Die Mutter der „Tante Ju“ besucht das Degerfeld

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Die Junkers F13 stattet dem Flugplatz Degerfeld bei dessen Fest im September einen Besuch ab.
Die Junkers F13 stattet dem Flugplatz Degerfeld bei dessen Fest im September einen Besuch ab. (Foto: Prinzing)
Schwäbische Zeitung

Eine originalgetreue Replika der legendären Junkers F 13 kommt am Samstag und Sonntag, 24. und 25. August, auf die Schwäbische Alb zum Flugplatzfest des Luftsportvereins (LSV) Degerfeld. Das Flugzeug ist derzeit die einzige flugfähige Maschine dieses Typs, der 1919 erstmals abhob und Luftfahrtgeschichte schrieb. Darüber informiert der LSV in einer Pressemitteilung.

Die Junkers F 13, die 2019 100 Jahre alt wird, setzte seinerzeit Maßstäbe. Sie war das erste Verkehrsflugzeug in Ganzmetall-Bauweise. Sie leitete damit die Ära der modernen Fliegerei ein. Aus Anlass des 100. Geburtstags starten die Junkers Flugzeugwerke AG eine Jubiläumstournee mit 20 Stationen in fünf europäischen Ländern, darunter fällt auch ein Stopp am Degerfeld. Höhepunkt soll der Besuch in Dessau sein, wo die Geschichte der Junkers Flugzeugwerke einst begann, teilen die Junkers Flugzeugwerke AG mit. Damit will die Gesellschaft nach eigenen Angaben an den Luftfahrtpionier Hugo Junkers (1859-1935) erinnern und die Begeisterung für die historische Luftfahrt befeuern.

Hugo Junkers war Hochschullehrer, Forscher, Ingenieur und Unternehmer. 1895 gründete er in Dessau die Junkers Flugzeugwerk AG. Wenngleich der Name heute meist mit der legendären, als „Tante Ju“ bekannten Ju 52 in Verbindung gebracht wird, die zuletzt ebenfalls Gast auf dem Degerfeld war, bildete die F 13 einen Meilenstein in der Verkehrsfliegerei. Mit der Maschine, zusammen mit Chefkonstrukteur Otto Reuter entwickelt, wurde erstmals ein Passagier- und Frachtflugzeug zur rein zivilen Nutzung gebaut. Sie bot eine geschlossene Reisekabine, beheizt und mit Sesseln für vier Passagiere ausgestattet, und ein offenes Zwei-Mann-Cockpit. Dem Piloten und seinem Bordmechaniker in der Kanzel wehte damit ständig der Flugwind um die Nase. Am 25. Juni 1919 hatte sie ihren Erstflug. Bereits am 13. September stellte sie einen Höhenweltrekord über 6750 Meter auf.

Verschiedene Varianten der F13

Bis zu Beginn der 1930er-Jahre wurde die F 13 etwa 360 Mal in unterschiedlichen Varianten gebaut. Markenzeichen ist die Außenhaut aus gewelltem Duraluminium-Blech, wie bei der größeren Nachfahrin Ju 52. Das galt in Zeiten, in denen Flugzeuge überwiegend aus Holz und mit Leinwand als Bespannung gebaut wurden, als Revolution. Das neue Material gab der Maschine Festigkeit und Wetterbeständigkeit. Es ermöglichte auch Einsätze in subtropischen Gebieten.

Dieter Morszeck, leidenschaftlicher Pilot, startete 2013 sein Projekt zur Neuauflage der F 13. 2018 gründete er die Junkers Flugzeugwerke AG. Da Originalzeichnungen und Baupläne nicht mehr für alle Teile vorhanden waren, wurde mit Hilfe von Lasertechnik eines der wenigen erhaltenen Originale exakt vermessen. Für den Nachbau mussten die alten Techniken neu erlernt werden. Unter den Augen des Schweizer Bundesamts für Zivilluftfahrt gelang es den Ingenieuren und Flugzeugbauern, nach und nach ein Stück Luftfahrtgeschichte wieder zum Leben zu erwecken, so die Junkers Flugzeugwerke AG. Der erste, in Handarbeit gefertige Prototyp der neuen F 13 entstand in den Jahren 2013 bis 2016. Am 15. September 2016 hob sie in Dübendorf am Airforce-Center zum Erstflug ab. Zwei weitere Exemplare befinden sich derzeit im Bau.

Auf dem Degerfeld ist die F13 am 24. und 25. August zu sehen. Sie wird ausgestellt. Rundflüge werden beim Flugplatzfest nicht angeboten.

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