Das Modell der Halle: Blick auf das Foyer und das charakteristische Dach der geplanten neuen Witthohhalle. (Foto: David Zapp)
Schwäbische Zeitung

Dreimal Ja für den Bau der neuen Witthohhalle: Die große Mehrheit des Gemeinderats Emmingen-Liptingen hat die Kostenberechnung und Planung des Architektenbüros Wezel, die Sparvorschläge des Hallenausschusses und die Verlegung der Parkplätze nach Süden beschlossen. Somit stimmte der Rat auch dem Bauantrag für die neue Halle zu. Für die Tribüne scheint es dagegen kaum Hoffnung zu geben.

Erleichterung stand den Räten nach einer hitzigen Sitzung nicht ins Gesicht geschrieben, denn der Beschluss des 6,35-Millionen-Euro-Projekts birgt noch viele offen gelassene Fragen wie die rechtlich ungeklärte Lärmsituation sowie mögliche Einsparmöglichkeiten, die das beauftragte Büro Plancontrol in seinem Ergebniskatalog nicht explizit anführte. Für Druck hatte auch der Zeitplan gesorgt, denn ohne Beschluss drohte der Landeszuschuss von 500000 Euro zu verfallen. Die Gemütslage der Ratsmitglieder machte das Ausmaß des Beschlusses deutlich – sie reichte von Augen zu und durch über Enttäuschung bis hin zu Resignation. Enttäuschung und Resignation

Kosten: Die letzte Kostenberechnung für den Hallenneubau belief sich auf 6,8 Millionen Euro. Der Hallenausschuss hatte Vorschläge gemacht, wie rund 230000 Euro einzusparen sind. Größte Brocken: Der Mehrzweckraum soll auf 80 Quadratmeter schrumpfen (Einsparung: 140000 Euro), die Schallschutzanforderung zwischen Bühne und Halle wird reduziert (Einsparung: 29000 Euro) und das Foyer soll kleinere Ausmaße annehmen (Einsparung: 34000 Euro). Weitere Sparpotenziale sah der Ausschuss bei der Ausstattung der Halle (60000 Euro).

Das Büro Plancontrol will noch Einsparungen in Höhe von 300000 Euro ausgemacht haben, wobei im Bericht des Büros unklar blieb, an welcher Stelle abgespeckt werden könnte. „Warum sind die nicht hier? Ich habe 30 unbeantwortete Fragen“, monierte Gerhard Störk (Die Liste).

Die Verlegung der Parkplätze südlich des Kleinspielfeldes schlägt mit 119000 Euro zu buche. Unterm Strich sieht die Kostenberechnung folglich eine Summe von 6,35 Millionen Euro vor. Damit liegen die Kosten fast zwei Millionen Euro über der ursprünglich per Ratsbeschluss limitierten Kostenhöhe von 4,5 Millionen Euro. Otto Schoch (Offenes Bürgerforum) meinte daher: „Wenn man sparen will, muss man jetzt die Reißleine ziehen.“ Erzürnt äußerte sich Andreas Zeiser-Radtke (Offenes Bürgerforum): „Den Menschen ist nicht erklärt worden, warum es jetzt für mehr Geld eine kleinere Halle ohne Tribüne geben soll. Ich bin stinksauer auf die Verwaltung.“ Seine Ratskollegin Angelika Störk (Frauen initiativ) fand: „Wir haben wieder unser Ziel verfehlt. Ich halte die Einsparung von 300000 Euro für eine Illusion.“ Bernd Richter (Die Liste) mahnte: „Wir sparen nichts, wenn wir die Halle wieder zurückstellen.“ Und Richard Gnirß (UWG) konstatierte: „Ich will die Halle jetzt – ohne Wenn und Aber.“

Variantenvergleich: Die Gemeinderäte Gerhard Störk, Bernd Richter, Clemens Buhl, und Andreas Zeiser-Radtke (Die Liste) hatten einen Vergleich beantragt, die Kosten der aktuellen Planung (Architektenbüro Wezel) und der vormaligen Hallenplanung (Büro Glück) gegenüberzustellen. Das von der Verwaltung beauftragte Büro Plancontrol sprach sich gegen eine Rückkehr zur Glück-Planung aus, die 7,43 Millionen und damit 63600 Euro mehr als die Wezel-Planung kosten würde.

Lärmschutz: Trotz einer Verlegung der Parkplätze südlich des Kleinspielfeldes werden laut Lärmschutzgutachten des Freiburger Büros Heine+Jud die Richtwerte für Lärmemissionen in keinem Fall eingehalten werden können. Das sorgte in der Runde für Stirnrunzeln. Da es sich am Hallenstandort um ein reines Wohngebiet handele, sei es „ein Ding der Unmöglichkeit“, die Richtwerte für Lärm dort einzuhalten, sagte Thomas Heine. Reiner Keller (UWG) sprach einigen seiner Ratskollegen daraufhin aus der Seele: „Wenn der Lärmschutz nicht rechtmäßig ist, kann ich nicht zustimmen.“ Zudem liege das Lärmschutzgutachten der Verwaltung seit Mitte April vor und hätte somit im Rat behandelt werden können. Hauptamtsleiter Patrick Allweiler: „Vor zwei Jahren haben wir vom Landratsamt auch die Baugenehmigung bekommen, da war von einem Lärmschutzgutachten nicht die Rede.“ Kein alternativer Standort

Nur kurz flackerte die Idee auf, sich auf einen alternativen Standort für die Halle zu konzentrieren. Ein neuer Standort würde zumindest dem Lärmschutzproblem entgegengekommen. „Dann müssen wir das volle Lärmschutzprogramm fahren“, forderte Zeiser-Radtke. Angelika Störk: „Ein Beschluss wäre ein rechtswidriges Verhalten.“ Zehn Mal pro Jahr dürften beim derzeitigen Planungsstand die Grenzwerte für Lärm bei Veranstaltungen überschritten werden. Andernfalls könnten Anwohner gegen die Ruhestörung klagen. Das würde Nutzungseinränkungen nach sich ziehen.

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