Das sind Frauen Initiativ: obere Reihe von links: Lydia Hannabach, Angelika Störk, Claudia Kreitinger, Silvia Erfle und Astrid
Das sind Frauen Initiativ: obere Reihe von links: Lydia Hannabach, Angelika Störk, Claudia Kreitinger, Silvia Erfle und Astrid Thiel. Untere Reihe von links: Andrea Weiler, Arlette Windrich, Martina Auchter, Marianne Thoma, Glorija Bastalic. Nicht auf dem Bild sind Birgit Baur, Claudia Heitzmann (Foto: Frauen Initiativ)

Mit zwölf Kandidatinnen geht „Frauen Initiativ“ ins Rennen um die 14 Sitze im Gemeinderat Emmingen-Liptingen. Mit Angelika Störk und Martina Auchter sind bereits zwei Frauen der Liste im Gremium vertreten. Für was Frauen Initiativ einsteht und warum sich die Frage, wie die Frauen Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut bekommen, für die Kandidatinnen nicht stellt, erörtert unsere Redakteurin Linda Seiss im Gespräch mit Angelika Störk.

Frau Störk, Frauen Initiativ stellt zwölf Kandidatinnen: Wer ist – außer Ihnen und Ihrer Listenkollegin Martina Auchter – bei einer früheren Kommunalwahl bereits angetreten, und wer lässt sich zum ersten Mal aufstellen?

Andrea Weiler ist noch nie angetreten, Astrid Thiel in der vergangenen Legislatur nicht, Lydia Hannabach stand auf einer anderen Liste. Sie kandidiert erstmals auf der Frauenliste. Mit Claudia Heitzmann haben wir eine erfahrene Kandidatin: Sie war von 2009 bis 2014 Gemeinderätin.

Sie haben fast alle Kinder: Wie bekommen es die Frauen geregelt, Ehrenamt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Wie bekommen die Männer das hin? Werden die das auch gefragt als Familienväter? Wir leben ein partnerschaftliches Familienmodell, in dem sich auch der Partner in Familienarbeit einbringt.

Für was steht Frauen Initiativ ein? Was wollen Sie in der nächsten Legislaturperiode im Gemeinderat erreichen?

Wir können dies nur exemplarisch darstellen. In mehreren Arbeitsworkshops entwickelten wir vier zentrale Aspekte mit jeweiligen Untergruppen und trafen uns auch regelmäßig während der gesamten Legislatur. Hauptthemen sind eine lebenswerte Kommune für alle, vielfältiges, bedarfsgerechtes Wohnen, die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf sowie gelebte Demokratie.

Zur lebenswerten Kommune gehört beispielsweise, die Grundversorgung zu erhalten und auszubauen, ein zukunftsfähiges Konzept für die medizinische Versorgung unserer Gesamtgemeinde durch den Neubau von Praxisräumlichkeiten und Unterstützung des Arztes, aber auch ökologische Aspekte, wie naturnahe Flächen oder ein Ausbau des ÖPNV – auch landkreisübergreifend.

Ein vielfältiges, bedarfsgerechtes Wohnen zeigt sich mit einem Gesamtkonzept Wohnen und Leben für jedes Alter, für Familien wie für Pflegewohnen und der vorrangigen Schließung innerörtlicher Baulücken. Durch qualitativ hochwertigen Ausbau der Kinderbetreuung, sowohl in den Kindergärten als auch in der Grundschule und die Nutzung des Alten Kindergartens für generationenübergreifende Projekte soll die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf verbessert werden.

Und wie stellen Sie sich gelebte Demokratie vor?

Die Bürger sollen konsequent über Gemeinderats- und Verwaltungsthemen informiert werden. Außerdem sollten Beschlussfassungen transparent veröffentlicht werden. Auch jährliche extern moderierte Bürgerversammlungen oder interaktive Kommunikation können zur gelebten Demokratie beitragen.

Was sind Ihrer Meinung nach drei der wichtigsten Errungenschaften in Emmingen-Liptingen, die in der noch laufenden Legislaturperiode auf Frauen Initiativ zurückzuführen sind?

Im Rat werden Errungenschaften gemeinsam erreicht oder umgesetzt, es braucht ja Mehrheiten. Aber wir waren oftmals durch Anträge initiativ, durch Durchhaltevermögen erfolgreich oder leisteten Vorarbeiten.

Besonders wichtig war uns das Thema ärztliche Versorgung. Wir konnten kurz vor Beginn dieser Periode einen Arzt für die Gemeinde gewinnen und tun alles für den Neubau kommunaler Arzträumlichkeiten mit einer angeschlossenen Senioren-WG, die in der Umsetzung ist. Dass die Entscheidung für einen Neubau fiel, basierte darauf, dass wir einen Praxisausstatter hinzuzogen und viele Arztgespräche führten. Frauen der Liste schafften es erstmals, ein neues baden-württembergisches Gesetz gelebter Demokratie durchzusetzen. Dadurch konnte bei einer Einwohnerversammlung zur Arztversorgung und dem Bau von kommunalen Arzträumlichkeiten auch der Arzt öffentlich gehört werden.

Außerdem setzten wir uns im sozialen Bereich unter anderem dafür ein, den alten Kindergarten zum wirklichen Bürgerzentrum zu machen, für „Emmilis“ Büchertruhe, die verlässliche Grundschule, Nachbarschaftshilfe und die Spielplatzsanierung (zusammen mit Eltern), eine Ausweitung der Kinderbetreuung und Vereinsförderung, mit Neugestaltung der Musikschulförderung sowie einen bedarfsgerechten Ausbau der Kindergärten und Krippen. Aber auch, was die Infrastruktur anbelangt, waren wir aktiv. Ein Punkt ist unter anderem ein umfassendes Hochwasserschutzkonzept nach dem „Wildwasser“, das uns hohe Investitionen, aber auch eine hohe Förderung und nun teilweise Gebiete mit 1000-jährigem Schutzstatus ermöglichte.

Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass Sie mit Frauen Initiativ zahlreich im neuen Gremium vertreten sein werden?

Wir haben nun 46 Kandidaten auf fünf Listen, da werden sich Zusammensetzungen im Rat ändern. Es wäre schön, wenn dadurch eine andere Kommunikationskultur durch mehr Frauen – dazu wäre mindestens ein Drittel erforderlich – entstünde, um noch sachgerechtere Entscheidungen zu treffen.

Was ist Ihr Ziel: Wie viele Frauen wollen Sie im Gemeinderat sehen?

Wir wollen mehr werden.

Warum sollten die Emminger und Liptinger Frauen Initiativ wählen?

In Anlehnung an das Erreichte sage ich, weil wir für das Gemeinwohl vor Einzelinteressen einstehen, viel arbeiten und uns vielfältig informieren sowie die meisten Anträge stellten. Außerdem würde sich mit mehr Rätinnen mehr für eine lebenswerte Kommune erreichen lassen.

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