Funde beim Heidentor sind 2600 Jahre alt

Lesedauer: 5 Min
Das Heidentor zwischen Reichenbach und Egesheim war Ort beeindruckender historischer Funde. (Foto: Richard Moosbrucker)
Schwäbische Zeitung
Richard Moosbrucker

Zwischen Reichenbach und Egesheim steht eine mächtige Felsentorformation auf dem Höhenrücken nahe der Oberburg: das Heidentor. Wer es sehen will, muss sich zu Fuß auf den Weg machen. Wer sich ihm nähert, wähnt sich förmlich an einem mystischen Ort, der mehr ist als nur blanker Fels. Und in der Tat birgt das Heidentor echte Heuberger Geheimnisse, die bis zum heutigen Tage zahlreiche Menschen herausgefordert haben.

Da gab es zum Beispiel den Egesheimer Lehrer P. Reiser, der mit seiner archäologischen Spürnase in den 1960er Jahren auch im Boden nach Beweisstücken früheren Lebens suchte. Seine Neugier war mit dem Fund zweier Münzen geweckt worden.

Weniger wissenschaftliche Neugier, sondern vielmehr Profitgier trieb andere Menschen an, die sich nicht um Verbote scherten, sondern einzig und allein darauf aus waren, aus archäologischen Funden Kapital zu schlagen. Diesen Raubgräbern kam man erst auf die Schliche, als sie versuchten, über den Kunsthandel ein Fundensemble zu veräußern.

Hier kam Rolf Dehn vom Landesdenkmalamt Freiburg ins Spiel. Laut Dehn hätten damals selbst Fachleute vom Landesmuseum Stuttgart nicht erkannt, dass es sich bei den Stücken um illegal erworbene Funde handelte. Laut Denkmalschutz waren diese mit ihrer Entdeckung Eigentum des Landes geworden. Die zum Kauf angebotenen knapp 70 Fibeln (Broschen oder Gewandschließen) aus Bronze, verschiedene kleine Ringe und eiserne Pfeilspitzen mussten, dessen war sich Dehn sicher, durch gezielte Raubgrabungen ans Tageslicht befördert worden sein. Räuber verurteilt

Dies war ein Fall für das Landeskriminalamt, an dessen Ende die Verurteilung der Raubgräber stand.

Die Funde stammten aus der jüngeren Hallstattzeit und älteren Lathènezeit (ca. 600 bis 400 vor Christus) und legten eine Spur ans Heidentor. Es folgte eine groß angelegte Grabung, die sich von 1991 bis 1993 hinzog. Dehn spricht heute noch von einer der „tollsten Grabungen“ in seiner langen Laufbahn.

Allerdings waren die Archäologen des Landesdenkmalsamtes zunächst erschrocken von dem Bild, dass sich ihnen bot. „Der Bereich des Steilhangs unterhalb des Heidentors war auf einer Fläche von acht bis zwölf Metern Breite und gut 20 Metern Länge tiefgründig durchwühlt. In regelrechten Arbeitsebenen war hier der Steilhang abgegraben“, schreibt Dehn im Egesheimer Heimatbuch, „die Erde ausgebreitet und offensichtlich mit dem Metallsuchgerät durchsucht worden“. Unter schwierigsten Bedingungen machte sich das Grabungsteam an die Arbeit und förderte in mühevoller Kleinarbeit weitere 50 in Patina, Erhaltungszustand und Zeitstellung identische Fibeln aus Bronze zutage.

Außerdem kamen Bronzeringe und eiserne Pfeilspitzen beziehungsweise Pfeilbolzen zum Vorschein. Da die Forscher den gesamten Grabungsaushub siebten, fanden sie auch zahlreiche Glasperlen verschiedener Größe, wie sie vor allem von Halsketten und als Kleiderbesatz von Grabfunden aus der gleichen Zeit bekannt sind.

Dehn berichtet auch von feinen Nadeln aus Bronze und Eisen, mit denen wahrscheinlich Hauben oder Bänder an den Haaren befestigt waren, sowie von eisernen Gürtelhaken in verschiedenen Formen.

Oberkonservator Dehn denkt heute noch gern an die Unterstützung durch die Gemeinde Egesheim und die Forstverwaltung zurück. Die Funde ordnet der Experte Aktivitäten des Volksglaubens und der Religion zu. Er schlussfolgert, dass es in frühkeltischer Zeit vorwiegend Frauen gewesen sein könnten, die derlei Schmuckgegenstände zusammen mit ihrer Kleidung als Opfer dargebracht haben.

Die Auswertung der Grabungen ist bis heute nicht abgeschlossen. Noch immer sind Wissenschaftler damit beschäftigt, die Funde zu analysieren und zu deuten.

Weitere Artikel unserer Serien finden Sie bei uns im Internet unter www.schwaebische.de/heuberg

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen