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Diese närrische Figurengruppe, darunter Gäste aus Amerika, wird über die Fasnet der Vetterfigur im Park Gesellschaft leisten. Mit dabei: die Initiatoren Bernd Kromer mit dem „Bolizischt“ (rechts) und Ehefrau Gabi mit der Vettermaske (links). (Foto: Karl-Otto Gauggel)
Karl-Otto Gauggel

Bernd Kromer wohnt mit seiner Familie nur wenige Schritte von der Harthauser Vetterfigur im Park entfernt und hat als direkter Nachbar von seiner Stube aus den besten Blick auf die große Bronzefigur mit den beiden unterschiedlichen Gesichtshälften. Während die eine Hälfte weint und ihr Tränen über die Wange fließen, schaut die andere lachend und voller Zuversicht in die Zukunft.

Die Zukunft hieß für viele Auswanderer aus Harthausen wegen der Armut auf der kargen Alb und einem Leben in feudaler Abhängigkeit in den vergangenen Jahrhunderten vor allem Amerika. In den USA gelang vielen von ihnen mit harter Arbeit ein Neustart für eine besseres Leben, doch ihre Alb-Heimat blieb immer in ihren Herzen lebendig. Bis heute pflegen daher die Ausgewanderten und deren Nachfahren mit Besuchen die Beziehungen in ihre alte Heimat. Ebenso ist vielen Harthausern ihre Verbindung zu ihren „Vettern in Amerika“ immer wichtig geblieben.

Die Harthauser Vetterzunft hat dieses Thema vor etwa 25 Jahren aufgegriffen und ist seitdem in unzähligen Umzügen auch überregional für viele Menschen mit ihrem Ruf „Harthauser-Vetter“ bekannt geworden. Da in diesem Jahr alle Umzüge sowohl bei Tage als auch in der Nacht wegen der Corona-Pandemie unterbleiben müssen und auch die traditionelle Harthauser Ortsfasnet am Schmotzigen Donnerstag mit dem Morgenwecken, dem Narrenfrühstück, der Schülerbefreiung, dem Narrenbaumsetze sowie dem Hemadglonkerumzug am Abend ausfallen wird, bleibt es in dieser Fasnetssaison um die Vetterfigur im Park wohl sehr ruhig.

Damit wollte sich der selbstständige Raumausstattermeister Bernd Kromer, der seit 40 Jahren zusammen mit den „Huat-Sempl“ die Ortsfasnet mit organisiert und schon 20 Jahre zusammen mit seiner Frau Gabi bei der Vetterzunft aktiv ist, nicht abfinden und machte sich Gedanken, was sie für den Vetter vor ihrer Haustüre tun könnten.

Der derzeit doch sehr einsame Vetter in der Ortsmitte soll Gesellschaft erhalten: „Wenn sich in der diesjährigen Fasnet keine Narren versammeln und feiern dürfen, so möchten wir dem Vetter in unserer Nachbarschaft mit Besuchern aus Amerika und anderen Gesellen in Form großer, handgefertigter Figuren eine Freude machen“, so Kromer.

Die Figuren wurden von Kromers Vater Jakob, der vor einem Jahr verstarb, in Anspielung auf bekannte Harthauser Auswanderer-Persönlichkeiten aus Lindenholz geschnitzt und bemalt. Das Narren-Ensemble wird derzeit von Familie Kromer aufgefrischt und für seinen Einsatz im Park vorbereitet.

Dabei muss Kromer auch den bei der letztjährigen Fasnet abgebrochenen Arm des großen Huat-Sempl neu modellieren und wieder anbringen, was dem kreativen Handwerker in seiner Werkstatt jedoch keinerlei Probleme bereitet. Auch diese Figur des „Bolizischt“, abgeleitet vom früheren Ortspolizisten, der mit einer Schelle durch den Ort ging und lautstark wichtige Neuigkeiten verkündete, wurde von Kromers Vater geschaffen. „Der Bolizischt wird das Figuren-Spektakel im Park unter Kontrolle halten“, scherzt Kromers Frau Gabi und hofft, dass die närrische Figurengruppe um den Harthauser Vetter bei den Passanten vom Schmotzigen Donnerstag an bis Aschermittwoch wenigstens für ein bisschen Fasnetsfeeling sorgen wird.

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