Der Bagger rollt. Es tut sich etwas auf dem Grundstück in der Liptinger Mättlestraße, auf dem das Ärztehaus errichtet werden soll. Doch: Noch ist der Kaufvertrag für die Praxis, die Platz für bis zu drei Ärzte bieten soll, noch nicht von der Gemeinde unterzeichnet. Bis es soweit ist, wird es voraussichtlich Juli. Zu dieser Zeit kann der Gemeinderat keine Grundsatzentscheidungen treffen. Die Zeit drängt.

Am Mittwoch ist der Bagger angerückt. Die beiden Garagen auf dem Grundstück sind am Donnerstagmittag bereits dem Erdboden gleich gemacht. Vorsichtig greift die Baggerschaufel nach den letzten Überresten, die noch an der übrig gebliebenen Garage hängen. Auf dem Baugrund liegt Schutt, Erde ist abgetragen und alle vorbereitenden Maßnahmen für die Umsetzung des Projekts werden getroffen. „Bis Samstag soll der Bestand weitestgehend weichen“, sagt Bauherr Markus Breinlinger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Rohbau soll bis Ende des Jahres stehen

„Im Moment ist vorgesehen, Mitte Juni mit den Arbeiten zu beginnen“, erläutert der Investor. Zuerst stehen die Entwässerung und die Bodenplatte auf der Agenda. Der Rohbau soll planmäßig bis Ende des Jahres stehen.

„Die Baugenehmigung erwarten wir bis Anfang Mai“, schildert Breinlinger. Erst wenn diese vorliege und die Baubeschreibung final geklärt sei, könne der Kaufvertrag unterschrieben werden, schildert Bürgermeister Joachim Löffler das fehlende Puzzleteil. Liegt die Baugenehmigung vor, wird in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Tuttlingen die Abgeschlossenheitserklärung fertiggestellt. In dieser wird klar zugeordnet, was wozu gehört, so der Bauherr.

Ist die Abgeschlossenheitserklärung genehmigt, geht es in Richtung Kaufvertrag. Dieser setzt sich zusammen aus dem Vertragstext, der Baubeschreibung und der Teilungserklärung. Während letztere regelt, was wem gehört, führt die Baubeschreibung auf, was wie gebaut wird. Bis der Kaufvertragsentwurf steht, vergehen laut Breinlinger nochmals etwa vier Wochen.

Bevor der Vertrag dann beim Notar unterschrieben werden kann, muss er 14 Tage bei der Gemeinde liegen. Diese Frist diene als Käuferschutz, um den Vertrag zu prüfen und etwaige Fragen zu klären und Änderungen vorzunehmen, erläutert Löffler. Wie Breinlinger vorrechnet, bedeutet das, dass der Vertragsschluss erst Mitte Juli erfolgen kann.

„Es ist wichtig, dass jetzt alle Unterlagen auf dem Tisch liegen, und der Gemeinderat die restlichen Details beschließt. Dann kann der Bürgermeister im Sommer das Beschlossene umsetzen“, schildert Breinlinger. Kommt kein Beschluss über die Ausstattung der Praxis zustande, verzögere sich das Projekt bis in den Herbst. „Das heißt, dass es unklar wäre, ob dieses Jahr noch mit dem Bau begonnen werden könnte“, stellt der Bauherr klar und verweist in diesem Fall auch auf steigende Kosten.

Breinlinger: „Jetzt geht es nur noch um Details“

Wirkliche Bedenken, dass der Kauf der Praxis durch die Gemeinde doch nicht klappen könnte, zeigt Breinlinger im Gespräch mit unserer Zeitung nicht. „Über das Stadium sind wir hinaus. Der Beschluss zum Praxiskauf wurde ja bereits vom Gemeinderat getroffen. Jetzt geht es nur noch um Details“, sagt er und fügt hinzu: „Da die Termine bereits gesetzt und die Unternehmen fest gebucht sind, werden wir nun mit den Vorarbreiten beginnen und dann im Juni mit der Rohbauerstellung anfangen – noch bevor die Gemeinde den Vertrag mit uns unterschrieben hat.“ Breinlinger betont: „Grundsätzlich geht mit jedem Bauvorhaben auch ein starkes Vertrauensverhältnis einher.“

Auch Löffler ist sich sicher: „Wir werden eine Einigung erzielen.“ Verwaltung und Gemeinderat seien sich in diesem Punkt „absolut deckungsgleich“ und legten Wert darauf, dass noch alles vor den Wahlen abgewickelt werde. Es gelte noch Marginalien zu klären, „die Baubeschreibung muss wasserdicht sein“, sagt er. Es müsse klar sein, was zu welchem Preis geliefert werde.

Ziel sei es, dass der Gemeinderat das Ärztehaus noch in der laufenden Legislaturperiode auf die Reise schicken wird, betont Löffler. Das Gremium wird ihn dann beauftragen, den Kaufvertrag zu unterschreiben, sobald er vorliegt und entsprechende Fristen eingehalten sind. In einer letzten nichtöffentlichen Sitzung des Gremiums im Mai, sollen die Feinheiten noch diskutiert werden. „Die Baubeschreibung hat ungefähr 25 Seiten, auf denen alles detailliert beschrieben ist“, so Löffler zur nichtöffentlichen Beratung. „Wenn alles klar ist, werden wir bei einem öffentlichen Termin klarstellen, wie alles sein wird.“

Spatenstich möglicherweise im Juni

Was den Spatenstich angehe, geht Löffler davon aus, dass dieser nach der Kommunalwahl, möglicherweise im Juni sein wird – mit dem jetzigen Gemeinderat. „Das wollten wir an und für sich noch machen“, schildert der Bürgermeister. „Das können wir auch zwischen Wahl und Verpflichtung des neuen Gemeinderats machen“, es handle sich schließlich um die Abwicklung von Beschlüssen.

Eine weitere Frage, die sich stellt: Ist mit Jürgen Kaufmann, dem praktizierenden Arzt in Emmingen-Liptingen, schon alles in trockenen Tüchern? Löffler bejaht diese Frage und erläutert, dass die Frage mit der Miete geregelt sei. Auch bei der Planung der Praxis war er, wie berichtet, eingebunden und habe, so Löffler weiter, „den ein oder anderen Einrichtungswunsch eingebracht“.

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