Von Johann Sebastian Bach bis Schostakovitsch

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 Das Landespolizeiorchester spielt in Sigmaringendorf in kleiner Besetzung.
Das Landespolizeiorchester spielt in Sigmaringendorf in kleiner Besetzung. (Foto: Elisabeth Weiger)
Schwäbische Zeitung
Elisabeth Weiger

Die Polizei, dein Freund und Helfer, diesen Slogan in die Tat umzusetzen, in eine ungefährliche noch dazu, gelang dem Landespolizeiorchester Baden-Württemberg am Samstagabend in der Sigmaringendorfer Pfarrkirche. Schon in den einleitenden Worten des Baufördervereinsvorsitzenden Hans Steurer und des Dirigenten Stefan R. Halder kam die Notwendigkeit von Renovierungsmaßnahmen in der Kirche St. Peter und Paul zur Sprache.

Den Blick hinauf an die verrußten Kirchenwände richtend konstatierte der Dirigent: „Diese Kirche darf man renovieren. Ich vermute, wir müssen noch einmal kommen“, und fügte hinzu, „meistens kommt die Polizei zu spät oder erst hinterher, aber wir sind schon vorab da, um im Auftrag des Innenministeriums für ein gut funktionierendes kommunales Zusammenleben zu sorgen.“

Gruppenbild mit Dame

Bei rund 120 Terminen innerhalb eines Jahres stellen die siebzig Berufsmusiker, deren Zugehörigkeit zur Polizei nur ein kleines Emblem in Brusthöhe verrät, nicht nur ihr hohes musikalisches Niveau, sondern auch ihre stilistische Vielseitigkeit unter Beweis. Unter dem indirekt beleuchteten Kruzifix im Chorraum der Dorfer Pfarrkirche präsentierte sich die kleine Besetzung des Orchesters, ein schmuckes Gruppenbild mit Dame, einer Flötistin unter dreißig Musikern.

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben, ich brauche ihre Schönheit, ihre Erhabenheit. Ich will zu leuchtenden Kirchenfenstern hinaufsehen. Eine Welt ohne diese Dinge wäre eine Welt, in der ich nicht leben möchte.“ Mit diesen Worten des Protagonisten Amadeu Prado in Pascal Mercier‘s „Nachtzug nach Lissabon“ eröffnete Pfarrer Ekkehard Baumgartner sein geistliches Wort und bekräftigte mit einfühlsamen Bildern die Notwendigkeit einer Kirchenrenovierung.

Den Spielort aufgreifend eröffneten die Musiker das Konzert mit La Basilica di San Marco, eine Hommage an die Kathedrale in Venedig, ein fast ohrenbetäubendes, alle Register miteinbeziehendes Werk von großer Intensität. Anlehnend an Smetanas Moldau folgte ein Werk junger schwäbischer Komponisten, eine Liebeserklärung an die Echaz, an die Natur, an das Frühlingserwachen, solistisch wunderbar interpretiert von Oboen, Flöten und Hörnern. Das Programm des rund einstündigen Konzertes vermittelte den Zuhörern einen Eindruck von der großen Bandbreite des Orchesters.

Meisterhaft beherrschten sie die Arrangements orchestraler klassischer Werke von Peter I. Tschaikowsky, Giovanni Gabrieli oder Gustav Mahler bis hin zu den beschwingten, gute Laune vermittelnden Klängen von Johann Sebastian Bachs Air oder dem Walzer Nr. 2 von Dmitri Schostakovitsch.

Mit dem bekannten Kirchenlied „Großer Gott wir loben dich“ und dem Dank Hans Steurers an alle Beteiligten endete ein Konzert, das, so eine Konzertbesucherin beim Verlassen des Kirchenschiffes, eigentlich viel mehr Besucher aus der Pfarrgemeinde, aus Sigmaringendorf verdient hätte.

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