Leiterin geht Ende des Schuljahres in den Ruhestand

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Nach 35 Jahren an der Heimschule Kloster Wald freut sich Leiterin Anita Haas trotz der schönen Zeit auf den Ruhestand.
Nach 35 Jahren an der Heimschule Kloster Wald freut sich Leiterin Anita Haas trotz der schönen Zeit auf den Ruhestand. (Foto: Sebastian Korinth)
Schwäbische Zeitung

Nach 35 Jahren an der Heimschule Kloster Wald verabschiedet sich Leiterin Anita Haas mit Ende dieses Schuljahres in den Ruhestand. Mit SZ-Redakteur Sebastian Korinth spricht sie über die Umsetzung eigener Ideen, die anspruchsvolle Ausbildung an der Schule und darüber, warum eine katholische Mädchenschule auch 2018 noch zeitgemäß ist.

Woran merkt man, dass die Heimschule Kloster Wald seit 14 Jahren unter Ihrer Leitung steht?

Zum Beispiel daran, dass wir bei der Fremdevaluation durch Prüfer des Regierungspräsidiums die Höchststufe erreicht haben: die Exzellenzstufe. Mir ist es gelungen, einige eigene Idee umzusetzen. Dazu zählt unter anderem das Klassenmusizieren auf Streichinstrumenten. Ein wichtiges Anliegen war mir außerdem die Einführung einer festen Projektwoche für alle Schülerinnen – von Besinnungstagen für die jüngsten über Studienfahrten nach Berlin und Rom für die älteren bis hin zur Berufsberatung in Klasse 12. Ein anderer Punkt ist der Latein-Unterricht ab Klasse 5. Davon profitieren die Schülerinnen auch in anderen Fächern.

Von der Wissensvermittlung einmal abgesehen: Welche Werte wollen Sie den Mädchen für die Zeit nach der Schule mit auf den Weg geben?

Eine große Rolle spielt dabei natürlich, dass wir eine christliche Schule sind. Unser Schuljahr ist an das Kirchenjahr gebunden. Wichtig sind uns Werte wie Achtsamkeit. Aber auch die Teilnahme an einer Sport-, Kunst-, Theater- oder Musik-AG soll der Persönlichkeitsentfaltung dienen. In den Handwerksberufen, die die Mädchen bei uns erlernen können, geht es ebenfalls um mehr als die reine Wissensvermittlung. Um mit den Händen etwas zu gestalten, braucht man besonderes Einfühlungsvermögen und Kreativität.

Der reguläre Unterricht, die christlichen Werte, die handwerkliche Ausbildung, die kulturellen AGs: Haben Sie bei dieser anspruchsvollen Ausbildung nicht Sorge, die Schülerinnen zu überfordern?

Nein, absolut nicht. Das handwerkliche Arbeiten oder das Musizieren sind Beschäftigungen, die einen Ausgleich schaffen. Damit überfordern wir die Mädchen nicht, sondern entlasten sie. Durch fünf Stunden Unterricht am Samstag haben die Schülerinnen unter der Woche mehr Zeit, um Hausaufgaben zu erledigen oder an AGs teilzunehmen. Darüber hinaus haben wir ein Mentorensystem etabliert, um schwächere Schülerinnen zu unterstützen. Die Mädchen helfen sich gegenseitig – das können sie oft besser als wir Erwachsenen.

Ärgern Sie sich, wenn jemand behauptet, die Heimschule Kloster Wald sei eine Eliteschule?

Nein, das ärgert mich nicht – weil es einfach nicht stimmt. Die Erzdiözese Freiburg als Trägerin legt Wert darauf, dass es allen Eltern möglich ist, ihre Töchter auf unsere Schule zu schicken. Schon den Gründerinnen der Schule war es wichtig, junge Frauen aus allen sozialen Schichten auszubilden, die mit beiden Beinen im Leben stehen werden. Die Anforderungen der globalisierten Welt sind hoch. Mit unserer ganzheitlichen Ausbildung wollen wir den Absolventinnen ermöglichen, diese Welt selbst mit zu gestalten.

Warum brauchen wir im Jahr 2018 überhaupt noch eine katholische Mädchenschule?

Weil wir davon überzeugt sind, dass in einer solchen Umgebung Werte vermittelt werden können, die für jede Gesellschaft wichtig sind: Achtung voreinander zu haben, Sorge füreinander zu übernehmen, das Leben miteinander zu gestalten – ganz im Sinne des heiligen Benedikt. Es gibt auch heute noch Mädchen, denen diese spezielle Oase gut tut. Für sie ist unsere Schule ein Schutzraum, der ihnen Geborgenheit und Wertschätzung vermittelt. Wir sind ein Gymnasium für Mädchen, weil sich Schülerinnen zum Beispiel in den Naturwissenschaften freier entfalten können. Es ist nachgewiesen, dass die Aufmerksamkeit der Lehrer zu etwa zwei Dritteln bei den Jungen landet und zu einem Drittel bei den Mädchen...

...was ja auch an den Lehrern liegen könnte und nicht an den Jungen.

Das glaube ich nicht. Ein Lehrer will allen Schülern die gleiche Aufmerksamkeit geben – unabhängig vom Geschlecht. Studien zeigen, dass Jungen häufiger das Wort führen als Mädchen. Auch anfangs zurückhaltende und schüchterne Mädchen entwickeln sich bei uns sehr oft zu erfolgreichen Frauen, weil sie ihre Begabung unbeeinflusst von Jungen freier entfalten können. Bei uns werden die Mädchen aber nicht nur in einem Schutzraum für das Leben vorbereitet. Sie haben Brüder, belegen Tanzkurse und feiern Partys. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass eine Mädchenschule nicht für jeden der richtige Ort ist. Um zu wachsen, brauchen einige Mädchen auch die Auseinandersetzung mit den Jungs.

Die Mädchen an der Heimschule Kloster Wald kommen nicht nur aus der Region, sondern aus aller Welt. Wie werden Eltern aus Vietnam auf eine Mädchenschule im süddeutschen, ländlichen Raum aufmerksam?

Grundsätzlich nimmt die Anzahl reiner Mädchenschulen ab. Was uns auszeichnet, ist die Kombination der regulären Schullaufbahn mit der handwerklichen Ausbildung. Wer eine solche Schule sucht, wird über bestimmte Organisationen auf uns aufmerksam. Viele Eltern aus dem Ausland, vor allem aus dem asiatischen Raum, wollen ihre Töchter später zum Studium nach Deutschland schicken. Damit sind die Väter und Mütter von ihren Kindern aber gleichzeitig weit entfernt. Bei uns wissen sie: Ihre Töchter werden nicht nur gut aufs Studium vorbereitet, sondern leben in einem gut behüteten Umfeld. Unterm Strich kommen etwa zehn Prozent unserer Internatsschülerinnen aus dem Ausland. Das tut der Schule gut, denn es verlangt Respekt, vermittelt Toleranz und fördert das kulturelle Verständnis untereinander.

Wie sehen Sie Ihrem Ruhestand entgegen?

Für meine Zeit an der Schule bin ich sehr, sehr dankbar. Die Arbeit mit den Menschen hier hat mir immer viel Freude bereitet. Die Heimschule Kloster Wald ist eine Traumschule und mein Nachfolger Hartwig Hils kann sich auf seine neue Aufgabe freuen. Trotzdem gehe ich nach dem Schuljahr auch gerne in den Ruhestand. Ich liebe die Musik, bin gerne draußen zum Skifahren oder Wandern und reise gern – für diese Dinge habe ich dann wieder mehr Zeit.

Ihr Mann Guido arbeitet ebenfalls als Lehrer an Ihrer Schule. Bleibt er noch?

Nein, er wird mit mir zusammen gehen – auch wenn er jünger ist als ich.

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