Ein nicht alltägliches Geschenk macht die „Enkelmusik“

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Die Lektüre der „Schwäbischen Zeitung“ gehört zur täglichen Pflichtübung der vitalen 90-jährigen Maria Riebsamen
Die Lektüre der „Schwäbischen Zeitung“ gehört zur täglichen Pflichtübung der vitalen 90-jährigen Maria Riebsamen (Foto: Eugen Kienzler)
Schwäbische Zeitung
eugen Kienzler

Gleich zwei Festtage waren bei Maria Riebsamen anlässlich ihres 90. Geburtstages angesagt. Am Sonntag feierte die Jubilarin mit ihren vier Kindern, zehn Enkelkindern und fünfzehn Urenkeln den Eintritt ins zehnte Lebensjahrzehnt im „Ochsen“ in Wilfertsweiler. Am Montag war es die dörfliche Gemeinschaft von Wolfartsweiler, die, angeführt von Ortsvorsteher Eugen Stork, in der St. Leonhardstraße für regen Betrieb sorgte, um ihrer zweitältesten Bürgerin zu gratulieren.

Lebhaft und so manche Einzelheit mühelos rekapitulierend ließ die Jubilarin ihr Leben Revue passieren. Am 15. April 1928 wurde sie in Wolfartsweiler als jüngstes Kind des Ehepaares Luise und Karl Ostermeier in die Zeit der Weimarer Republik hineingeboren. Schon früh musste sie auf der elterlichen Landwirtschaft anpacken. Die Ereignisse des zweiten Weltkrieges prägten die persönliche Lebensgeschichte nachhaltig. Beide Brüder und damit die ursprünglichen Hoferben starben im Krieg. Damit musste sie die Landwirtschaft übernehmen. „Gerne hätte ich auch mal was anderes gemacht, aber damals galt die Folgsamkeit gegenüber den Eltern als oberstes Gebot“, erinnert sich Maria Riebsamen. In der der Endphase des Krieges wurden darüber hinaus vier Jahre lang eine ausgebombte Mutter mit ihren beiden Töchtern aus Moers bei Duisburg vier Jahre lang im Haus in Wolfartsweiler einquartiert. Daraus entstand eine bis heute anhaltenden Beziehung zwischen Oberschwaben und Ruhrpott. Moers blieb für lange Zeit ein beliebtes Urlaubsziel. Noch heute schwärmt Maria Riebsamen davon. Aber auch die Sonntagausflüge mit der Familie gehörten zu den festen Einrichtungen.

Hochzeit im Jahr 1952

1952 heiratete Maria in der Pfarrkirche St. Leonhard Erich Riebsamen aus Schwäblishausen, den sie bei einer Hochzeitsfeier kennengelernt hatte. Auf „Ein ganzes Jahr und noch viel mehr, die Liebe hat kein Ende mehr“ hatte das Paar getanzt und dabei habe es gefunkt, erinnert sich die Jubilarin schmunzelnd. Mit ihm zusammen betrieb sie nun bis 1992 den elterlichen Hof, ehe dieser von Sohn Wolfgang übernommen wurde. Heute beherbergt die Hofstelle die stattliche Metallwerkstatt Riebsamen. 2015 starb ihr Ehemann nach 63 Ehejahren. Neben der Arbeit in Haus, auf dem Hof und im Stall widmete sie die knappe Freizeit der Musik. Schon früh erlernte sie das Spiel des diatonischen Akkordeons. Das begleitete sie ein Leben lang. Wie sehr diese Musikalität sich über Generationen hinweg in der großen Familie entwickelte, zeigte die Geburtstagsfeier. 18 Familienmitglieder spielen in Musikkapellen der Region.

Mit Enkel Joachim Riebsamen ist einer davon der musikalische Leiter der Wolfartsweiler Musikanten. Er war am Geburtstag für das Ständchen der „Enkelmusik“ verantwortlich. Begeistert und stolz war die Oma über dieses ganz sicher nicht alltägliche Geburtstagsgeschenk. „Ich freue mich, dass ich trotz einiger wenigen Zipperleins für mich selber sorgen kann und mir der Herrgott noch eine wachen Geist schenkt.“

Ein Beweis und ganz sicher auch ein gutes Training ist die tägliche Pflichtübung, die Lektüre der Schwäbischen Zeitung.

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