Es kann los gehen: Zeilenkapelle erhält 100 000-Euro-Finanzspritze

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Das Dach ist notgesichert, die Glocke bereits auf dem Weg zur Untersuchung: Die Restaurierungsarbeiten an der Zeilenkapelle in Emmingen-Liptingen können nun vollends beginnen. Am Donnerstagnachmittag bekam Bürgermeister Joachim Löffler einen Fördervertrag über 100 000 Euro überreich. die Zuschussgeber: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Lotterie „Glücksspirale“.

Die mittelalterliche Glocke hängt nicht mehr im Dachreiter der Zeilenkapelle. Sie wird an der Hochschule in Kempten untersucht. Es soll die Frage beantwortet werden, wie genau sie restauriert werden soll, schilderte Architekt Thomas Kreuzer. „Das Zillerglöckchen ist eine Rarität aus dem 13. Jahrhundert.“ Denn viele Glocken seien im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden.

Holzwürmer werden begast

Im Frühjahr soll die Zeilenkapelle „eingehaust“ werden. Sobald die Temperaturen passen, werden die in den Wänden lebenden Holzwürmer begast. Konkret wird ein tödliches Gas für die Holzwürmer eingebracht. Anschließend werden diese herausgesaugt, beschrieb Kreuzer das Vorgehen. Danach werde mit dem Dachbereich begonnen. Bis zum nächsten Winter soll das dazu nötige Gerüst wieder abgebaut sein.

Im Inneren der Kapelle sind Bemalungen aus dem 15. Jahrhundert zu sehen. Christine Blessing, Ortskuratorin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, erinnerte daran, dass die ehemalige Kirche und heutige Kapelle zum besonders schützenswerten Denkmal hochgestuft und ins Denkmalbuch eingetragen wurde. „Die Zeilenkapelle ist jetzt auf einer Stufe mit dem Kloster Beuron und der Reichenau“, zählte sie beispielhaft auf.

Von Lotto Baden-Württemberg machte sich Frank Eisele, Geschäftsführer der Toto-Lotto Regionaldirektion Süd, auf den Weg nach Emmingen-Liptingen zur symbolischen Scheckübergabe. „Jeder, der spielt, und nicht gewinnt, ist ein Gewinn für Baden-Württemberg“, sagte er. Im Jahr 2018 habe Lotto Baden-Württemberg insgesamt rund 28 Millionen Euro in den Denkmalschutz gesteckt, berichtete er. „Das Geld der Glücksspirale macht es der Deutschen Stiftung Denkmalschutz möglich, wertvolle Kulturdenkmale zu erhalten.“

Atemberaubender Betrag

„Das ist ein atemberaubender Betrag“, bedankte sich Löffler. Begonnen habe alles mit der geplanten Restaurierung des Altars, für die 4000 Euro benötigt wurden, erinnerte er sich. Mittlerweile habe das Projekt einen Maßnahmenumfang von knapp einer halben Million Euro erreicht.

Da es sich bei der Zeilenkapelle um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt, fragte die Gemeinde bei der unteren Denkmalschutzbehörde, also dem Landratsamt Tuttlingen, an, ob die Gemeinde den Altar sanieren lassen dürfe. Als Antwort gab es dann ein „Nein“. Gefordert wurde eine ganzheitliche Konzeption, was innen und außen zu tun ist, fasste Löffler zusammen.

Die Gemeinde hat sich dann – nachdem ein erster Zuschussantrag weniger als 40 000 Euro gebracht hätte, die Kosten aber mit gut 300 000 Euro kalkuliert waren – Architekt Thomas Kreuzer ins Boot geholt. Dieser nahm den Kontakt mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf. Es wurde ein neuer Antrag mit neuen Kriterien gestellt. Das Ergebnis: Am Donnerstagnachmittag wurde der Scheck in Höhe von 100 000 Euro übergeben.

Der Kostenrahmen, so Kreuzer, könne wohl eingehalten werden. Auch wenn beim Dach noch „unvorhergesehene Dinge“ möglich seien. „Wir haben einen Puffer in der Kalkulation“, sagte er. „Es sieht gut aus.“

Dass in der Gemeinde nicht alle Verständnis für diese Investition haben, weiß Löffler. „Wir sind uns aber der Verpflichtung gegenüber unserer Nachwelt bewusst“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Kreuzer: „Es ist die Aufgabe der älteren Generation, die Jugend für alte Denkmalperlen zu begeistern.“

Wenn die Zeilenkapelle restauriert ist, soll dort auch ein regulärer Betrieb stattfinden. „Die Kirchengemeinde wird die Kapelle stärker nutzen“, schilderte Löffler. Bisher seien es in jedem Jahr nur etwa zwei bis drei Gottesdienste gewesen.

„Die ersten Aufträge sind vergeben“, sagte Kreuzer. Er geht davon aus, dass die Restaurierung in etwa eineinhalb Jahren über die Bühne geht.

Spenden für das Denkmal

Mit etwa 50 Prozent Fremdfinanzierung könne man zufrieden sein, sagte Bürgermeister Joachim Löffler. Denn neben den 100000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, werden die Maßnahmen an der Zeilenkapelle mit 60000 Euro vom Land gefördert. Hinzu kommen zwei Privatspenden in Höhe von 30000 und 4000 Euro. „Aufgrund der Diskussion kommt immer wieder mal etwas rein“, berichtete Löffler. Und er zeigt sich zuversichtlich: „Während der Bauzeit wird dann sicherlich noch mehr dazu kommen.“ (lise)

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