Die Dora zieht alle in ihren Bann.
Die Dora zieht alle in ihren Bann. (Foto: Susanne Grimm)
Schwäbische Zeitung
Susanne Grimm

Auch in diesem Jahr hat die Modellbauausstellung im Soldatenfreizeitheim „Haus Heuberg“ wieder viel Publikum angezogen. Dabei konnten wieder über 1000 Modelle von Bastlern aus den Landkreisen Zollernalb, Sigmaringen, Reutlingen oder Tübingen besichtigt werden.

Natürlich war auch Hanspeter Tschanz aus dem schweizerischen Schüppach im Emmental wieder in der Heuberggemeinde. Der Eidgenosse, der bereits seit sechs Jahren seine naturgetreuen Modelle in Stetten a.k.M. ausstellt, hatte Ehefrau und Sohn mitgebracht, die ebenfalls dem Miniaturvirus erlegen sind. Siegfried Mühlnikel, dessen akribisch nachgebaute „Nautilus“ aus Jules Vernes Roman „20 000 Meilen unter dem Meer“ die Blicke auf sich zieht, gehört ebenfalls zum treuen Stamm der Aussteller. Er organisiert allerdings auch die Modellbauerschau im Soldatenheim und ist schon deshalb unverzichtbar. „Das macht natürlich auch ordentlich Arbeit, aber es ist immer wieder schön“, sagte der aus Bitz stammende Bastler.

Seit über 50 Jahren bastelt Mühlnikel Modelle aller Art. Auslöser für dieses Hobby war ein Weihnachtsgeschenk gewesen, dass ihm seine Mutter in der Kindheit schenkte. „Seither hat mich der Modellbauvirus nicht mehr losgelassen“, so der Organisator der Ausstellung. Auch seine Familie ist von diesem Virus infiziert. Sein Sohn beispielsweise wartete in diesem Jahr unter anderem mit einem 3-D-Schach auf.

Statt eines flachen Schachbretts hat Mühlnikel Junior die Schachquadrate auf drei Ebenen verteilt, was dem Spiel und der dazu gehörenden Denkarbeit eine ganz andere Dimension verleiht. „Die Regeln sind aber die gleichen“, beteuert der Bastler. Die Mühlnikels gehören zur Interessengemeinschaft Plastikmodellbau Zollernalb, zu der rund 25 Mitglieder aus ganz Baden-Württemberg gehören. Einmal im Monat treffen sich die Bastler, um sich auszutauschen. Mit einer Mondlande-Szenerie und der „Nautilus“ haben die Bitzer immer attraktive Blickfänger, die den Gast zu genauerer Inspektion einlädt. „Die Nautilus ist auch innen richtig ausgestattet, mit Sofa und Klavier, wie im Film und Buch“, sagte der ehemalige Feldwebel der Bundeswehr.

Neben der Tiefsee und dem Weltall hat insbesondere die Fliegerei im Modellbau große Bedeutung. Flugzeuge aller Art, Größe und Baujahr durften bewundert, aber natürlich nicht angefasst werden. Sogar Otto Lilienthals erster Fluggleiter fehlte nicht. Großen Raum bei der Ausstellung nahmen die Kriegsgeräte ein. Mitten drin die „Dora“, der Nachbau einer 80-cm-Kanone mit einem in Natura 32,48 Meter messenden Rohr und einem Gesamtgewicht von 1350 Tonnen. Der Nachbau des aus 3000 Teile bestehenden Ungetüms im Maßstab von 1:35 kostete den Modellbauer ein halbes Jahr Zeit. Die Welt im Kleinen übte auch auf das Publikum eine große Faszination aus.

Ländliche Hinterhausidyllen, Bahnhofszenarien oder Flughafen-Atmosphäre mit allem was dazu gehört, und das in Miniatur, verfehlten seine Wirkung nicht. Gullivers Reisen in das Zwergenland bekam auf dieser Ausstellung irgendwie einen Hauch von Realität.

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