150 Jahre alt und doch so jung geblieben

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Zwischen den Grußworten gibt es schwungvolle Vorführungen der einzelnen Abteilungen zu sehen.
Zwischen den Grußworten gibt es schwungvolle Vorführungen der einzelnen Abteilungen zu sehen. (Foto: Sabine Rösch)
Sabine Rösch

Erwartungsgemäß sportlich ist es bei der Jubiläumsfeier am Samstagabend zum 150-jährigen Bestehen des Turn- und Sportvereins Veringenstadt zugegangen. Der Abend, der die Vereinsgeschichte mit allen Höhen und Tiefen aufzeigte, hielt aber auch einige Überraschungen parat. Festredner würdigten die wichtige Rolle des Vereins in der Stadt und beim Schlemmen am Büfett schwelgte so mancher Gast in Erinnerungen. Auch beim Besichtigen der Fotoausstellung oder beim Stöbern in der Festschrift gab es reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Besonders fröhlich begann der Abend freilich nicht. Nachdem Ludwig Dobler vom Vorstandsteam die Gäste begrüßt hatte, folgte ein Gedenken an verstorbene Mitglieder. Dabei erwähnte Dobler besonders die kleine Hanna Ahrens, die erst zwei Tage zuvor den Kampf gegen den Blutkrebs verloren hatte. Dort, wo am Samstagabend das Jubiläum des TSV gefeiert wurde, ließen sich am 1. Dezember noch mehr als 600 Frauen und Männer für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren. Kurz darauf wurden dem Mädchen Stammzellen ihres Bruders transplantiert. Doch am Ende musste sich Hanna der tückischen Krankheit geschlagen geben.

Faires Miteinander mit Vereinen

Ludwig Dobler begrüßte auch die Mitglieder des Fußballsvereins und des Tennisvereins, die bis 2001 als Abteilung des Turn- und Sportvereins agiert hatten und seither als selbstständige Vereine fungieren. „Wir arbeiten im fairen Miteinander und niemals gegeneinander“, betonte der TSV-Vorsitzende.

Ein humorvolles Grußwort hielt Bürgermeister Armin Christ, der gleichzeitig dem Vorstandstrio des Vereins angehört. Ganz schön alt sei der TSV geworden, sagte er, und sei dabei doch so jung geblieben. Zusammen mit Melanie Steinhart moderierte Christ anschließend den Abend. Die beiden zitierten unter anderem Passagen aus einem gut erhaltenen Protokollbuch, einem ganz besonderen Juwel des Vereins. Zur Gründung las Armin Christ aus dem Jahr 1869 vor, dass sich in dem Herzen mehrerer Männer und Jünglinge der Wunsch regte, einen Turnverein zu gründen. Melanie Steinhart verlas dann aus der strengen Satzung, die daraufhin erstellt wurde, dass die Turnstunde am Sonntagnachmittag stattfinde. Unentschuldigtes Fehlen wurde finanziell bestraft und ging mit öffentlichem Tadel einher. Beim zweiten Mal drohte gar der Vereinsausschluss.

Auch Erwin Zillenbiller, der dem Turn- und Sportverein seit mittlerweile 82 Jahren angehört, kam zu Wort. Das älteste Mitglied des Vereins hielt frei ein beeindruckendes Grußwort und blickte zurück in die Geschichte und auf den Wandel des Vereins. Die Funktionäre heute mögen die Parole „Frisch, fromm, fröhlich und frei“ neu definieren und den Verein weiterhin wachsen und gedeihen lassen, wünschte ihnen das Ehrenmitglied.

Lob für Beständigkeit

Landrätin Stefanie Bürkle knüpfte direkt an Zillenbillers Worte an und lobte den Verein ob der Tausenden Stunden im Ehrenamt für das sportliche Miteinander. Andreas Felchle, Präsident des Württembergischen Landessportbunds, lobte vor allem das Beständige, das das sportliche Ehrenamt im Verein auszeichne. „Sie übernehmen Jobs auf lange Zeit, während sich immer mehr Leute aus allem raus halten – oder sich einer Bürgerinitiative anschließen, die in der Regel gegen etwas ist“, sagte Felchle, Bürgermeister von Maulbronn.

Turngaupräsident Josef Baumgärtner lobte die jahrzehntelange Kontinuität, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit des Vereins, der zu den Gründungsmitgliedern des Turngaus zähle. Marius Heim, Vorsitzender des Turnvereins Veringendorf, betonte die Verbundenheit der beiden Vereine und bedankte sich als Gettekind für die Patenschaft durch den TSV Veringenstadt, die dieser anlässlich des 100-jährigen Bestehens des TV Veringendorf vor fünf Jahren übernommen hatte.

Für eine schwungvolle und beeindruckende Auflockerung zwischen den Grußworten sorgten die aktiven Gruppen des TSV mit tollen Vorführungen. Die Mädchen der Turnabteilung beeindruckten mit einer Gerätturn-Vorführung unter der Leitung von Melanie Steinhart. Die Erwachsenen der Judo-Abteilung von Werner Hein demonstrierten ihr großes Können und bewiesen, dass sie zurecht Träger des schwarzen oder zumindest sehr dunkel eingefärbten Gürtels sind.

Mit Übungsleiter Marco Ferroni gibt es in Veringenstadt die Abteilung „Inlineskating“, die mit einer Schwarzlichtshow eine atemberaubende und rasante Show auf der Bühne zeigte. Bei normalem Licht flitzten die Sportler scheinbar mühelos mit ihren Inlinern durch engste Pylonengassen in verschiedene Positionen.

Nach dem offiziellen Teil blieb ausreichend Zeit, sich der interessanten Bildgalerie, dem Protokollbuch oder der Festschrift zu widmen.

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