Winterlinger Obstbauverein stellt 77 Früchtesorten aus

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Hübsch hergerichtet haben die Mitglieder des Winterlinger Obstbauvereins die 53 verschiedenen Apfelsorten, die 21 Birnensorten u
Hübsch hergerichtet haben die Mitglieder des Winterlinger Obstbauvereins die 53 verschiedenen Apfelsorten, die 21 Birnensorten und drei Quittensorten, die in Winterlingen wachsen. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Tobias Göttling

Der Winterlinger Obstbauverein hat in einer Ausstellung 77 Früchtesorten präsentiert, die alle in Winterlingen gediehen sind. Für die zahlreichen Besucher gab es 53 verschiedene Apfelsorten, 21 Birnensorten und drei Quittensorten zu bewundern.

Doch die Zahl der Sorten trügt. Denn vor allem der Ertrag der frühblühenden Sorten war in diesem Jahr aufgrund des späten Frosts im Frühjahr alles andere als üppig ausgefallen: „Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Ernte schon einmal so dürftig war“, sagte der Vorsitzende Heiner Schuler. Auf manchen Bäumen habe nur eine einzige Birne überlebt.

In Schulers Obstbauverein finden sich rund 60 Mitglieder zusammen. Nur aufgrund der vielen helfenden Hände war eine solche Veranstaltung überhaupt möglich. Trotz der vielen engagierten Kollegen sei es oft nicht einfach gewesen, die Sorten exakt zuzuordnen. Zumal immer wieder neue Sorten in Umlauf kämen, während andere verschwinden würden, wie Schuler aufklärte. Unter anderem kämen auch Sorten mit exotischen Namen wie TSR 29 oder Fiesta auf.

Der Gast und Referent des Tages war Herbert Reiter, Erster Vorsitzender des Bezirksvereins der Bienenzüchter Hechingen. Reiter ist Inhaber eines Bioland-Hofladens für Äpfel, Apfelsaft, Honig, Getreide und Kartoffeln. Der Rangendinger Imker bekundete, die Ernte sei in seiner Gegend noch weitaus schlechter ausgefallen als in Winterlingen. Es folgte ein langer Vortrag zum Thema „Faszination Bienen“. Wer Imker werden wolle, müsse sich über einige Dinge im Klaren sein. Erstens: „Ein Imker muss warten können“, stellte Reiter klar. Und zwar bis der Honig exakt 18 Prozent Wassergehalt habe. Die Bienen würden das spüren und bei genau diesem Wert die Wabe schließen.

Zweitens: „Die als Bestäuber so wichtigen Nutztiere für die Landwirtschaft haben viele Gegenspieler“, so Reiter. Sowohl Hochwasser, Stürme oder Baugebiete als auch die moderne Landwirtschaft und die winzigen „Varroamilben“ würden viele Bienen gefährden. Denn die Bienen könnten sich nicht schnell genug an die neuen Situationen durch die moderne Landwirtschaft gewöhnen und schafften es oft nicht, rechtzeitig zu flüchten, bevor ein Bauer innerhalb kurzer Zeit sein gesamtes Feld mäht. Die von Imkern gefürchteten Varroamilben würden in der Brut sitzen und ihr das Blut wegsaugen. Die Folgen: Bienen kommen krank zu Welt, und das Bienenvolk ist irgendwann verloren, wenn es der Imker nicht schafft, die Milben zu bekämpfen. Schon wenn er im August verreist sei, könne dies das Todesurteil für sein Bienenvolk sein.

Der Fachmann rät, den Honig aus der Region zu kaufen

Tipps für den Alltag gab der Imker ebenso: „Honig ist Vertrauenssache.“ Am besten kaufe man bei einem Imker aus der eigenen Gegend ein und versichere sich der Qualität.

Von den Bienen zu lernen, davon hält der Imker-Profi viel. Propolistropfen aus der Apotheke könne man vorbeugend hinsichtlich Erkrankungen an Magen, Hals und Zahnfleisch sowie akut bei Halsschmerzen verwenden, Propoliscreme bei offenen Wunden. Die Bienen holten den Stoff von den Baumblättern. Er wirke im Bienenstock als Antibiotikum: „Im Bienenstock gibt’s keine Krankheiten.“ Zur Immunabwehr hilfreich seien Blütenpollen, die man pur essen könne: „einen Teelöffel am Tag ins Müsli“.

Wer den Bienen helfen wolle, könne im Garten Nisthilfen anbringen oder schon ganz simpel mit einer kleinen Unterstützung beginnen: einfach „im Garten Blumen wachsen lassen“ und nicht so oft den Rasen mähen. Immer seltener fänden Bienen nämlich die für sie so wichtigen Blumenwiesen vor.

Ethische Themen sprach der Vortragende ebenfalls an. Mittlerweile gebe es teils künstliche Befruchtungen von Königinnen, die jedoch ethisch umstritten sind und beispielsweise von „Bioland“ und „demeter“ abgelehnt werden. Auch Reiter übt Kritik daran. Es sei ihm wichtig, dass der Schwarmtrieb der Bienen zugelassen und nicht weggezüchtet werde: „Sonst verlernen die Bienen irgendwann alles.“

Zum Abschluss wies Veranstalter Schuler darauf hin: Die letzte Veranstaltung solcher Art sei weit über 50 Jahre her gewesen. Mitveranstalter Pfarrer Ernst Nestele bekundete seine Hoffnung, dass es diesmal keine so lange Durststrecke mehr bis zu einer Wiederholung gebe. Für ihn sei das Erntedankfest „ein Fest der Freude“.

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