Bald Tempo 120 auf der A81 bei Geisingen

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Schwäbische Zeitung
Sarah-Lena Gombert

Als „stille Freude“ hat Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) die Reaktion der Geisinger Gemeinderatsmitglieder beschrieben, als er ihnen am Donnerstag die Botschaft überbracht hat, dass sich in Sachen Lärmschutz an der Autobahn 81 bei Geisingen etwas tut: Im kommenden Jahr soll auf dem Abschnitt zwischen Hegau und BadDürrheim Tempo 120 gelten. Auch wenn die offizielle Begründung dafür nicht der Lärmschutz für die Geisinger sein darf.

„Wir müssen alles dafür tun, dass die Autofahrer auf unseren Straßen jederzeit sicher und unfallfrei unterwegs sein können“, sagte Hermann im Geisinger Rathaus. Hier gab er den offiziellen Startschuss für das Projekt. In der offiziellen Begründung heißt es, dass Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit die Hauptursache für Unfälle auf der Autobahn sei. Nun soll untersucht werden, inwieweit das Unfallaufkommen durch die Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 120 Kilometer pro Stunde reduziert werden kann.

Mit Voruntersuchungen für das Projekt soll noch im September begonnen werden. Ab Mai kommenden Jahres, so Hermann, soll das Tempo dann gedrosselt werden. Neben Kontrollen setzt Hermann dabei vor allem auf die Vernunft der Autofahrer: „Ich glaube, dass man nicht nur mit harten Regeln und Bußgeldern erfolgreich sein kann“, so Hermann. Er forderte eine „andere Kultur des Fahrens“.

2152 haben für Lärmschutz an der A81 unterzeichnet

„Mit dem Lärmschutz kann man an der Stelle leider nicht argumentieren“, sagte Hermann, „denn die Dezibelwerte überschreiten nicht den oberen Grenzwert.“ Das Problem dabei sei, dass der Dezibelwert nicht gemessen, sondern gerechnet werde. „Diese Berechnungen haben nichts mit der Wahrnehmung von Menschen zu tun“, sagte Hermann und fügte entschuldigend hinzu: „Auch als Minister muss ich mich an Regeln halten, die ich für überholt halte.“ Damit sich grundsätzlich in Sachen Tempolimit auf Autobahnen etwas ändere, müssten Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat gefunden werden.

Geisingens Bürgermeister Walter Hengstler, der Winfried Hermann am Donnerstag 2152 Unterschriften von Geisinger Bürgern überreichte, die mehr Lärmschutz an der Autobahn fordern, zeigte sich zufrieden, dass sich immerhin etwas tun werde an der Autobahn – auch wenn die Lösung mit maximal 120 Kilometer in der Stunde nicht den Forderungen des Gemeinderates entspricht.

Auch dem Daimler Prüf- und Technologiezentrum in Immendingen stattete der Verkehrsminister einen Besuch ab und zeigte sich beeindruckt vom Fortschritt der Bauarbeiten und von den Bemühungen des Konzerns, dem Naturschutz durch Ausgleichsmaßnahmen gerecht zu werden. „Für Immendingen ist das Zentrum eine Riesenchance“, sagte Hermann. Er betonte auch, dass für die Landesregierung die Ortsumfahrung für Immendingen wieder stärker im Visier sei. Wenn alles klappe, dann sei die Ortsumfahrung in zwei Jahren als Gesetz im Bundesverkehrswegeplan. An die Geduld der Immendinger appellierend sagte der Landesverkehrsminister: „Wenn man Menschen beteiligen will, dann braucht man Zeit.“

Auch, was den Zubringer angehe, die L 225, werde sich etwas tun. Dass es an der Brücke über die Donau im Moment noch keine Baustelle gibt, konnte Lothar Ulsamer von Daimler etwas Positives abgewinnen: „Es ist doch gut, dass wir mit unseren Bauarbeiten am Prüfzentrum nicht mit Straßenbauarbeiten kollidieren“, sagte er. Das gelte sicher auch für das neue Gewerbegebiet, das gegenüber vom Prüfzentrum entsteht.

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