„Panikaktion eines Amateurs“: Bankräuber gesteht

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 Der 80-Jährige (rechts) sitzt mit seinem Verteidiger Fritz Westphal auf der Anklagebank im Landgericht Hechingen.
Der 80-Jährige (rechts) sitzt mit seinem Verteidiger Fritz Westphal auf der Anklagebank im Landgericht Hechingen. (Foto: Tonnemacher)
Pascal Tonnemacher

Zehn Jahre lang hatte der Mann Banken im Südwesten erpresst und überfallen, zuletzt die Sparkasse in Balingen: Nun gesteht der 80-jährige Angeklagte auch vor Gericht alle sechs ihm vorgeworfenen Taten. Die Pleite der Lehman-Brothers 2008 infolge der Finanzkrise und der Verlust von Geld nennt der mutmaßliche Täter als Grund für seine „Panikaktion eines Amateurs“.

Im Mai endete nach dem missglückten Raub bei der Balinger Sparkasse eine wohl beispiellose Überfallserie. Schnell waren Ermittler sicher: Der festgenommene 80-jährige Tatverdächtige ist womöglich auch für fünf weitere Überfalle der vergangenen zehn Jahre im ganzen Südwesten verantwortlich, bei denen er insgesamt mehrere hunderttausend Euro erbeutet hatte. Bei diesen Erpressungsversuchen und Banküberfällen hatte sich der Täter, mutmaßlich ein 80-Jähriger aus Kirchzarten, immer hinter einer Kostümierung versteckt: Sonnenbrille, Perücke, Anzug und langer Mantel. Mit dabei ein ausgedrucktes Erpresserschreiben mit Drohung und Forderung im Stakkatostil, und eine Bombenattrappe im Koffer, gesprochen hat er mit Bankangestellten wenig, deutlich aber höflich, wollte zu Filialleitern und in die Tresorräume. Das war die Masche, mit der er Erfolg hatte.

Auch in der Verhandlung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen gibt er sich schmallippig – lässt über seinen Verteidiger aber verlauten, dass er alle Taten vollumfänglich gesteht und sich dafür auch entschuldigen will. Die Staatsanwaltschaft Hechingen wirft ihm in insgesamt sechs Fällen (versuchte) schwere räuberische Erpressung vor. Dem Angeklagten drohen drei bis 15 Jahre Freiheitsstrafe.

Finankrise löst Serie aus

Als Beweggrund für die Taten nennt der 80-Jährige die Pleite der Lehman-Brothers. Daraufhin habe sich auch seine finanzielle Situation verschlechtert, er wollte sich als Rentner mit der Beute den verlorenen Lebensunterhalt im Alter sichern. Eigentlich führte er ein unauffälliges Leben als Ehemann mit Kindern, wuchs in Minden (Nordrhein-Westfalen) auf, war bis zur Pension in leitenden Positionen in der Textilbranche im Schwarzwald als Kaufmann tätig. Strafrechtlich ist er bis dahin auch nie aufgefallen. Für die sechs Taten, mit denen er nicht nur finanziellen, sondern auch psychischen Schaden angerichtet hat, wolle er sich nun wohl verantworten.

Ein mittlerweile pensionierter Kriminalbeamter erläuterte anhand der mitgebrachten originalen Kofferbombenattrappe, wie der Überfall ablief, bei dem der Täter in Rastatt 2012 rund 230 000 Euro erbeuten konnte. Neben ermittelnden Kriminalbeamten erzählten betroffene Bankangestellte von den Vorfällen, die teilweise mehrere Jahre zurücklagen. Sie alle nahmen die Drohungen des Täters damals ernst, hatten teilweise Todesängste und befolgten seine Anweisungen – auch um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. Eine Bankangestellte der Deutschen Bank in Freiburg berichtet eindrücklich von dem rund 30 Minuten dauernden Überfall 2009, an den sie sich noch gut erinnern könne und „entsetzlich“ bezeichnete.

Nicht nur mit dem Schrecken davongekommen und zunächst mühsam verarbeitet hat der sehr lange für die Commerzbank tätige Filialleiter den Überfall in Villingen 2009. Nach psychischen Problemen und Krankheiten hätte er Filialleiter in Ebingen werden sollen, ist mittlerweile aber arbeitslos. Der Überfall habe seine Karriere beendet, sagte er. Der Täter zwang ihn und einen Kollegen dazu, echt scheinende Bomben in der Jackettasche zu tragen.

Doch nicht immer konnte der Täter Geld erbeuten. Er versuchte es an manchen Orten mehrmals oder konnte flüchten. Eine Geldübergabe nach einer Erpressung der Deutschen Bank in Freiburg beispielsweise scheiterte an mangelhaften Anweisungen, die der Täter einem Geldboten gab. Den Überfall in Waldkirch konnte, wenige Wochen vor dem Balinger Bankraubversuch, ein überfallener Regionaldirektor verhindern, indem er nach der Drohung in einen gesicherten Bereich geflohen ist und die Türe schließen konnte.

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