Weiterbildung für gering Qualifizierte

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Setzen sich für Weiterbildung ein (von links): MdB Peter Weiß, Erika Faust, Leiterin der Agentur für Arbeit Villingen-Schwennin
(Foto: Südwestmetall)

Die Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) engagieren sich auch in der Region Schwarzwald-Hegau im hohen Maße in der Weiterbildung und Qualifizierung ihrer Beschäftigten. Künftig wird dabei ein noch stärkerer Fokus auf Mitarbeiter mit geringen Qualifikationen gelegt.

„Gerade diese Menschen tragen ein besonders großes Beschäftigungsrisiko, da die Zahl einfacher Arbeitsplätze in unserer Industrie stetig abnimmt“, sagte Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Montag nach einem Gespräch mit Peter Weiß, Mitglied des Bundestags und Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in Donaueschingen: „Die Angebote sind vorhanden, es braucht aber auch die Bereitschaft und Eigenverantwortung der Betroffenen, ihre Beschäftigungsfähigkeit durch lebenslanges Lernen zu erhalten.“

Der Erfolg der baden-württembergischen Metallindustrie beruhe auch darauf, dass sich gut qualifizierte Mitarbeiter immer wieder auf Veränderungen und neue Herausforderungen einstellen, so Dick: „Hierfür sind kontinuierliches Lernen und Mitarbeiterentwicklung wesentliche Voraussetzungen.“ Dabei werde es immer wichtiger, auch diejenigen zu erreichen, die nur geringe Qualifikationen oder keinen Berufsabschluss haben – in Baden-Württemberg immerhin rund 15 Prozent der 25- bis 35-Jährigen. „Hier bedarf es aber noch intensiverer Anstrengungen, diesen Personenkreis für Weiterbildung zu gewinnen“, sagte Dick. Denn häufig liege ihre Lernerfahrung schon viele Jahre zurück – und sei auch nicht immer in bester Erinnerung.

Die Sozialpartner in der baden-württembergischen M+E-Industrie haben daher schon 2001 mit dem Tarifvertrag Qualifizierung einen bundesweit vorbildlichen tarifvertraglichen Rahmen aufgestellt, um die Qualifizierung der Beschäftigten zu fördern. Er sieht unter anderem berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten in Teilzeit oder in Freistellungsphasen vor. In der Tarifrunde 2015 haben Südwestmetall und IG Metall diese Regelungen unter anderem um eine Sozialpartnervereinbarung ergänzt, die besondere Maßnahmen für Geringqualifizierte vorsieht. Dafür werden die gängigsten Ausbildungsberufe in Einzelmodule gegliedert, die in der Regel in drei Monaten zeitlich und inhaltlich unabhängig voneinander absolviert werden können. „Der große Vorteil besteht darin, dass der Lernstoff pro Modul überschaubar ist, die Einstiegshürden in die Weiterbildung damit deutlich gesenkt werden“, sagte Dick: „Das gibt sowohl den Unternehmen als auch den Beschäftigten ein erhebliches Maß an Flexibilität.“ Die Module werden einzeln zertifiziert. Wenn alle Module eines Ausbildungsberufs durchlaufen werden, kann auch bei der IHK die Externenprüfung mit Facharbeiterabschluss abgelegt werden.

Das Konzept wird bereits seit mehr als zwei Jahren vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft umgesetzt. Mittlerweile wurde in Abstimmung mit anderen Bildungswerken und Verbänden die Arbeitgeberinitiative „Eine TQ besser!“ ins Leben gerufen, die bundesweit einheitliche Standards für die Teilqualifizierung setzt. „Mit der Sozialpartnervereinbarung betonen wir nun noch stärker die gemeinsame Verantwortung der Tarif- und Betriebsparteien“, sagte der Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer. Gefördert wird die Teilqualifizierung von den Arbeitsagenturen, die im Rahmen des sogenannten WeGebAU-Programms den Unternehmen einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt bezahlen für die Zeit, in der sie die Beschäftigten für die Weiterbildung freistellen.

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