Die Mundartkünstler sind hautnah bei ihrem Publikum

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Da wird einem ganz anders: Plötzlich hat man die Komödiantin auf dem Schoß.
Da wird einem ganz anders: Plötzlich hat man die Komödiantin auf dem Schoß. (Foto: Susanne Grimm)
Schwäbische Zeitung
Susanne Grimm

In der Straßberger Schlossberghalle haben sich am Samstagabend die schwäbischen Mundartkünstler Wulf Wager, die Gscheidles und Markus Zipperle aufs Beste präsentiert. Mit fetzigen Sprüchen, überzeichneten Klischees und knitzen Dialogen begeisterte die „Schwabenkomede“ das Straßberger Publikum.

Den eigentlich in der Schmeienhalle vorgesehenen humoristischen Abend hatte Veranstalter Josef Hutt wegen mangelnder Kartenvorverkäufe in die kleinere Schlossberghalle verlegt, die sich dafür als bestens geeignet erwies. Die Zuschauer lachten Tränen ob der Urgewalt schwäbischen Humors, den die Gscheidles, der Zipperle und der Wager auf der Bühne lostraten. Gscheidles, die seit 20 Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ein schwäbisches Ehepaar vom alten Schlag verkörpern, hatten ihr Publikum fest im Griff, zumal sie die Anwesenden ohne mit der Wimper zu zucken mit in ihre Darbietungen einbezogen. Die Meister der Improvisation und Verwandlung lösten Stürme von Gelächter und Unmengen von Lachtränen aus, wenn sie beispielsweise von gemeinsamen Einkaufstrips berichteten oder sich als Busfahrgäste über Gott, die Welt und die lieben Nachbarn ausließen.

Dass dabei kein Thema ausgespart, kein Tabu ungebrochen gelassen und die Pauke der Vorurteile so richtig geschlagen wurde, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Darin waren auch Wulf Wager und Markus Zipperle absolute Vollprofis. Insbesondere Zipperle, die „schwäbische Saugosch“, auf dessen T-Shirt warnend steht „nicht therapierbar“, löste schon durch seine unnachahmliche Mimik und seine umwerfenden parodistischen Fähigkeiten nicht enden wollende Heiterkeitsausbrüche aus. Kaskaden von Witzen, schwäbische Gesangseinlagen oder Stand-up-Comedy wusste er immer mit treuherzigen Blicken und Unschuldsmine zu entschärfen, sodass man ihm den dargestellten Macho oder Obermacker nicht ernsthaft abnehmen konnte.

Da langte Wulf Wager mit seinem männlichen Emanzipationsprogramm schon mal ganz anders hin, was gerne zu Lasten älterer, von der Natur nicht ganz so optimal ausgestatteter Frauen ging. Sein Professor Häberle, der eine Vorlesung mit Erläuterungen zum Korpus des „Homo Maultaschensis“ abhielt, war dagegen reinstes Vergnügen. Kein Hals, dafür ein „Grind“, der auf dem „Kragen“ sitzt, statt Nase ein „Zinken“ und „Glotzbebbel“ anstelle von Augen, dazu ein vorgeschobenes Kinn – die sogenannte „Trollinger-Lade“, den „Ranzen“ und speziell die am „Fidle“ ansetzenden Füße – der Schwabe hat keine Beine - seien untrügliche Zeichen dafür, dass Gott beim Erschaffen des Schwaben betrunken gewesen sein muss.

Dennoch: Keiner der Anwesenden wollte seinen Status, im Ländle geboren zu sein, aufgeben. Und so sang die ganze Halle am Ende des überaus vergnüglichen Abends zur Melodie des Hits „For ever young“ zusammen mit den vier schwäbischen Komödianten mit Inbrunst „Für immer Schwob“.

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