Omas Lebensgeschichte in Rezepten

Lesedauer: 6 Min
Heidi und Christina Schmid beim gemeinsamen Kochen.
Heidi und Christina Schmid beim gemeinsamen Kochen. (Foto: David Zapp)
Schwäbische Zeitung

Zusammen haben Oma Heidi und ihre Enkelin Christina Schmid aus Fridingen ein Kochbuch geschrieben und veröffentlicht. Das Besondere daran: Aus gemeinsamen Gesprächen beim gemeinsamen Kochen entstand so nicht nur eine bloße Rezeptsammlung, sondern eine Biografie über die Christina Schmids Großmutter Heidi. „Oma Heidi – Kochbiografie in Gesprächen“ heißt die kulinarische Lebensgeschichte.

Alles fing mit einem Buch an, eines mit leeren Seiten. Christina Schmid schenkte ihrer Oma vor fünf Jahren diese Kladde mit der Bitte, der Enkelin doch ihre bewegte Lebensgeschichte aufzuschreiben. Doch die Seiten blieben vorerst leer. „Das war schlimm. Ich musste ständig weinen, weil die Erinnerungen aus meiner Kindheit, die ganzen Entbehrungen und Ängste in der Nachkriegszeit wieder hochkamen“, sagt Heidi Schmid.

Also musste ein Diktiergerät her, mit dem die Enkelin fortan die gemeinsamen Gespräche über die Vita ihrer Großmutter, ihr Leben im Bayrischen Wald, alte Kochrezepte sowie die Liebesgeschichte um die Großmutter und ihren Großvater, der aus Fridingen stammte, aufzeichnete. Mit 17 zog es Heidi Schmid aus dem Bayrischen Wald nach Metzingen, wo sie in den Wintermonaten als Hausmädchen Geld verdiente. Denn die elterliche Landwirtschaft in der Heimat war ein hartes Brot für die Familie.

Im Schwabenländle lernte sie dann einen jungen Mann aus dem Donautal kennen, der bei einem Metzgerei-Besuch sozusagen als Dolmetscher für das nur bayrisch schwätzende Mädchen herhalten musste. Fortan besuchte der Schwabe Heidi zwei Jahre lang in den Sommermonaten in Bayern und durfte sie schließlich zur Frau nehmen – immerhin war der Fridinger Protestant und kein Katholik. „Die Liebesgeschichte meiner Oma ist meine Lieblingsgeschichte in dem Buch“, muss die Enkelin zugeben.

Als die aufgezeichneten Gespräche dann für eine Biografie reichten, machte sich Christina Schmid, von Beruf Grafikdesignerin, daran, die Geschichten und Rezepte für das Buch zu ordnen. Dialogisch geht es von Kapitel zu Kapitel, Stück für Stück durch das Leben von Oma Heidi – und immer sind alte Familienfotos zwischen den Kapiteln eingeblockt, die auf der Rückseite eines von 52 Kochrezepten aus Heidi Schmids Fundus preisgeben. So sind neben schwäbischen Maultaschen auch bajuwarische Nationalrezepte, wie Semmelknödel, vertreten, Rezepte aus beiden Welten der Oma.

Als der Prototyp des Buches fertig war, suchte die in Stuttgart lebende Grafikdesignerin einen Verlag für ihr Buch. „Die Verlage fanden das immer toll, aber lehnten ab, weil der Druck zu aufwändig ist mit den verschiedenen Typografien und Papiersorten“, sagt Christina Schmid. Per Crowdfunding („Schwarmfinanzierung“) klappte es dann, das Buch zu verlegen. 238 Freunde, Bekannte und Unbekannte unterstützen das Buchprojekt finanziell. Nun ist es in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. 400 waren bereits vor dem Druck verkauft, mittlerweile ist die Hälfte bereits weg. Die Crowdfunder werden im übrigen mit einem Maultaschen-Kochkurs belohnt.

Anfängliche Scheu der Oma

Die Fotos von den vier Händen der beiden Protagonisten, die schnippeln, rühren, kneten und raspeln – aufgenommen von der Berliner Fotografin Andrea Grützner – ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. „Da sind die Hände der geübten Oma und dann sind da meine – die ungeschickten Hände“, sagt die Enkelin lachend.

Nicht die Kladde mit den leeren Seiten, sondern die vielen Gespräche beim Kochen waren der Königsweg zu dem Buch, auf denen die Enkelin ihrer Oma ganz nah kam und somit auch ihre eigene Familiengeschichte für die Nachwelt oder einfach nur für sich festgehalten hat. „Als das Buch dann fertig war, da war meiner Oma schon unwohl, ob man die Familiengeschichte wirklich veröffentlichen sollte“, sagt Christina Schmid. Aber die Scheu habe sich schnell gelegt – spätestens bei der ersten gemeinsamen kulinarischen Lesung.

Das Buch „Oma Heidi – Kochbiografie in Gesprächen“ mit 308 Seiten, 52 Rezepten und 84 Bildern von Christina Schmid ist im Selbstverlag erschienen und kann über die Internetseite www.omaheidi.de für 35 Euro bestellt werden. (zad)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen