Sternschnuppen-Sammler kommen dem Himmel ganz nah

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Gabriele Loges

Zu einer Sternschnuppenführung haben sich 25 große und kleine Wanderer dreieinhalb Stunden lang auf dem Planetenweg von Alb-Guide Sabine Froemel führen lassen. Bei bestem Wetter auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb mit Blick in die Schweizer Alpen erfuhren sie viel Wissenswertes zum Sonnensystem. Nach dem Untergang der Sonne konnten mit einem Spektiv einzelne Planeten näher betrachtet werden. Am Ende der Führung wurde die Gruppe tatsächlich mit ein paar Sternschnuppen belohnt.

Der Planetenweg in Winterlingen ist einer von 80 in ganz Deutschland. Er wurde im Jahr 2006 entlang einer Römerstraße eingerichtet, 2016 aktualisiert und restauriert. 2007 wurde er erweitert, damit der 2003 entdeckte Zwergplanet Eris einbezogen werden konnte. Dieses Modell steht in Sigmaringen bei der Brauerei „Zoller-Hof“. Das Besondere am Winterlinger Planetenweg ist, dass er maßstabsgetreu 1:1 Milliarde angelegt wurde. Jedes Jahr um den 12. August, wenn die meisten Sternschnuppen erwartet werden, bietet Alb-Guide Froemel diese Teilstreckenwanderung an: „Ob wir nachher dann Sternschnuppen sehen, liegt allerdings in den Sternen.“ Froemel begann bei dem sehr gut ausgeschilderten Weg mit dem Lageplan: „Wir gehen mit jedem Meterschritt eine Million Kilometer von der Sonne zu den Planeten.“ Beim Saturn wolle man umdrehen. Doch schon vorher, bei der Station „Urknall“ und nach dem Planet „Jupiter“, wurde der Himmel mit immer noch mehr Sternen so spannend, dass die Teilnehmer lieber in die Sterne schauten.

„Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“

Besonders beeindruckend ist die erste Station mit dem Modell der Sonne und der Umlaufbahn. Froemel erklärte physikalische Prozesse anschaulich und bezog vor allem die Jüngsten ein. Zu Merkur, Mars, Venus, Erde, Mars und Jupiter konnte sie zudem viele Geschichten erzählen. Denn immer schon fanden oder erfanden die Menschen Erklärungen. Heute ist die Internationale Astronomische Union für den Wissensstand zuständig. Nachdem der Pluto zum Zwergplaneten „zurückgestuft“ wurde, auch das erfuhren die Zuhörer, kann man sich jetzt mit dem Spruch „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“ den Rang der Entfernung merken: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. Die Sternschnuppe ist eine Leuchterscheinung eines kleinen Meteors am Himmel. Um den Laurentiustag, am 10. August, kann man sie sehen und sich etwas wünschen. Dass jedoch auch Meteoreinschläge Gefahr für die Erde bedeuten, baute Froemel in ihre Wanderung ein: „In Nördlingen ist der Kirchturm nach dem Einschlag im Ries vor Millionen Jahren auch mit außerirdischem Gestein erbaut worden.“ Für die Zeit von 2030 bis 2057 werde ein möglicher „Aufschlag“ prognostiziert. Zwischendurch gab es eine Pause mit Winterlinger Apfelsaft, selbstgemachtem Gebäck und für die Erwachsenen ein Schlückchen Selbstgebrannten.

Mit dem Spektiv sieht man den Mars rötlich leuchten

Rötlich ging der Neumond unter und immer mehr Sterne und Sternbilder – wie auch Satelliten und Flugzeuge – leuchteten am dunkler werdenden Himmel. Mit Hilfe des von Siegbert Kissling mitgetragenen Spektivs konnten sich die Teilnehmer zusätzlich überzeugen, dass der Mars rötlich leuchtet, der Saturn einen Ring hat und Jupiter vier Monde umkreisen. Ein Teil der Besucher kam aus der Umgebung, sie wollten „endlich auch mal diese Führung mitmachen“, ein anderer Teil hatte von der Wanderung in der Zeitung gelesen und kam aus der weiteren Region. Ein Paar aus Rietheim bei Tuttlingen war mit seinen drei Kindern gekommen: „Wir suchen immer spannende und interessante Ziele für unsere Tagesausflüge, dieses hier ist richtig klasse.“

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