Fußball verbindet Kulturen

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Gemeinsam kicken die Spieler des Sportkreises zusammen.
Gemeinsam kicken die Spieler des Sportkreises zusammen. (Foto: Tobias Göttling)
Schwäbische Zeitung

Viele Jahre lang bestand der Winterlinger Sportkreis vor allem aus Kickern, die fest verwurzelt aus der Region stammen, manche bereits in der x-ten Generation. Doch seit einige Flüchtlingsfamilien nach Winterlingen gekommen sind, ist die Zusammensetzung der Gruppe um einiges bunter geworden. Anfangs wurden einige zwar skeptisch beäugt, doch inzwischen lässt sich sagen: Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die Entwicklung vollzog sich nicht nur zur Zufriedenheit der heimischen Mitspieler, sondern war auch eine Art Lebensversicherung für die Gruppe, die etwa durch Umzüge, berufliche Veränderungen und Verletzungen sonst heute bereits zu klein wäre, um fortbestehen zu können. Das berichtet der Leiter der Gruppe, Tobias Göttling.

Alles habe damit angefangen, dass der evangelische Pfarrer Ernst Nestele und sein Kollege Philippus Maier ein paar wenige Flüchtlinge mit in den Kick, den die evangelische Kirchengemeinde vor Ort organisiert, am Mittwochabend brachten. Aus den Fremden, mit denen die Verständigung anfangs oft nur mithilfe von Gesten stattfinden konnte, wurden Freunde, so Göttling: „Flüchtlinge bilden mittlerweile einen festen, nicht wegzudenkenden Teil der Gruppe und freuen sich über ihre vielen neuen Kameraden.“

Sogar in den Sommerferien fänden sich dank der Flüchtlinge, die sich häufig keinen Urlaub leisten können, genügend Personen für ein zweistündiges Spiel auf dem Rasen. Der wöchentliche Fußballabend sei in gewisser Weise das Urlaubsprogramm für alle Daheimgebliebenen geworden. Im Anschluss an das Spiel oder in der Pause versammelt sich die Gruppe zu einer christlichen Andacht und zum Gebet. Göttling ist es wichtig, dies beizubehalten, auch wenn nun viele Muslime im Team spielten. Er sieht den religiösen Austausch als Chance, zu den Werten des Christentums zu stehen und zu erklären, worauf es nach Lehren des christlichen Glaubens ankomme. „Was jeder Einzelne damit macht und woran er glaubt, ist natürlich eine persönliche Entscheidung, die ich nicht beeinflussen kann.

Mir ist aber wichtig, dass alle Menschen erfahren, dass sie von Gott geliebt sind und einen besonderen Wert haben.“ Für den Sportkreis zentral seien ein gutes Miteinander und Fairplay, auch abseits des Fußballrasens.

So seien durch den Sportkreis weit über den Mittwochabend hinaus längst Freundschaften und zahlreiche Begegnungen entstanden. „Wenn wie jüngst ein Spieler für längere Zeit geht, sitzen wir oft noch zusammen und trinken oder essen eine Kleinigkeit. Mit einigen Mitspielern habe ich schon Ausflüge an den Bodensee oder ins Schwimmbad gemacht und konnte die Gastfreundschaft vieler Familien kennenlernen“, sagt Göttling.

Die positive Stimmung spiegelt sich auch unter den Spielern wieder. Simon studiert in Stuttgart und ist ab und zu auf der Schwäbischen Alb bei seiner Familie zu Besuch. Wie er kommen viele bei Gelegenheit in ihre alte Gemeinschaft vorbei und fühlen sich dem Team nach wie vor verbunden. „Es sind gute Beziehungen entstanden“, sagt Simon. Joasch beobachtet, dass im Sportkreis die Teamfähigkeit gesteigert werde: „Außerdem sind die Leute nett. Man kommt mit jedem klar und es macht mega Spaß.“

Dem Afghanen Mustafa geht es genauso. „Ich bin glücklich, durch die Fußballgruppe und allgemein in Winterlingen gute Freunde gefunden zu haben“, sagt der 26-Jährige. Die Begegnung mit anderen Menschen sei für ihn unverzichtbar, um in Deutschland anzukommen. Der erste Schritt scheint aber schon getan: „Ich mag die deutsche Kultur.“

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