Bild der verstaubten Verwaltung entkräften

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 Axel Henninger
Axel Henninger (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Am 25. Februar nimmt der neue Kämmerer des Gemeindeverwaltungsverbandes Donau-Heuberg, Axel Henninger, in Fridingen seine Arbeit auf. Nach 18 Jahren in der Kämmerei Geisingen zieht es den Mühlheimer beruflich zurück ins Donautal. Redakteur David Zapp hat Axel Henninger über neue Aufgaben, den Zeitgewinn auf der Straße und das Finanzsystem Doppik gesprochen.

Wie lange waren Sie Kämmerer der Stadt Geisingen und welche Beweggründe gibt es für Sie, nun nach Fridingen zum GVV Donau-Heuberg zu wechseln?

Ich war etwas über 18 Jahre Kämmerer der Stadt Geisingen und konnte die sehr positive Entwicklung der vergangenen Jahre mitgestalten. Mein Wechselgrund ist eigentlich ein ganz banaler – nämlich die Zeit. Die Zeit, die ich auf der Straße verliere. Diese ist von Jahr zu Jahr immer länger geworden. Von anfangs unter 30 auf jetzt mindestens 50 Minuten. Dabei ist nicht das gestiegene Verkehrsaufkommen der große Verursacher, sondern schlichtweg Veränderungen in der Verkehrsführung, weg von der „Grünen Welle“ hin zur „Roten Welle“. Durch den Wechsel zum GVV Donau-Heuberg gewinne ich im Schnitt diese Stunde pro Tag.

Welche Umstellungen kommen in Fridingen auf Sie zu? Was ändert sich im Vergleich zu Ihrer Tätigkeit in Geisingen?

Zunächst einmal treffe ich in Fridingen auf ein für mich neues und sehr motiviertes Team. Gemeinsam heißt es, am Bestand anzuknüpfen, diesen fortzuführen und konsequent weiterzuentwickeln. Der GVV Donau-Heuberg steckt, wie Geisingen auch, mitten im Umstellungsprozess auf das neue Finanzwesen. Neben der Teambildung ist es Ziel, zu Jahresbeginn 2020 die Haushalte der einzelnen Kommunen nach den neuen Vorgaben zu buchen.

Was hat Sie gereizt, Kämmerer von mehr als nur einer Gemeinde zu werden?

Mit dem Konstrukt eines Gemeindeverwaltungsverbandes kann die Selbstständigkeit kleinerer und damit auch finanzschwächerer Kommunen erhalten werden. Dies unterstützt die eigene Identität, das Wir-Gefühl. Man ist selbstständig und nicht einer Stadt angehörig. Es wird sicher sehr spannend, mit den verschiedenen Bürgern, Gremien, Bürgermeistern und Verwaltungen zu arbeiten. Drauf freue ich mich schon.

In Fridingen beim GVV werden die ersten Haushaltspläne nach der Doppik erstellt, die nun erstmals Einzug in die Finanzverwaltung hält. Wie vertraut sind Sie mit dem neuen System oder erwarten Sie noch Anlaufschwierigkeiten?

Geisingen befindet sich aktuell im selben Umstellungsprozess. Natürlich wird es, wie bei allem Neuen, die eine oder andere Anlaufschwierigkeit geben. Dies bestätigen die Kommunen, die zuletzt umgestellt haben. Aber auch wir werden diese Hürden überspringen und die passenden Lösungen finden.

Erklären Sie unseren Lesern möglichst knapp und einfach den Unterschied zwischen Doppik und Kameralistik!

Die Kameralistik arbeitet nach dem Geldverbrauchsprinzip. Das heißt, es werden alle Ausgaben, seien es laufende Ausgaben, wie Personal- oder Unterhaltungsausgaben oder auch einmalige Investitionen, wie eine Fahrzeuganschaffung oder ein Neubau von den Einnahmen abgezogen. Es wird somit lediglich betrachtet, ob sich eine Kommune diese Ausgabe gerade leisten kann – das heißt, ob derzeit genug Geld dafür vorhanden ist.

Und die Doppik?

Die Doppik arbeitet nach dem Ressourcenverbrauchsprinzip. Das heißt, durch dieses Prinzip wird nicht nur der Geldverbrauch dargestellt, sondern auch die Folgekosten. Hier soll generationengerecht gewirtschaftet werden. Bislang wurden die anfallenden Folgekosten eher selten betrachtet. Dies ist nun der Fall.

Gibt es noch weitere Aspekte?

Ein weitere Veränderung ergibt sich durch die vollständige Abbildung der Verschuldung. Diese wird um die Bildung von Rückstellungen erweitert und sichere Ausgaben der Folgejahre werden sofort dargestellt. Dies soll zu höherer Transparenz beitragen und vor unliebsamen Überraschungen schützen. Die Verwaltung soll durch die Doppik mehr als Dienstleistungsgeber gesehen werden, welche die sogenannten Produkte, wie beispielsweise den Kindergartenplatz, die Stunde im Freibad oder auch den Personalausweis für die Bürger bereitstellt. Das Bild der „verstaubten“ Verwaltung soll dadurch entkräftet werden.

Was ist ein Kämmerer in der Lage zu tun, um eine Kommune finanziell in der Bahn zu halten?

Neben der Aufstellung des Haushaltsplans und der Jahresrechnung ist es die Aufgabe des Kämmerers, auch während des Jahres zu beraten. Dabei sollte nicht nur ein Augenmerk auf das Einhalten der laufenden Einnahmen und Ausgaben gerichtet sein, sondern auch in die weitere Zukunft. Gremien und Verwaltung sollten rechtzeitig auf Fördermöglichkeiten hingewiesen, Projekte gemeinsam entwickelt werden.

Was bedeutet der Wechsel nach Fridingen für Sie privat?

Mit dem recht großen Zeitgewinn durch den Wegfall der Fahrtzeiten kann ich wieder mehr Zeit für Familie und Hobbys verwenden.

Was ist Ihre Zielsetzung bei Ihrer neuen Stelle? Was haben Sie sich vorgenommen?

Gemeinsam mit dem Team des Gemeindeverwaltungsverbandes die Belange der Mitgliedsgemeinden erfüllen und damit ihre Eigenständigkeit und Identität zu wahren.

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