Mit Transparenten gegen den Windpark

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Volles Haus: Die Bürger aus Kettenacker kommen zahlreich zur Sitzung nach Veringenstadt. (Foto: Ignaz Stösser)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Die Mitglieder des Verwaltungsverbandes der Laucherttalgemeinden haben ihren Augen nicht getraut, als sie am Donnerstagabend zur Sitzung im Veringenstädter Feuerwehrhaus kamen. Rund 35 Kettenacker Bürger standen mit zahlreichen Transparenten im Treppenhaus, um gegen den geplanten Windpark südlich ihres Dorfes zu protestieren. Auf den Transparenten stand beispielsweise: „Windkraft mit Ver Ab stand – 2000 m vom Ort“ oder „Infraschall macht uns alle krank“ oder „Nehmt unseren Kindern nicht das Erbe“.

Kurz vor Beginn der Sitzung nahmen die Protestler dann die Zuschauerränge im Sitzungssaal ein und bauten ihre Transparente hier auf, sodass sie während der ganzen Sitzung zu sehen waren. „Das ist Demokratie“, sagte der Gammertinger Bürgermeister Holger Jerg schulterzuckend. Er ist auch der Vorsitzende des Verwaltungsverbandes und ließ die Protestler gewähren. Und gleich zu Beginn versprach er ihnen: „Ihre Ängste nehmen wir ernst.“ Und: „Wir tun das nicht, weil wir Ihnen etwas Böses antun wollen.“ Aber wenn der Verband nichts unternehmen würde, käme alles noch viel schlimmer. Es könnten Windräder genehmigt werden, die noch viel näher an der Bebauung stehen würden, als dies auf den geplanten Konzentrationsflächen vorgesehen sei.

Öffentlichkeit wird gehört

In der Sitzung ging es eigentlich nur um eine Formalie. Die vier Kommunen hatten die Konzentrationszonen auf ihren Gemarkungen in früheren Sitzungen festgelegt. Jetzt war es Aufgabe des Verbandes, den entsprechenden Fortschreibungsentwurf „Windenergie mit Konzentrationszonen und Ausschlussgebieten“ zu beschließen. Danach können die Träger öffentlicher Belange gehört und die Öffentlichkeit beteiligt werden. Hier bietet sich dann die Gelegenheit für die Kettenacker, ihre Bedenken einzubringen. Die endgültige Satzung kann der Verband dann im Frühjahr beschließen.

Diskutiert wurde nicht mehr viel. Lediglich der Gammertinger CDU-Gemeinderat Josef Vogelsang meldete sich mit kritischen Fragen zu Wort. „Ich möchte endlich ordentliche Luftbilder sehen, wo auch die Lage der Ortschaften zu erkennen ist“, sagte er und erhielt von den Protestlern aus Kettenacker Applaus. Er schlug auch vor, die Verbandsversammlung sollte die Entscheidung der Kommunen lediglich zur Kenntnis nehmen und keinen Beschluss fällen. Auch bemängelte er, dass versäumt worden sei zu überprüfen, ob in den für die Windkraft reservierten Flächen nicht historische Gräberfelder vorkommen.

Einfluss auf die Abstimmung im Gremium hatte Vogelsangs Kritik aber kaum. Bürgermeister Jerg und der Neufraer Gemeinderat Roland Leitermann machten deutlich, man sollte den Entwurf jetzt verabschieden, und wenn sich bei der Anhörung der Träger öffentlicher Belange neue Erkenntnisse ergeben, könne man die ja in die Satzung einarbeiten. Beim ersten der vier Beschlüsse enthielt sich Vogelsang, die anderen wurden einstimmig gefasst.

Die Kettenacker Bürgerinitiative verteilte an diesem Abend auch ein Papier mit Aussagen von Personen, die durch die Windkraft gesundheitlich geschädigt worden sind. Es sind Menschen aus den Gemeinden Estinnes, Bray und Vellereille in Belgien, deren Stellungnahmen im Internet stehen. Der Kettenacker Karl Lazic hat diese Menschen persönlich aufgesucht und mit mehreren Betroffenen gesprochen. Auszüge aus dem Flugblatt, das die Kettenacker verteilt haben, stehen im Kasten nebenan.

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