Erster und einziger AfD-Bürgermeister im Südwesten erklärt seinen Rücktritt

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Harry Ebert, Bürgermeister und AfD-Mitglied, steht vor dem Rathaus in Burladingen.
Harry Ebert, Bürgermeister und AfD-Mitglied, steht vor dem Rathaus in Burladingen. (Foto: Archiv: Sina Schuldt/dpa)
Schwäbische Zeitung

Burladingens Bürgermeister Harry Ebert will zum 31. Oktober zurücktreten. Die Mitteilung des Bürgermeisters erscheint in der aktuellen Ausgabe des Amtsblattes an diesem Mittwoch. Dort heißt es in einer Anzeige mit einem einzigen dürren Satz: „Harry Ebert wird am 1. November 2019 sein Amt als Bürgermeister der Stadt Burladingen zur Verfügung stellen“.

Das Gerücht vom Rückzug Eberts machte bereits am Dienstag die Runde. Der Bürgermeister selbst gibt sich in der Regel gegenüber den Medien wortkarg.

Eine Nachfrage bei Rosi Steinberg, der Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, brachte die Bestätigung. Die Stadträtin war offiziell zwar nicht informiert, wusste aber, dass Ebert seinen Entschluss zum Rücktritt am Dienstagmorgen gegenüber den Rathausmitarbeitern bekannt gegeben hat. Gesundheitliche Gründe hätten ihn dazu bewogen, so habe er gesagt.

Lange Zeit schon wurde in der Stadt spekuliert, ob Harry Ebert, der erste und bislang einzige Bürgermeister der AfD in Baden-Württemberg, seine dritte Amtsperiode vollendet – oder ob er vorzeitig den Hut nimmt. Turnusgemäß würde seine Dienstzeit im Jahr 2023 auslaufen, wenn in Burladingen die nächste Bürgermeisterwahl ansteht.

+++ Gemeinderat in Burladingen im Konflikt mit Harry Ebert +++

Immer wieder eckte er mit einigen Äußerungen und Handlungen an. Dass Harry Ebert viele Ansichten der AfD teilt, war in dem kleinen Städtchen längst bekannt. In Gemeinderatssitzungen hatte Ebert sich bei Flüchtlingsthemen entsprechend positioniert. Auf Facebook teilt er schon seit Jahren öffentlich Beiträge der Partei. Seiten wie „Merkel muss weg“, „Ich bin stolz, deutsch zu sein“ und „Fuck the EU“ hat er als „gefällt mir“ markiert.

Anfang 2017 hatte sich Ebert in einem Leserbrief in einer Regionalzeitung und in einem Facebook-Eintrag in der Wortwahl vergriffen. Er bezeichnete die Gemeinderäte als „Landeier“ und äußerte sich abfällig über den Besuch der Räte im Flüchtlingsheim für Kinder in Hechingen.

Davor hatte er über den Besuch einen AfD-Landtagsabgeordneten in Burladingen ausführlich im Amtsblatt berichtet und die „hohen Kosten“ für die Unterbringung der Asylbewerber angeprangert.

All das hatte in der Gemeinderatssitzung Ende Januar 2017 zum Eklat geführt: Die beiden Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat sowie die beiden stellvertretenden Bürgermeister traten zurück. „Ich habe die Wirkung meiner Worte unterschätzt“, räumte Harry Ebert damals ein und gab zu, Diplomatie sei nicht seine Stärke. Die Gemeinderäte forderten den Rücktritt des Bürgermeisters - vergeblich.

Schwere Verletzung 2016

Im Mai 2016 war der passionierte Radler mit dem Mountainbike am Burladinger Skihang gestürzt, hatte sich schwer verletzt und musste mehrere Monate im Krankenstand verbringen. Öffentlich geäußert über seinen Gesundheitszustand hat er sich nie, es wurde jedoch in Bekanntenkreisen und im Gemeinderat gemunkelt, er sei „Schmerzpatient“.

In den Sitzungen der jüngeren Zeit wirkte er oft eingefallen und grau, machte einen zunehmend müden Eindruck, agierte andererseits wieder, wie man bei Kindern sagen würde, „zappelig“.

Seit 1999 Bürgermeister

Erstmals ins Amt des Burladinger Bürgemeisters gewählt wurde der vormalige Polizeibeamte Harry Ebert im Jahr 1999 als Nachfolger von Michael Beck. Zwei Mal schaffte er den Wiedereinzug, 2007 und 2015, wobei jeweils keine nennenswerten Gegenkandidaten angetreten waren.

Ebert trat zunächst parteilos auf, schloss sich nach seiner ersten Wahl kurzfristig der CDU an, verließ sie bald wieder, wechselte zu den Freien Wählern, für die er eine Periode lang im Kreistag saß, kehrte dann dieser Fraktion ebenfalls den Rücken und wurde 2018 Mitglied der AfD.

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Stellungnahmen zum angekündigten Abgang des Stadtoberhauptes gab es bislang nicht. Rosi Steinberg wollte zunächst mit ihrer Fraktion Rücksprache halten, CDU-Chef Michael Eisele befand sich in einer Sitzung.

Neue Karriere in der AfD?

Spekulation bleibt, ob Harry Ebert sich in seinen griechischen Zweitwohnsitz zurückzieht. Oder ob es ihm seine Gesundheit zulässt, eine neue politisches Herausforderung anzugehen. Nämlich als Kandidat der AfD. Auch das hatte man immer wieder vermutet – dass er mit seinen guten Startvoraussetzungen in der Partei Karriere machen will. Es war bei den vergangenen Wahlen nicht der Fall und die nächsten sind noch fern.

Der Burladinger Gemeinderat tagt am Donnerstag um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Der Rücktritt, den Harry Ebert gegenüber seinen Mitarbeitern verkündete, steht nicht auf der offiziellen Tagesordnung.

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