Schüler lernen, wie wertlos Geldscheine einmal waren

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 Die Schüler der Grundschule aus Harthausen auf der Scher fanden den Unterricht „wie zu Omas Zeiten“ einfach cool.
Die Schüler der Grundschule aus Harthausen auf der Scher fanden den Unterricht „wie zu Omas Zeiten“ einfach cool. (Foto: Karl-Otto Gauggel)
Karl-Otto Gauggel

Die Grundschüler der Grundschule in Harthausen auf der Scher haben hetzt einen spannenden Vormittag im dortigen Heimatmuseum verbracht. Das Heimatmuseum ist im Untergeschoss des ehemaligen Harthauser Rathauses untergebracht und wird von Erwin Seßler, dem ehemaligen Harthauser Ortsvorsteher, betreut.

Nachdem Seßler schon eine Unterrichtsstunde in der Grundschule zum Thema „Wie unsere Ortsgeschichte begann“ gehalten hatte, waren die 22 Schüler der Kombiklasse 2/4a mit ihrer Klassenlehrerin Manuela Müller gespannt, was sie bei ihrem Ausflug im Heimatmuseum erleben können. Seßler, der das Museum aus kleinen Anfängen aufgebaut hat und bis heute fachkundig betreut, empfing die Schülergruppe an der Vitrine mit verschiedenen Fossilien aus der Urzeit, als Harthausen noch an der Küste eines tropischen Meeres, dem Jurameer, gelegen hatte.

Die Schüler durften die auf der Gemarkung von Harthausen gefundenen Fossilien wie Ammoniten oder ein Haifischgebiss in die Hand nehmen. Seßler beantwortete viele Fragen der Schüler zu diesen Urzeitlebewesen und zur Entstehung der Fossilien.

In einem zweiten Teil ging es um die Thematik „Wie lebten unsere Vorfahren“? Dabei stellte Seßler die erhaltene Nachtwächteruhr sowie die Aufgaben des Nachtwächters vor, der für die Einhaltung der Gesetze und vieler örtlicher Vorschriften zuständig war. Außerdem stellte Seßler die Arbeit der Handwerker im Dorf vor, und die Kinder staunten über die alten Werkzeuge beim Bäcker, beim Frisör, beim Schreiner und nicht zuletzt über die für das Überleben wichtigen Gerätschaften in der Landwirtschaft. Da sei es schon gut, dass es heute statt der Ochsenkarren Traktoren und Mähdrescher gebe, bemerkte ein Schüler und er fügte hinzu: „Das muss echt viel Arbeit gewesen sein.“

Ein weiteres interessantes Kapitel der Führung im Heimatdorf war die Geschichte des Geldes von den gefundenen römischen Münzen bis hin zum Papiergeld. Die Schüler bekamen große Geldscheine aus der Inflationszeit von 1923 in die Hände, die von 100 000 Mark bis zu vielen Millionen Mark bedruckt waren und dennoch damals fast wertlos waren.

Gewaltige Veränderungen im Ortsbild

Begeistert war die Klasse von den alten Ortsansichten, die in einer Abteilung mit alten Fotos und Karten dokumentiert sind. Mit den Erklärungen Seßlers gelang es den Kindern, die dargestellten Gebäude, Straßen und Plätze zu erkennen, trotz der gewaltigen Veränderungen im Ortsbild in den vergangenen Jahrzehnten.

Ein weiteres Kapitel der Harthauser Dorfgeschichte erfuhren die Schüler im nahezu detailgetreu eingerichteten Klassenzimmer der ehemaligen Harthauser Volksschule mit den alten Sitzbänken, den Pulten mit Tintenfach, den verblichenen Wandkarten und dem den Schülern in dieser Schreibart unbekannten Alphabet neben der Schiefertafel.

Auch das Schicksal einiger Harthauser Bürger ist im Museum dokumentiert und es machte die Gruppe betroffen, als Seßler von einem bewegenden Unglück erzählte. 1931 sind bei der Feldarbeit zwei Männer und eine Frau von einem Blitzschlag getroffen worden und zwei von ihnen ums Leben gekommen. Der Überlebende schrieb später einen Bericht über diese Tragödie, die der Museumsleiter vorlas.

Manuela Müller zeigte sich überzeugt davon, dass auf diese Weise nachhaltiges Lernen ermöglicht werden könne, ein wichtiges Prinzip der in Harthausen praktizierten Montessori-Pädagogik.

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