auch auf lautstarke Nachfragen bei seiner Linie. Auch Heinz Tausendfreund. der Verteidiger des beschuldigten Türken, konnte die Darstellung nicht erschüttern.

Im gleichen Prozess geht es auch um einen anderen Komplex: um den Drogenhandel von drei einheimischen jungen Männern. Am Verhandlungstag am Dienstag berichteten zwei Beamte des Landeskriminalamts, wie ein verdeckter Ermittler (Angehöriger der Polizei) und ein Spitzel aus der Szene Geschäfte mit dem Trio abgeschlossen und Einblick in ihr Treiben gewonnen haben. In ihrer Wohnung hätten die „Spione“ teilweise „verheerende Zustände“ angetroffen. Zum Beispiel, wie sich ein 15-Jähriger auf dem Boden liegend „einen Joint gezogen“ habe. 15-Jährige seien auch als Dealer angeworben worden. Die Angeklagten hätten Marihuana, Extasy oder auch LSD verkauft. Und auch einen Heroin-Deal über 40 000 Euro hätten sie ins Spiel gebracht. Dazu gab es aber keine Fragen mehr.

Der Prozess vor dem Rottweiler Landgericht wird am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt.

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