Die Anfänge dieser großen Liebe reichen zurück bis in die Nachkriegszeit

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Ein seltenes Jubiläum: Elisabeth und Hubert Nytz feiern eiserne Hochzeit.
Ein seltenes Jubiläum: Elisabeth und Hubert Nytz feiern eiserne Hochzeit. (Foto: Sabine Rösch)
Sabine Rösch

Zweifel an dieser ganz besonderen Ehe lässt Hubert Nytz gar nicht erst aufkommen: Seit 65 Jahren ist er mit seiner Frau Elisabeth verheiratet. Am Mittwoch, 4. September, feiern die beiden eiserne Hochzeit. „Unser Eheglück ist so stabil und unzerbrechlich wie Eisen“, sagt er im Hinblick auf das besondere Jubiläum. Am Samstag wird mit der Familie und mit Freunden im vertrauten, kleineren Kreis gefeiert.

1989 war das Ehepaar Nytz nach Veringenstadt gekommen. Bis dahin lebten Elisabeth und Hubert Nytz in Polen, im oberschlesischen Gleiwitz, das erst im Jahr 1945 unter polnische Verwaltung gestellt wurde. Nach Veringenstadt zogen sie, weil es ihre beiden Töchter mit ihren Familien nach Schwaben verschlagen hatte.

Eine schwere Entscheidung

„Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir einsam sind ohne unsere Kinder und unsere Enkelkinder“, erzählen die Eheleute. „Telefonate und Briefe konnten die Sehnsucht nicht ausgleichen.“ Es sei mit die schwerste Entscheidung ihres Lebens gewesen, alle Zelte in Oberschlesien abzubrechen und noch einmal neu anzufangen. Doch es habe sich schnell als richtige Entscheidung erwiesen, „als ob uns eine unsichtbare Hand nach Veringenstadt geführt hat“, wie Hubert Nytz sagt. Von Beginn an seien sie herzlich aufgenommen worden.

Kennengelernt hat sich das Paar in Gleiwitz, wo beide geboren und aufgewachsen sind. Der Vater von Hubert Nytz war nicht aus dem Krieg zurückgekehrt. Deshalb musste der Sohn als ältestes von drei Geschwistern bereits als 14-Jähriger Verantwortung übernehmen und beim Vater von Elisabeth, der Ortsbauernführer war, landwirtschaftliche Geschäfte erledigen. So lernte er Elisabeth kennen, die mit fünf weiteren Schwestern und einem Bruder aufwuchs.

„Ich habe die schönste und die richtige der Schwestern ausgesucht“, sagt Hubert Nytz mit einem Schmunzeln. Geheiratet wurde am 4. September 1954. Im Jahr 1955 kam Tochter Bärbel zur Welt. Weitere zwei Jahre später wurde Maja geboren, die das Familienglück komplettierte. 1962 wurde ein Eigenheim gebaut – was teilweise recht mühsam war, denn man bekam immer nur eine gewisse Menge, beispielsweise an Zement, zugeteilt. „Sogar die Ziegel hat mein Mann selbst hergestellt“, erinnert sich Elisabeth Nytz.

Leidenschaft für die Bienenzucht

Die große Leidenschaft der Bienenzucht habe ihm immer Kraft und Ausgleich gegeben, sagt Hubert Nytz, der als Techniker in einem großen Gaswerk eine führende Position inne hatte. Jede freie Minute habe er sich den Bienen gewidmet und teilweise bis zu 80 Völker versorgt. Sein Wissen als Imkermeister gab er in zahlreichen Vorträgen und Referaten, die ihn durch Deutschland und Österreich führten, weiter.

Seine Frau Elisabeth verschaffte ihm als gelernte Bibliothekarin immer Zugang zu Fachliteratur. Diese Leidenschaft verschaffte dem Paar auch Zugang zu Gleichgesinnten, als sie nach Veringenstadt zogen. Auch dort versorgte Hubert Nytz bis zu 40 Völker. Außerdem engagierten sich die Eheleute im Schwäbischen Albverein, beim Deutschen Roten Kreuz und bei Verein „Natur und Umwelt Veringen“. Elisabeth fand im Pfarrheim in Veringenstadt als Hausmeisterin und Verwalterin der Bibliothek eine Aufgabe, die sie mit Freude zwölf Jahre lang ausführte.

Auch sie muss lächeln, wenn sie an die erste Zeit in Veringenstadt zurückdenkt. „Wir mussten doch schon die polnische Sprache lernen nach dem Krieg, da Deutsch sprechen verboten wurde“, sagt sie. „Und in Veringenstadt kam noch die schwäbische Sprache dazu.“ Die ersten acht Jahre lebte das Paar bei seiner Tochter und deren Familie. Dann ergab sich die Gelegenheit zum Erwerb eines Hauses an der Schwabenstraße. Hubert und Elisabeth Nytz ergriffen diese Chance und bauten das Haus mit Hilfe der Familie um. Seitdem leben sie glücklich in ihrem Eigenheim.

Am Samstag feiert die Großfamilie, der mittlerweile sechs Enkelkinder und fünf Urenkel angehören, mit einem Gottesdienst und einem sich anschließendem Fest das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Bürgermeister Armin Christ freut sich ganz besonders, da es erst die dritte eiserne Hochzeit ist, zu der er gratulieren kann.

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