Hans Bucher: mehr als nur ein Maler

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Mitreißender Vortrag des Stückes „Maler Klecksel“ von Wilhelm Busch durch Wolfgang Gellert vor gespannt lauschendem Publikum.
Mitreißender Vortrag des Stückes „Maler Klecksel“ von Wilhelm Busch durch Wolfgang Gellert vor gespannt lauschendem Publikum. (Foto: Jürgen Hilscher)
Hans-Jürgen Bucher

Am Vorabend seines Todestages, 6. Oktober, ist Hans Bucher für die rund 100 Besucher im Scharf Eck wieder lebendig geworden: Dass er in einem kürzlich entdeckten Super8-Film aus privaten Beständen selbst auftrat, war eine der vielen Überraschungen des Abends.

Die Filmsequenzen zeigten ihn als Gastgeber in seinem Wohnzimmer und als humorvollen und mitfeiernden Teilnehmer einer feucht-fröhlichen Runde in Scharf Eck. Nur durch enges Zusammenrücken und Stehplätze konnten letztendlich alle Interessierten ein fast dreistündiges Abendprogramm anlässlich seines 90. Geburtstages im Februar genießen, zu der der Freundeskreis Hans Bucher eingeladen hatte.

Der Film „Hans Bucher. 7 Skizzen“ der Berliner Filmemacherin Barbara Teufel, der an diesem Abend Premiere hatte, eröffnete durch beeindruckend animierte Bildsequenzen neue Blicke auf sein künstlerisches Werk. Durch Interview-Szenen mit Menschen, die ihn gekannt hatten oder die von ihm beeinflusst sind, lässt der Film ein breites Panorama der Persönlichkeit von Hans Bucher entstehen. „Er hat das paradoxe Kunststück fertiggebracht, in seiner Heimatstadt zugleich Randsiedler und heimlicher Mittelpunkt zu sein“, sagt im Film Gabriele Frommer über ihn, die einige der letzten Ausstellungen mit ihm organisierte.

Auf eine neue künstlerische Seite von Hans Bucher machte die Kunsthistorikerin Claudia Sedlarz von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aufmerksam: Sie hatte im vergangenen Jahr ein Werkverzeichnis des Nachlasses erstellt und war dabei auf seine über 60 Skizzenbücher gestoßen. Am Beispiel des Skizzenbuches Nr. 34 aus dem Jahr 1978 illustrierte sie die hohe Qualität von Hans Bucher als Zeichner. Als gezeichnetes Tagebuch hatte er darin seine Reisen in verschiedene Städte festgehalten. Besonders beeindruckend seine akribischen Zeichnungen von Museums- und Ausstellungstechnik wie Beleuchtungen, Vitrinen, Boden- und Wandbelägen, die er offensichtlich als Anregung für das von ihm neu zu gestaltende Heimatmuseum in Fridingen dokumentiert hat.

Den Sinn für Humor und die Begeisterung für Wilhelm Busch teilte Hans Bucher mit dem Schauspieler Wolfgang Gellert, der bei ihm als Malergeselle gearbeitet und der von ihm über viele Jahre in seiner Schauspielausbildung und -karriere gefördert wurde. Gellert, inzwischen renommierter Schauspieler mit Engagements unter anderem am Wiener Burgtheater, trug auf mitreißende Art die Geschichte von Maler Klecksel vor, in der Wilhelm Busch den Kunstbetriebe seiner Zeit auf den Arm nimmt. Manche der Passagen über die Malerei scheinen Hans Bucher wie auf den Leib geschrieben: „Wer wird vor allen hochgeschätzt? Der Farbenkünstler! Und mit Grund! Er macht uns diese Welt so bunt.“

Die Brücke zwischen den heutigen Fridinger Künstlern und Hans Bucher schlugen Jeremias und Christof Heppeler. In ihrem Hans Bucher gewidmeten Film „wunder hunger| vervollgung“ montieren und verfremden sie Szenen aus Super8-Filmen, die er gedreht hatte, zum Beispiel vom Abriss eines Hauses in Fridingen oder eine Autofahrt von Bergsteig auf den Knopfmacher – und versehen sie mit eigenen und gesammelten Texten und eigener Musik.

An den Denkmalpfleger, Restaurator und Begründer des Fridinger Heimatmuseums erinnerten Altbürgermeister Roland Ströbele und Willi Herrmann. Ströbele schilderte lebhaft die Geburtswehen des Heimatmuseums und würdigte die Restaurierungsarbeiten von Hans Bucher in der Fridinger Sankt-Anna-Kapelle und der Kirche in Bärenthal. Willi Herrmann machte deutlich, welche Rolle Hans Bucher bei der Erhaltung der Kallenburg im Donautal in den Jahren 1969 bis 1972 gespielt hatte und dokumentierte den Einsatz mit Fotos.

An Hand von Auszügen aus dem Tagebuch von Hans Bucher zeigte sein Neffe Hans-Jürgen Bucher einige der persönlichen Seiten des vielfältigen Künstlers: seine Begeisterung für die Schönheit der Natur, seine Sorgen, nicht alle Bilder malen zu können, die er noch im Kopf hatte, seine Bescheidenheit und seine Scheu vor öffentlicher Würdigung. So heißt, es in einem Tagebuch Eintrag vom 16. Dezember 1998 anlässlich einer anstehenden Ehrung: „Für die Menschen wollte ich leben, vor allem auch für die einfachsten, die schwachen – und nicht von ihnen oder durch sie berühmt werden.“

Die Wirtin Anne Nast überraschte die Gäste mit einem Lieblings-Versper von Hans Bucher: mit Wurstsalat gefüllte Wecken. Bei der abschließenden Führung durch das Künstlerhaus wurden noch einige Geschichten über Hans Bucher von Wolfgang Gellert und Uschi Hilscher zum Besten gegeben. „Die alten Boxer“, die den Abend musikalisch begleitet hatten, sorgten währenddessen noch für Stimmung an den immer noch vollen Tischen im Scharf Eck.

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