Waldbühne überzeugt das Publikum bei Premiere des „Hundertjährigen“

Lesedauer: 5 Min
Auftritt von Schauspielern
Viele Abenteuer stehen der Hundertjährige (Gerold Rebholz, vierter von rechts) und seine Freunde zusammen auf der Bühne durch. (Foto: Tanja Japs)
Tanja Japs

Das Stück hätte überzeugender nicht sein können: Die Premiere der Waldbühne Sigmaringendorf mit dem Stück „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ nach dem Roman von Jonas Jonasson war am Samstagabend restlos ausverkauft. Unter der Regie von Frank Speh spielten alle 60 Akteure, zum Teil in Doppelbesetzungen, ihre Rollen mit Bravour. Insbesondere die Besetzung der Rollen von Allan Karlsson als der Hundertjährige, gespielt von Gerold Rebholz, sowie Fabian Felbick, dem Darsteller in den Rückblenden, begeisterten das Publikum restlos.

„Die heutige Premiere ist der mutmaßlich längste Stücktitel in der Geschichte der Waldbühne“, begrüßte Walter Kordovan, Vorsitzender des Naturtheaters Waldbühne, die Zuschauer. Die Vorstellung dauerte zweieinhalb Stunden und die Handlung war sehr anspruchsvoll, dennoch sehr kurzweilig und unterhaltsam. Die Geschichte des Hundertjährigen erzählt von dessen Geburt im Jahr 1905 bis zur Gegenwart im Jahr 2005. Allerdings wird die Geschichte nicht chronologisch erzählt, sondern in zwei Handlungssträngen, die am Ende zusammenlaufen.

Eine Stunde, bevor die Feier seines 100. Geburtstages beginnt, steigt Allan Karlsson aus seinem Fenster im Seniorenheim und flieht. Weil er am Busbahnhof einen Koffer mitnimmt, in dem sich die Einnahmen von 50 Millionen aus einem Drogengeschäft befinden, sucht bald außer der Polizei eine Verbrecherbande nach ihm. Doch Allan bleibt auf seiner Flucht nicht lange allein. Neben dem Gelegenheitsdieb Julius und dem Dauerstudenten Benny gehören auch die schöne Frau Gunilla und ihre Elefantendame Sonja zur Gruppe seiner neu gewonnenen Freunde. Gemeinsam entkommen sie manch auswegloser Situation.

Denn mit so etwas kennt sich Allan aus. Obwohl er sich nicht für Politik interessiert, hat er das Weltgeschehen im 20. Jahrhundert immer wieder durcheinandergebracht. Der Zuschauer erfährt, was der Hundertjährige früher erlebt hat, als er zum Beispiel – aus Versehen – den spanischen Diktator Franco rettete, half, die Atombombe zu erfinden, oder sich mit Stalin wegen dessen Schnurrbarts anlegte.

Bei dem Theaterstück handelt es sich um ein Schelmenstück, phantasievoll und skurill, gepaart mit schwarzem Humor. „Könnte es sein, dass man als Hundertjähriger schon einen leichten Leichengeruch an sich hat?“, fragt er sich zwischendurch. Getreu seinem Lebensmotto „Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt“ ist er unbekümmert und wurde so – oder vielleicht gerade deshalb - sehr alt. Dieser Humor begeisterte die Zuschauer und so brachten sie ihre Anerkennung durch Begeisterungsrufe zum Ausdruck. Originelle Einfälle, Sprachwitz und Situationskomik sorgten für zahlreiche Lacher.

Damit das gelingt, starteten die Proben schon zu Beginn des Jahres, am Freitag nach Aschermittwoch. „Wir Darsteller sind ein großes, tolles Team, quasi eine Familie. Bis zur Premiere proben wir an vielen Abenden und Wochenenden. Dafür muss jeder Darsteller viel Zeit und Engagement mitbringen.“, sagt Volker Badouin, der die Rolle des Julius verkörpert. Die Proben machten sehr viel Spaß, aber kurz vor der Premiere seien alle sehr nervös. „Aber am Ende ist der Beifall der Zuschauer unsere Belohnung“, fügt Badouin an. Er selbst steht bereits seit 30 Jahren auf der Waldbühne. „Der Auftritt des Elefanten Sonja stellte für uns eine besondere Herausforderung dar, da vor allen Dingen der Kopf des Elefanten sehr schwer ist“, so Badouin weiter.

Stück noch nie auf Freilichtbühne

Die Inszenierung dieses Stückes wurde bislang noch nie auf einer Freilichtbühne aufgeführt und musste, da es für eine Saalbühne konzipiert ist, umgeschrieben werden. Seit 1928 ist die Waldbühne Sigmaringendorf inzwischen eine der bekanntesten Freilichtbühnen im süddeutschen Raum und zieht Publikum auch aus weiter entfernten Regionen an.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen