Das meiste aus Erich Schütz’ Romanen hat einen realen Hintergrund

Lesedauer: 4 Min
Der Autor Erich Schütz und die Musikerinnen von „Liaison Tangonale“, Jeanette Roth Fritz am Akkordeon und Bettina Kunz am Kontra (Foto: Anthia Schmitt)
Anthia Schmitt

„Ich kann nur empfehlen, Krimis zu schreiben. Sie brauchen keinen Psychologen mehr.“ Der Wahl-Überlinger Erich Schütz weiß, wovon er spricht. Er hat das Metier im Jahr 2007 für sich entdeckt, als er Leon Dold, Journalist wie er selbst, im dunklen und äußerst einträglichen Geschäft der Vermittler akademischer Titel recherchieren ließ. Damals erschien sein Erstling „Die Doktormacher Mafia“.

In „Judengold“ und zuletzt „Bombenbrut“ ließ Schütz seinen Protagonisten Dold munter und höchst gefährlich weiter ermitteln – einmal in jener Zeit des Dritten Reichs, in der sich zwielichtige Geschäftemacher und Bankiers am Export jüdischen Vermögens in die Schweiz bereicherten, und einmal im skrupellosen Revier der Waffenschieber, für die der Bodensee mit seiner zahlreichen Rüstungsindustrie ein idealer Tummelplatz ist. „Es ist alles gar nicht so aus der Luft gegriffen, das meiste hat einen realen Hintergrund“, sagte Schütz, der seinen Fans einen kurzweiligen Abend bot, „es geht immer um Geld und Geld macht erfinderisch.“

Das ehrenamtliche Team der Walder Bibliothek unter der Leitung von Rudolf Graf, das sich erstmals an eine Autorenlesung gewagt hatte, konnte kaum fassen, was da am Samstag in dem Raum im Untergeschoss des Pfarrhauses vor sich ging. Der Kartenvorverkauf war nur sehr schleppend verlaufen und so hatte man bei der letzten Vorbesprechung noch größte Zweifel am Erfolg dieser Premiere. Es sollte ganz anders kommen: Mit mehr als 60 Bücher- und Krimifreunden stieß die Bücherei an die Grenzen ihrer Kapazität und für etliche Besucher gab es trotz fleißigen Nachstuhlens und Zusammenrückens keinen Sitzplatz mehr.

Für Furore sorgten die jungen Frauen von „Liaison Tangonale“, die den Abend musikalisch begleiteten. Bettina Kunz am Kontrabass und Jeanette Roth-Fritz am Akkordeon waren bis dato den wenigsten Gästen bekannt und überraschten mit expressivem Tango und beschwingten Musette-Walzern. „Eins spielt ihr noch“, stellte sich sogar der prominente Autor und eigentliche Mittelpunkt der Veranstaltung voller Bewunderung an den Rand des Geschehens, um immer noch mehr von diesem bemerkenswerten Duo zu hören.

Besonders im zweiten Teil des Abends, in dem Schütz seinen Gourmet-Führer „66 Lieblingsgenüsse“ und seinen Reiseführer „66 Lieblingsplätze“ – zwei Bücher, die die kulinarischen und landschaftlichen Vorzüge der Bodenseeregion ins rechte Licht rücken – vorstellte, gingen die heitere Lektüre und die schmeichelnde Musik eine hinreißende Symbiose ein, die das Publikum mit lang anhaltendem Applaus honorierte.

Die Bücherei-Mitarbeiter hatten überdies keine Mühen gescheut, um die Premiere zu einem Erfolg werden zu lassen. Sie bewirteten ihre Gäste mit Wein vom Bodensee und kleinen Leckereien aus dem heimischen Backofen, sodass sich die Bücherei nach dem offiziellen Ende und dem obligatorischen Büchersignieren noch lange nicht leerte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen