Nach Jahrzehnten erklingt die alte Sebastiansglocke wieder im Emminger Kirchturm

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Linda Seiss

Mehr als 100 Stufen geht es im Turm der Emminger Pfarrkirche St. Silvester steil nach oben, bis der Glockenstuhl erreicht ist. Teils sind sie im Zuge der Kirchturmsanierung erneuert worden. Viele der alten Stufen sind aber erhalten geblieben. Doch die Treppe und das Geländer sind nicht die einzigen Dinge, die in den vergangenen Monaten im denkmalgeschützten Turm gerichtet wurden.

Auf den ersten Metern, die enge Treppe hinauf, sind an einigen Stufen – ob neu oder alt – goldene Täfelchen angebracht. Auf jedem steht ein Name. „Das sind die Namen der Spender“, erklärt Ulrike Störk. Sie ist Mitglied des Pfarrgemeinderats. „Jeder durfte spenden, was er wollte, und ist im Gegenzug auf den Täfelchen verewigt worden“, sagt sie. Etwa 50 Spender seien zusammengekommen.

„Hier sollten Sie aufpassen und den Kopf einziehen“, rät Störk auf dem Weg nach oben. Denn über der Treppe verläuft ein alter Balken. Einige Stufen später ist der Aufstieg dann geschafft. Ganz oben, unter dem Dach des Turms, hängt seit Kurzem die Christkönigsglocke. Sie ist die größte der insgesamt fünf Glocken, sagt Störk. „Sie ist 1952 in den Turm gekommen. Im Zuge der Sanierung ist sie nun nach oben gezogen worden und hat ihren eigenen Glockenstuhl bekommen“, erklärt sie.

2020 soll Jubiläumsglocke ihren Platz im Turm finden

Eine Etage tiefer befinden sich die Marien-, die St.-Silvester und zwei Sebastiansglocken. Das Besondere: „Die damaligen Glocken sind im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden. Nur die kleinste, die Sebastiansglocke aus dem 17. Jahrhundert, durfte bleiben. Allerdings hat diese kurz nach dem Krieg einen Sprung bekommen und wurde abgehängt“, erläutert Störk. Dank der heutigen Möglichkeiten sei der Riss zugemacht worden. „Nach fast 70 Jahren ist sie also wieder im Turm.“

Im Jahr 2020 soll im Glockenstuhl außerdem die Emminger Jubiläumsglocke ihren Platz finden, verrät sie. „Die Glocken sind so versetzt worden, dass die Jubiläumsglocke dann noch ihren Platz findet.“ Dann wird es für einen Moment ziemlich laut. Es ist Viertel nach zwei. Die Glocken läuten ein Mal. Auch einige Momente später klingen sie noch nach.

Auf dem Weg zurück nach unten blickt Ulrike Störk auf den vergangenen Sonntag zurück. Denn nach der Adventskranzsegnung am Lindenbrunnen war die Bevölkerung zum „offiziellen Turmfinale“ eingeladen. Interessierte hatten die Möglichkeit, sich den sanierten Turm anzuschauen. „Auf jeder Etage war etwas geboten“, sagt Störk und zeigt auf einige Laternen aus Holz. „Hier haben die Ministranten Laternen verkauft.“ Weiter unten gab es Waffeln, Glühwein und Punsch.

Wieder in der Kirche angekommen, zeigt Störk auf zwei Krippenfiguren. Eine der beiden symbolisiert Johannes den Täufer. Er steht auf einem alten Joch-Teil aus dem Kirchturm. Die andere Figur stellt den Heiligen Josef als Zimmermann dar – ebenfalls an einem Relikt des Kirchturms. „Wir haben alte Holzbalken und ein altes Joch als Deko und zur Erinnerung hierbehalten.“

Info: Sanierungskosten

Die Kosten für die Sanierung des denkmalgeschützten Kirchturms belaufen sich laut Angaben von Ulrike Störk auf etwa 370000 bis 380000 Euro. Zehn Prozent davon übernimmt die Gemeinde Emmingen-Liptingen. „Etwa 40000 Euro sind durch Spenden aus dem Dorf zusammengekommen“, sagt Störk. Die Denkmalförderung beträgt ihrer Aussage nach 18000 Euro. Die Bauleitung habe Udo Störk ehrenamtlich übernommen. Den Restbetrag müsse die Pfarrgemeinde über Rücklagen und Darlehen bezahlen. Neben den Zimmermannsarbeiten wurden, so Störk, Teile des Dachs sowie die Elektrik erneuert und der Turm von außen gestrichen. (lise)

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