Hochleistungskühe liefern 10 000 Liter im Jahr

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 Glückliche Kinder bestaunen glückliche Kühe.
Glückliche Kinder bestaunen glückliche Kühe. (Foto: Karl-Otto Gauggel)
Karl-Otto Gauggel

Die Familie Blickle hat kürzlich zu einer Betriebsbesichtigung im Rahmen der Reihe „Gläserne Produktion“ ins Ehmannsfeld nach Winterlingen eingeladen. Der Infonachmittag, zu dem auch Jana Kleen und Julia Frei vom Landwirtschaftsamt sowie Alexander Schäfer vom Kreisbauernverband Zollernalb gekommen waren, hatte zwei Schwerpunkte: Zum einen die Milchproduktion und zum andern die Stromerzeugung aus der anfallenden Gülle.

Der Familienbetrieb zwischen Winterlingen und Benzingen wird von Kurt Blickle, seiner Frau Rosemarie sowie von seinen Söhnen Christian und Benjamin geführt, während die beiden anderen Geschwister Stefanie und Sebastian bei Bedarf immer wieder mal aushelfen. Außerdem absolvieren aktuell zwei Azubis ihre Ausbildung auf dem vielseitig ausgerichteten Hof.

Nach der Begrüßung durch Jana Kleen übernahmen Christian und sein Bruder Benjamin Blickle die Führung über das weitläufige Hofgelände. Etwa 6500 Liter Milch werden jeden Tag von den 220 Milchkühen der Rasse Holsteiner Schwarzbunte, einer der weltweit bedeutendsten Rinderrassen, gemolken und an die OMIRA-Milchwerke in Ravensburg geliefert. Daneben leben etwa 50 Kälber und 150 Jungrinder in den großzügig gestalteten und gut belüfteten Ställen.

Digitalisierung erreicht auch die Landwirtschaft

Die Digitalisierung hat, wie zu erfahren war, längst auch die Landwirtschaft erreicht und so können zu jeder Zeit wichtige Daten und Leistungen der Kühe mit Hilfe eines Chips am rechten Vorderfuß beim Melkvorgang abgelesen werden. Das geht sogar so weit, dass das Bewegungsprofil jedes einzelnen Tieres aufgezeichnet und vom PC ausgewertet wird, so dass zum Beispiel auch die Brünstigkeit einer Kuh erkannt werden kann. Aber auch die Leistungen jedes einzelnen Tieres, die dazu notwendige Fütterung und die Leitwerte für die Milchqualität können so jeden Tag kontrolliert werden. Auch der Standort des Tieres in den verschiedenen Stallgruppen lässt sich dadurch jederzeit ermitteln. Interessant war der Einblick in das Melkkarussell des Milchbetriebes. Die Kühe werden morgens und abends in das sich drehende Rondell geleitet, in dem 24 Kühe gleichzeitig gemolken werden können.

Großer Wert wird auch auf die Versorgung der Kälber gelegt, die in den ersten Tagen nach der Geburt die sogenannte Biestmilch von der eigenen Mutter erhalten.

Natürlich können diese Hochleistungsrinder ihre Leistung von über 10 000 Liter pro Jahr nur dann abliefern, wenn sie ein nährstoffreiches Futter erhalten. Auf der 180 Hektar umfassenden Fläche wird von den Blickles ausschließlich Gras für die Silage gewonnen, wozu noch Stroh, Maissilage, und Getreideschrot als Kraftfutter zugekauft werden. Kratzbürsten zur Fellpflege und eine Sprinkleranlage an der Decke ermöglichen auch an heißen Tagen einen entspannten Aufenthalt der Rinder im Stall.

Die Ausscheidungen dieser Tiere in Form von Mist und Gülle führte die Besuchergruppe zu der Biogasanlage direkt neben den Stallungen, die 2012 in Betrieb genommen wurde und seither 75 Kilowatt Strom je Stunde liefert, was etwa ein Viertel zum Hofeinkommen beiträgt.

Die anfallende Gülle wird dazu vom Stall in den Fermenter, einen unterirdischen Großbehälter geleitet, wo daraus zusammen mit dem anfallenden Mist von Bakterien in einem Gärprozess Methangas erzeugt wird. Durch ein Schauglas konnten die Besucher das in Blasen aufsteigende Gas in der Gülle blubbern sehen. Mit diesem in einer großen Kuppel aufgefangenen Gas wird ein Motor angetrieben, der wiederum mit dem daran angeschlossenen Generator Strom erzeugt.

Mit der dabei zusätzlich anfallenden Wärme wird die Gülle, damit der Gärprozess optimal ablaufen kann, auf die notwendige Temperatur von 47 Grad Celsius erwärmt und zudem werden die drei Wohnhäuser auf dem Grundstück mit Wärme versorgt. Auch das Wasser zur Reinigung der Melkanlage wird von dieser Abwärme aufgeheizt.

Die übriggebliebenen Gärreste werden nach 150 Tagen im gasdichten Bereich auf dem Blicklehof separiert, das heißt die flüssigen und festen Bestandteile der Gülle werden voneinander getrennt. Während die wässrige Gülle als Dünger wieder auf die Wiesen kommt, wird aus dem trockenen, festen Granulat eine ideale Einstreu für die Kühe.

Und noch ein drittes Standbein des Hofes bekamen die Besucher, die durch Nachfragen immer wieder für interessante Diskussionen sorgten, zu Gesicht. So genießen seit etlichen Jahren etwa 600 Gänse von Pfingsten an bis zum Martinstag am 11. November ganztägig die Weide an der frischen Luft auf den Streuobstwiesen um den Hof. Neben dem Gras erhalten sie lediglich Gerste und Hafer als Zusatzfutter für die Mast.

Am Ende der informativen Führung war von der Familie Blickle ein Büfett mit Kaffee und Kuchen sowie weiteren selbstgemachten Leckerbissen und Getränken vorbereitet worden .

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