Während der Emminger Bürgermeister und sein Stellvertreter lieber das traditionelle Bier im alten Gasthaus genießen, wollen die
Während der Emminger Bürgermeister und sein Stellvertreter lieber das traditionelle Bier im alten Gasthaus genießen, wollen die jungen Liptinger frischen Wind in das verschlafene Dorf bringen. (Foto: Fotos: Simon SCHNEIDER)
Simon Schneider

Den Ort Emmingen mitsamt seinem Gasthaus „Zum Alten Seewirt“ so richtig in Schwung bringen ist mit dem Bürgermeister samt Anhang nicht gerade das einfachste Vorhaben. In der Komödie „Café, Cash und Kaugummi“ des Laientheaters Emmingen hat dieser Versuch in der Witthohhalle am Samstagabend bei den rund 130 Zuschauern für viele Lacher gesorgt – auch beim Autor des Stücks selbst, der die Aufführung mitverfolgte.

„Aus dem alten Schuppen kann man wirklich noch was machen“, ist sich die neue Wirtin Sabine Teufel (Lea Rohrbach) sicher, die mitsamt ihren Freunden Marco (Richard Gundel), Karin (Julia Kratzer) und deren Freund (Oscar Hannabach) das am See gelegene Emmingen einer Runderneuerung unterziehen möchte. Und zwar in Form touristischer Attraktionen wie einem Sandstrand, einem Funpark sowie einer amerikanischen Speisekarte.

Beim Bürgermeister Anton Knackig (Richard Gnirß) und seinem Stellvertreter Johann Klemmer (Rolf Klebaum) kommt das gar nicht gut an, vor allem, weil die Ideengeber aus Liptingen kommen und diese nicht nur das Gasthaus in „Seepanorama Bistro“ umbenennen und Bier und Bratwurst von der Karte streichen, sondern auch vor dem Heimatmuseum nicht Halt machen wollen. Doch für dieses haben die Bürgermeister-Gattinnen Liselotte Knackig (Christina Rohrbach) und Klara Klemmer (Karla Sasse) sowie die Sekretärin Rosemarie Knöpfle (Barbara Schaz) ganz andere Pläne. Sie peilen ein Begegnungszentrum „Von der Frau – für die Frau“ an, genauso Gemeinderätin Gisela (Claudia Faller), die keinen Halt vor knackigen Männerärschen und durchtrainierten Körpern macht und auf Tuchfühlung geht. Die Lacher in der Witthohhalle waren damit programmiert.

Dem Schultes wird das zu viel, schmeißt die Pächter raus und engagiert kurzerhand seinen Gemeindearbeiter Peter Schnell (Toni Medved) als Wirt, der alles andere als schnell ist und lediglich auf die Worte „Feierabend“, „Prost“ und „Mahlzeit“ reagiert.

Die Handlung des Stücks nimmt nach dem ersten von drei Akten eine rasante Wendung. Da die Ideen der „Vögel aus Liptingen“, wie sie der Bürgermeister bezeichnete, keinen Anklang bei den konservativen Rathaus-Chefs finden, verkleiden sich diese und führen den Schultes hinters Licht. Als Jonny, der angeblich von einer großen Filmproduktionsfirma kommt, verspricht einer von ihnen Emmingen hunderte Arbeitsplätze, eine „American Superworld“ mit gigantischer Skihalle und das alles, um 395 Folgen der neuen Serie „Sterne am Himmel“ zu drehen. Dem Bürgermeister selbst wird sogar eine Filmrolle angeboten. Und als dieser hört, dass die millionenschwere Produktionsfirma das Nachbardorf Liptingen aufkaufen möchte und darauf ein Flughafen entstehen soll, ist er restlos begeistert und zu allem bereit.

Schnell wird sein Stellvertreter zum Kofferpacker degradiert und selbst die peinlichen Gattinnen mit dem Schubkarren abgeführt, damit das scheinbare Großprojekt in die Tat umgesetzt werden kann. Bei diesen Szenen bleibt bei den Zuschauern kein Auge trocken. Der Bürgermeister beruft sogar die gekündigte Sabine Sauer zurück, die amerikanische Küche anbieten soll.

Mit gelungen in Szene gesetzten Dialogen der elf Laiendarsteller amüsierten sie ihr Publikum im Minutentakt – und das solange, bis der Bürgermeister selbst nichts mehr zu lachen hat, seine Seifenblase aus der „American Superworld“ platzt und die „Vögel aus Liptingen“ schließlich die Nutznießer sind.

Applaudiert und mitgelacht hat am Samstag der Autor des Stücks persönlich – Bernd Gombold, auch Bürgermeister von Inzigkofen. Er schrieb die Komödie „Cola, Cash und Kaugummi“ vor rund zehn Jahren, wie er unserer Zeitung erklärte. „Ich habe für das Stück etwa eine Woche gebraucht. Seither habe ich schon rund 15 weitere Werke geschrieben“, betonte er und ergänzte: „Die Schauspieler haben meine Komödie toll umgesetzt und sie haben die Charaktere gut verkörpert. Die Rollenverteilung hat gepasst.“ Vor allem die Szene, als die Frauen mit der Schubkarre abtransportiert werden und der „treudoofe Stellvertreter“ hätten ihm sehr gefallen. „Ich habe mich sehr amüsiert. Der Abend hat mir großes Vergnügen bereitet“, so der Autor abschließend.

Zu den insgesamt drei Aufführungen kamen rund 400 Besucher.

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