Bücher aus Stein sind vor allem bei Städtern beliebt

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Gabriele Loges

Sebastian Schmidt ist vor fast 20 Jahren für seine Steinbuchwerkstatt in der „Außerstadt“ nach Veringenstadt gezogen. Für ihn wurde die ehemalige Autowerkstatt zwischen Lauchert und alter Bundesstraße zum idealen Ort für die Herstellung seiner Steinkunst im Ein-Mann-Betrieb.

Gerade kommt Sebastian Schmidt vom Kunsthandwerkermarkt in Bonn, davor war er auf dem Kunstmarkt in Emmendingen sowie auf den Mineralientagen in Loosheim. Im März stand die Buchmesse in Leipzig auf dem Programm. Jetzt, so Schmidt, werde es allerhöchste Zeit, dass er wieder seine Steine bearbeite, um sein Angebot auffüllen zu können. Arbeiten kann er am besten alleine in seiner Werkstatt in Veringenstadt. In Bonn seien die Geschäfte gut gelaufen, trotzdem merke er die Veränderung in der ehemaligen Bundeshauptstadt: „Seit mit der Regierung ein Teil des Bildungsbürgertums weggezogen ist, kommen weniger Kunden“, sagt Sebastian Schmidt. Gefreut habe er sich darüber, dass er beim Kunsthandwerkermarkt trotzdem von einigen Besuchern erkannt wurde – obwohl er zuletzt vor sieben Jahren dort war. Großstädte wie München seien ebenfalls ein guter Platz für den Verkauf, denn vor allem die Stadtbewohner lieben seine Bücher aus Stein in allen Größen. „Einer sagte mir kürzlich, dass er jeden Morgen das vor Jahren gekaufte Steinbuch zum Erden in die Hand nimmt“, sagt Schmidt.

Über seine „haltbaren Bücher für Analphabeten“ hört Sebastian Schmidt viele Sprüche. Käufer seien dann meist Menschen, die selbst lesen und die gerne Natur mit Kultur verbunden sehen: „Viele Leute haben einen Bezug zu Steinen und zu Büchern“, sagt Sebastian Schmidt. Menschen auf dem Land, so seine Erfahrung, setzen bei Kunsthandwerk eher auf Selbstgemachtes: „Je ländlicher, desto schwieriger ist es mit dem Verkauf.“

Der in Pforzheim geborene und in Stuttgart aufgewachsene Steinbildhauer hat nach Schule und Zivildienst als Schäfer sein Handwerk in Stuttgart gelernt. Schon während seiner Schulzeit an der Waldorfschule lernte er neben dem Unterricht verschiedene Kunstrichtungen kennen. Dabei kam Schmidt nach Azzano, in die Nähe von Carrara, und probierte sich zum ersten Mal am dortigen Stein aus. Kunst als Lebensgrundlage lernte er schon im Elternhaus kennen. Denn sein Vater war ebenfalls künstlerisch tätig und unterrichtete zukünftige Lehrer im Fach Kunst.

Dem Sohn war von Anfang an klar, dass es ein Wagnis ist, sich im Kunstbereich zu behaupten und gleichzeitig seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er wollte „etwas Handwerkliches als Grundlage haben“ und machte zunächst eine Lehre. In seinem Ausbildungsbetrieb lernte er, wie Grabsteine und andere Steinmetzarbeiten hergestellt werden. Die Ausbildung bestärkte ihn: Die Verbindung von Handwerk, Natur und Kunst ist das Richtige. Nach der Lehre konnte er noch für einige Zeit die Werkstatt und Maschinen des Lehrmeisters nutzen, um seine Idee zu realisieren: 1993 machte sich Sebastian Schmidt als „Buchmacher“ selbstständig. Nur eine eigene Werkstatt fehlte ihm noch.

Auto- wird zur Kunstwerkstatt

In Illmensee hatte die Familie ein Ferienhaus, dort konnte er im Kleinen anfangen. Aber nach acht Jahren wurde es schließlich zu eng. Da Schmidt die Strecke zwischen Stuttgart und Illmensee vom Durchfahren gut kannte, suchte er gezielt nach einem geeigneten Gebäude auf dem Land: „Erst habe ich an einen einsamen Bauernhof gedacht.“ Aber so ganz abseits sollte es aus praktischen Gründen dann doch nicht sein. Auch bei den Banken hatte er nachgefragt. Von einer bekam er dann die ehemalige Autowerkstatt angeboten: „Es war Liebe auf den zweiten Blick, denn auf so etwas war ich vom Kopf her nicht eingestellt.“

Schmidt bemerkte jedoch schnell, dass sich die Montagegrube der Autowerkstatt optimal zum Säubern des Schlackwassers eignet. Mit dem Absatzbecken kann er nun das Wasser, das beim Schleifen benötigt wird, durch die Selbstreinigung mehrfach verwenden. Auch die Lage an der Lauchert gefiel ihm sofort. Neben seiner Werkstatt gibt es einen großen Ausstellungsraum, der sowohl von der Lauchert als auch von der Straße her viel Licht herein lässt. In diesem Raum widmet er sich seinem „jüngsten Kind“, dem Schmuckstein.

Neben seinen Steinbüchern hat Sebastian Schmidt schon vieles ausprobiert. Jetzt sei er froh, dass er mit den Schmucksteinen einen neuen herausfordernden Bereich für sich entdecken konnte, sagt er. „Es ist wichtig für mich, immer etwas Neues zu machen.“ Gerne erzählt er bei den fertigen Produkten, ob groß oder klein, aus welchen Ländern die unbearbeiteten Steine beziehungsweise Mineralien herkommen und wie sie heißen. Jedoch ergeben sich erst beim Schneiden und Schleifen Formen und Strukturen, die die Steine für den Betrachter „lebendig und anziehend“ machen.

Die Schmuckstücke nimmt Sebastian Schmidt neben seinen Steinbüchern auf die nächsten Messen mit. So fährt er mit seinem Lieferwagen am Samstag, 25. Mai, auf die „Mineralienwelt“ nach Idar-Oberstein und Ende de Monats auf die „Garden-Life“ nach Reutlingen. Seine Partnerin begleitet Schmidt nach Möglichkeit auf die Messen. Als Bibliothekarin ist sie ein weiterer Beweis dafür, dass „Stein und Buch“ gut zusammenpassen.

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