Kornelia Hörburger

Eine temporeiche Komödie, spielfreudige Darsteller, pfiffige Regieeinfälle und ein professionelles Technik-Team haben der Theatergesellschaft Liptingen am vergangenen Wochenende zwei ausverkaufte Abendvorstellungen in der Schlossbühlhalle beschert. Im diesjährigen Stück „Und ewig rauschen die Gelder“ hat sich die Truppe selber übertroffen.

Die Grundlage des Erfolgs hat Regisseur Klaus Schönbrunn mit einer besonders glücklichen Stückwahl geschaffen: Michael Cooneys Boulevard-Stück nimmt ohne Verzögerung an Fahrt auf und hält das rasante Tempo bis zum Schluss.

„Es ist alles aus dem Ruder gelaufen. Die haben mir immer mehr Geld geschickt!“ So erklärt Eric zu Beginn seine verzweifelte Situation. Doch ganz ohne sein Zutun sind all die Krankengelder, Witwen- und Waisenrenten nicht bei ihm gelandet. Seit zwei Jahren bezieht Eric Sozialleistungen für eine immer größere Schar erfundener, angeblich im Haus wohnender Bedürftiger, um seine eigene Arbeitslosigkeit vor seiner Frau zu vertuschen. Munter mitgemischt hat dabei der gewiefte „Onkel Georg“. Als ein Prüfer vom Sozialamt ins Haus schneit, gibt Eric vor, der arbeitslose „Hinkebein Tobler“. Eine Täuschung provoziert die nächste, und so finden sich auch Norman und Georg in ganz unverhofften Rollen wieder. Das Verwechslungskarussell dreht sich immer schneller, bis am Ende der vermeintlich tote Onkel Georg über die Bühne stürmt, die Totenbahre wie einen Schildkrötenpanzer auf den Rücken geschnallt. Und zum Showdown tritt auch noch Norman in Frauenkleidern auf.

Thomas Härtwig alias „Norman“ erliegt nicht einmal in Frauenkleidern der Versuchung, völlig zu überdrehen. Bei allem Slapstick bleibt das Spiel der Liptinger konzentriert und kontrolliert. Michael Beck als Eric weiß den anfänglichen Wahnsinn im Lauf des Abends sogar noch zu steigern. Der Sozialamtsinspektor (Thomas Schönbrunn) hat bei alledem die Ruhe weg, selbst wenn er, nur mit Pömpel bewaffnet, von einer (echten, im Schleudergang auf die Bühne hüpfenden!) Waschmaschine verfolgt wird. Und er behält sogar im (vom Sturz vom Dach) zerfetzten Anzug in der Schlussszene Contenance.

Für den schrulligen Onkel Georg, der es faustdick hinter den Ohren hat, kann es wohl keine authentischere Besetzung als Rolf Kirchmann geben. Und Andrea Schönbrunn erhält Zustimmung vom Publikum als liebende Ehefrau Linda, die ihrem Eric am Ende alles verzeiht.

In den fein herausgearbeiteten Nebenrollen geben Sarah Ackermann und Gary Hartmann äußerst mitfühlende, wenn auch ziemlich realitätsfremde Familienfürsorger. Britta Berger muss bei ihrem Bühnendebüt als Normans Verlobte zahlreiche Schrecksekunden überwinden, bevor Bestatter Bieler (Martin Jäger) und Sozialamts-Leiterin Krüger (Petra Zimmermann) am Ende seriös – aber nicht ohne ein Augenzwinkern - die Ordnung wiederherstellen.

Der heimische Dialekt begünstigt das natürliche Spiel, mit dem die Liptinger bestechen. Stirnmikrofone ermöglichen Dialoge in ungekünstelter Tonlage, ohne gepresste Stimmen. Die Angst entfällt, nicht laut genug zu sein, denn dank der Hightech-Headsets gelingt Gerd Kühnemundt und seinem Team eine professionelle Beschallung der Halle bis in die letzte Reihe.

Auch die Bühnenbauer nutzen moderne Technik: beschauliche Landschaftsprojektionen hinter Fenster und Haustür verwandeln sich bei Bedarf in eine Gewitter-Szenerie. Und immer wieder gibt die kurz geöffnete Küchentür den Blick auf liebevoll analog dekorierte Regale frei.

Beim Öffnen dieser Tür fliegt schon mal ein Lauscher in hohem Bogen auf die Bühne – oder Onkel Georg geht getroffen dahinter k.o. zu Boden. Doch eigentlich verbergen die vier Türen ja ständig wechselnde Figuren, die gerade aus dramaturgischen Gründen aus der Schusslinie müssen. Wehe, jemand ginge im Eifer des Gefechts durch die falsche Tür von der Bühne.

All das kann nur so leicht aussehen, wenn es schwer erarbeitet wurde. Dafür dankt das Publikum mit langem Applaus und „Zugabe“-Rufen.

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