Gegendemonstranten zeigen Hand in Hand, wofür sie sind: Toleranz und Menschlichkeit.
Gegendemonstranten zeigen Hand in Hand, wofür sie sind: Toleranz und Menschlichkeit. (Foto: Mark Hänsgen)
A. Lothar Häring

Die rechte Szene der Region probt weiter den Aufstand. Rund 100 Sympathisanten der Bewegung „Nein zum Heim in Schwarzwald-Baar-Heuberg“ haben am Samstagnachmittag bei ihrer zweiten Kundgebung in der Donaueschinger Innenstadt Front gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gemacht.

Rund 250 Teilnehmer und damit weniger als noch im November des vergangenen Jahres folgten einem Aufruf der Fraktionen von SPD, CDU, Grünen und FDP im Donaueschinger Gemeinderat zu einer Gegendemonstration. Sie bildeten unter dem Motto „Mahnwache für Toleranz und Mitmenschlichkeit“. eine Menschenkette vom Rathaus bis zum Hauptschauplatz in der Fußgängerzone. Auf der anderen Seite demonstrierten etwa 60 Mitglieder der linksgerichteten Antifa.

Die wieder mit starker Präsenz vertretene Polizei hatte die drei Gruppierungen durch Sperrgitter getrennt und zog nach zwei Stunden ein positives Fazit: „Die Demonstration ist friedlich verlaufen“, erklärte ein Sprecher. „Es gab nur einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz.“

Nachfolger von Sbh-Gida

„Nein zum Heim in Schwarzwald-Baar-Heuberg“ ist Nachfolger des Pegida-Ablegers Sbh-Gida, der sich Ende 2015 nach zehn Kundgebungen während des gesamten Jahres auf dem Villinger Münsterplatz und internen Querelen aufgelöste hat. Deren Frontfrau, Sabrina Grellmann, und ihre Kernmannschaft traten allerdings am Samstag in Donaueschingen nicht in Erscheinung.

Der neue Schauplatz ist kein Zufall: Die frühere Donaueschinger Kaserne beherbergt das größte Flüchtlingsheim des Regierungsbezirks Freiburg. 260 Asylbewerber sind in der Bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle (BEA) untergebracht.

Trotzdem bleibt der Zuspruch an diesem Samstagnachmittag erneut - auch angesichts der zugespitzten -eher bescheiden, ähnlich wie zuletzt schon in Villingen.

Es liegt eine Art kollektive Angst über der Innenstadt von Donaueschingen. Die Antifaschisten haben Angst vor „diesen Nazis“. Die bürgerlichen Demonstranten auf der anderen Seite fürchten um die Unversehrtheit der Flüchtlinge, um die Streitkultur in Deutschland und nicht zuletzt um den Ruf von Donaueschingen.

Und ganz tief sitzt die Angst bei den Anhängern von „Nein zum Heim“. Kein Wort ist den namentlich nicht vorgestellten Rednern zu groß, um diese Ängste angesichts der „Asylantenflut“ zu benennen und weiter zu schüren. Da ist die Rede von „Auflösung des deutschen Volks“, von „Völkermord“, von „Genozid“, von „Germanenblut“ und auch eine düstere Prophezeiung ertöne laut: „Es wird Krieg geben.“ Um Beistand wird auch Gott gebeten.

Merkel gilt als verantwortlich

Als Hauptverantwortliche gilt die Bundeskanzlerin, und so schallt es immer wieder durch die kalte Innenstadt: „Merkel muss weg!“

Andere Redner geben sich bei der Wortwahl gemäßigter, aber in der Sache unbeugsam: „Eine Millionen Flüchtlinge – das sind 920 000 zu viel“, ruft einer – nicht ohne hinzuzufügen: „Wir sind keine Rassisten.“

Eine Frau, Alter 50 plus, gutbürgerlich, steht schweigend am Gitter und beobachtet die Szene. Sie sei gegen den Willen ihres Mannes hergekommen, berichtet sie, weil sie sich Sorgen mache. Sie verstehe, warum Menschen aus Syrien flüchteten, und sei auch bereit zu helfen. Aber so könne es nicht weitergehen. Jetzt müsse etwas geschehen. „Wir schaffen das nicht“, sagt die Frau und wiederholt den Satz. Ihr gesamter Bekanntenkreis teile diese Ansicht.

Eigentlich wollte die Frau ans Mikrofon und ihre Sorgen öffentlich kundtun. Dann tut sie es doch nicht. Auf diesem Niveau wolle sie dann doch nicht diskutieren, sagt sie.

Regio TV sendet am Montag ab 18 Uhr einen Filmbeitrag zur Demonstration in Donaueschingen.

Rechte Szene demonstriert in Donaueschingen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. 300 Gegendemonstranten treffen sich zur Mahnwache und bilden eine Menschenkette.
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