„Mobbing kann nicht ausgeschlossen werden“

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 Ein Schüler drückt einen anderen zu Boden. Auch Gewalt gehört zu den Themen, mit denen sich Melanie Haas beschäftigt.
Ein Schüler drückt einen anderen zu Boden. Auch Gewalt gehört zu den Themen, mit denen sich Melanie Haas beschäftigt. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Seit 2015 arbeitet Melanie Haas als Schulsozialarbeiterin in der Grund - und Gemeinschaftsschule Obere Donau. Mit Redakteurin Marilena Berlan sprach sie über ihre Arbeit, Mobbing und weitere Themen, die die Schüler bewegen.

Frau Haas, was sind die Aufgaben eines Schulsozialarbeiters?

Ich bin da für Schülerinnen und Schüler. Zu meinen Aufgaben gehört es, Kinder in der Lebensbewältigung zu unterstützen, ihre sozialen Kompetenzen zu stärken sowie den Schulerfolg und die Klassengemeinschaft zu fördern. Außerdem helfe ich den Eltern, Kontakt zur Schule aufzunehmen, berate in Erziehungsfragen, stärke die Erziehungskompetenz und ermutige sie, sich an schulischen Projekten zu beteiligen.

Seit 2015 sind Sie als Schulsozialarbeiterin an der Grund- und Gemeinschaftsschule Obere Donau tätig. Kommen die Schüler mit ihren Anliegen von sich aus zu Ihnen oder muss ein Lehrer erst vermitteln?

Zu vielen Schülerinnen und Schülern habe ich durch regelmäßigen Kontakt in den Klassen eine Beziehung aufgebaut. Dadurch kommen viele der Kinder und Jugendlichen von sich aus auf mich zu. Zum Teil werden die Kinder und Jugendlichen auch von den Lehrkräften zu mir geschickt. Es steht ihnen allerdings offen, ob sie mit mir über ihr Anliegen sprechen möchten oder nicht.

Mit welchen Themen oder auch Problemen wenden sich die Kinder an Sie?

Themenschwerpunkte waren in den vergangenen Monaten vor allem Konfliktgespräche und Konfliktprävention. Weitere Themenbereiche waren der Umgang mit Medien, Probleme in Bezug auf die familiäre Situation, Mobbing, psychische Auffälligkeiten, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten sowie Unterrichtsstörungen, Diebstahl und Sachbeschädigungen. Auch die Themen Freundschaft und Liebe kamen in verschiedenen Gesprächen immer wieder auf. Durch die Vielfalt der Themen ergaben sich vereinbarte Gesprächstermine als auch Interventionen in Akutsituationen.

Unterscheiden sich die Anliegen zwischen Mädchen und Jungen?

Mit den Mädchen spreche ich viel über die Themen Emotionen und Freundschaft. Die Jungen benötigen häufiger Unterstützung in der Konfliktlösung.

Mobbing kommt in Schulen immer häufiger vor. Sind Kinder an Ihrer Schule auch davon betroffen? Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Mobbing kann nicht ausgeschlossen werden. An unserer Schule haben ein Sonderpädagoge und ich eine Fortbildung des Fachverbands für Prävention und Rehabilitation besucht, um im entsprechenden Fall angemessen intervenieren zu können.

Was raten Sie Eltern von Kindern, die von Mobbing betroffen sind?

Die Kinder und Eltern sollen sich in diesen Fällen an uns, also an mich als Schulsozialarbeiterin, sowie an die Lehrkräfte der Grund- und Gemeinschaftsschule Obere Donau wenden. Denn nur wenn offen darüber kommuniziert wird, ist es möglich zu helfen.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Zum einen mag ich die Vielfalt der Aufgaben und Themen, die mich jeden Tag erwarten. Langeweile gibt es nicht und jeder Tag stellt neue Aufgaben und Herausforderungen für mich bereit. Zum anderen ist das Arbeiten an der Grund- und Gemeinschaftsschule etwas Besonderes für mich, da ich dort in die Teamstrukturen eingebunden bin und dadurch viel mit den Lehrkräften und Mitarbeitern an den beiden Standorten zusammenarbeite.

Was finden Sie an Ihren Beruf anstrengend?

Um eine vertrauensvolle und ehrliche Beziehung zu einzelnen Kindern und Jugendlichen aufbauen zu können ist, es manchmal ein intensiver Prozess, der mühsam sein kann.

Was möchten Sie als Schulsozialarbeiterin bei den Kindern erreichen?

Ich freue mich, wenn ich es schaffe, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und sie dadurch in ihrer Lebensbewältigung fördere.

Gibt es einen persönlichen Erfolg, den Sie als Schulsozialarbeiterin in der Gemeinschaftsschule Fridingen/Neuhausen, hatten?

In meinem Arbeitsalltag habe ich viele kleine Erfolge. Aber besonders freue ich mich darüber, wenn das Vertrauen zu einzelnen Kindern und Jugendlichen soweit aufgebaut ist, dass sie bereit sind, sich auf meine Beratungen und vielfältigen Methoden einzulassen.

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