Künstler Josef Henselmann hat das Kircheninnere gestaltet.
Künstler Josef Henselmann hat das Kircheninnere gestaltet. (Foto: Fotos: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Pünktlich zum Patrozinium erstrahlte am Sonntag die katholische Kirche St. Peter und Paul nach rund drei Jahren Umbau- und Renovierungszeit im neuen Glanz. Pfarrer Ekkehart Baumgartner hieß zahlreiche Gäste zum Festgottesdienst willkommen, darunter natürlich auch der Gestalter des Kircheninneren, der Laizer Künstler Josef Henselmann. „Ich tat, was ich konnte“, sagte Henselmann am Ende des Festaktes und bekannte, dass auch in seiner Brust zwei Seelen leben: Jene, die Altes bewahren und die andere, die Neues schaffen wolle.

Er zeigte Verständnis für die Menschen, denen die „alte“ Kirche wichtig war, brachte aber gleichzeitig seine Hoffnung zum Ausdruck, dass für die Gottesdienstbesucher in der Neugestaltung die Verbindung zwischen Altem und Neuen sicht- und spürbar werde. Er griff damit den Faden auf, den Pfarrer Baumgartner in seiner Predigt gesponnen hatte, nämlich die Versöhnung von Alt und Neu, von Früher und Heute, von Gewesenem zum Künftigem. Der Pfarrer, voller Zuversicht und guter Laune, brachte zum Ausdruck, dass die lichtdurchflutete, von 33 Engeln des Künstlers Henselmann getragene Kirche den Menschen helfe, „neu und kraftvoll den Glauben zu leben“. Aufrecht und gestärkt, getröstet und mit der Hoffnung, dass aus der „Vereinzelung“ wieder eine Gemeinschaft erwächst, sollen die Gläubigen stets nach Besuch des Gotteshauses nach Hause gehen. „Wenn dies gelingt, dann hat sich der ganze Aufwand gelohnt!“.

Sowohl der Pfarrer als auch Henselmann und Claus Bayer, Pfarrgemeinderat und Bauausschussmitglied, bedauerten in ihren Ansprachen, dass aufgrund der Corona-Pandemie nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern dem Gottesdienst, der im Livestream übertragen wurde, beiwohnen durfte. Nur jede zweite Bank in dem freundlich und hell gestalteten Kirchenschiff war besetzt und das auch nur mit jeweils engen Angehörigen einer Familie. Mundschutz und Abstandhalten sowie die Handdesinfektion des Pfarrers und der Ministranten vor der Kommunion wollten zu diesem ungewöhnlichen Gottesdienst nicht so richtig passen. Gewöhnungsbedürftig auch das „Nicht-singen-dürfen“. „Das fällt schon sehr schwer“, sagte Bauingenieur Paul Speh, „das gehört zum Kirchgang einfach dazu“. Der Sigmaringendorfer, der die Kirche von Kindesbeinen an kennt und von ihr sagt: „Das ist meine Kirche“, legte verhaltenen Stolz ob dem gelungenen Umbau an den Tag. Mit dem neuen hellgrauen Fußbodenbelag aus regionalem Gestein hat das Gotteshaus ein anderes, leichteres Ambiente. Diese Bodenfließen bilden durch das Langhaus eine Art Weg, der sich bis zu den Altarstufen hinzieht und sich mit Querschiff kreuzt. Mittig auf diesem „Weg-Kreuz“ steht, nahe bei den Gottesdienstbesuchern, der Taufstein. Ins Auge stechen im Querschiff auf der einen Seite die Madonna mit Kind vor einer goldenen Scheibe, die einerseits die Sonne symbolisiert und andererseits als Farbe Gold die Ewigkeit, wie der Künstler erläuterte. Die dunklen Aspekte des Lebens stellt die Pieta auf der anderen Seite des Quergangs dar. Diese alte und sehr wertvolle Darstellung eines heimischen Künstlers steht nun vor einer silbernen Scheibe, die an den Mond in der Nacht erinnert, aber auch die Farbe der Hingabe an das Leben ist.

„Neubeginn heißt auch Abschied nehmen“, sagte Pfarrer Baumgartner. Am Ende des Festgottesdienstes verabschiedete der Geistliche die langjährige Pfarrsekretärin Anne Schäfer, die er jedoch in ihrer neuen Funktion als Mesmerin wieder begrüßte. Diesen Posten teilt sie sich in Zukunft mit ihrer Kollegin Petra Mayer. Die bisherige Mesmerin Erna Auckenthaler verabschiedete der Pfarrer in den Ruhestand. Als neue Pfarrsekretärin stellte Baumgartner Birgit Rommel vor.

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