Poetry-Slammer präsentieren Texte mit Tiefgang

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Mehr als 500 Zuschauer haben am Freitagabend auf der Sigmaringendorfer Waldbühne eine Premiere verfolgt: Beim ersten Sigmaringendorfer Poetry-Slam traten sieben Poeten in einem Dichterwettstreit gegeneinander an. Aus ganz Deutschland waren die Slammer angereist, um auf der Waldbühne selbst erdachte Texte vorzutragen und wurden dort vom Publikum dermaßen bejubelt, dass Moderator und Lokalmatador Andreas Rebholz große Schwierigkeiten hatte, einen Sieger auszumachen. Schließlich erklärte er mit Hanz und Nik Salsflausen zwei der sieben Poeten zu den Siegern des Abends.

Poetry-Slammer Jonathan Löffelbein & Nik Salsflausen präsentieren Texte mit Tiefgang
Beim ersten Sigmaringendorfer Poetry-Slam traten sieben Poeten in einem Dichterwettstreit gegeneinander an. Aus ganz Deutschland waren die Slammer angereist, um auf der Waldbühne selbsterdachte Texte vorzutragen. Mit Hanz standen im Finale unter anderem dann Jonathan Löffelbein und Nik Salsflausen sich gegenüber. Hier ein Ausschnitt der Slams aus dem Finale von Jonathan Löffelbein und Nik Salsflausen.

„Gemessen an der Kulisse ist Poetry Slam eine sehr junge Disziplin“, erklärte Gastgeber Rebholz bei der Begrüßung auf der Waldbühne. Die feiert in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Poetry-Slam dagegen gebe es erst seit rund 20 bis 25 Jahren, sagte Rebholz. Drei Regeln seien beim Wettbewerb zu beachten: „Alles, was vorgetragen wird, muss selbst erdacht sein, Requisiten sind nicht erlaubt und das Zeitlimit von sechs Minuten darf nicht überschritten werden.“ Das Publikum entscheide im Anschluss an die Slams per Applaus, wer Sieger des Abends werde. Rebholz, selbst Poetry-Slammer und Träger des Kleinkunstpreises des Landkreises Sigmaringen, hatte im Vorfeld der Veranstaltung angekündigt, „einige der Besten der Slammer-Szene“ nach Sigmaringendorf zu holen – und sein Versprechen gehalten.

Mit Alex Burkhard trat zuerst der amtierende deutsche Meister und bayerische Meister aus dem Jahr 2017 ans Mikrofon. Als „Ausguck-Alex“ erklärte er, er habe das Geschichtenerzählen bei Käpt’n Blaubär gelernt. „Man muss die Wahrheit sparsam nutzen, weil sie den Zauber nimmt“, sagt er und entführte die Zuschauer mit seinem Text dann auf die hohe See, wo er „einst als Matrose Planken gewischt hat“.

Einen ganz anderen Ton schlug Rebecca Heims aus Bochum an, die ruhig und nachdenklich ihre Erlebnisse aus einem Familienurlaub in Ostdeutschland schilderte, bei dem sie auf Grenzen stieß, vor allem jene, die im Kopf entstehen. Auch ihr Text schien den Nerv der Sigmaringendorfer Zuschauer zu treffen, denn während sie sprach, wurde es an der Waldbühne so leise, dass außer ihr nur der Regen zu hören war, der gleichmäßig auf das Dach der Zuschauertribüne fiel.

Premiere: Slammer messen sich auf der Waldbühne
Die Champions-League des Poetry Slams hat sich am Wochenende auf der Sigmaringendorfer Waldbühne gemessen. Sieben der besten Poetry Slammer Deutschlands präsentierten dort in jeweils sechs Minuten selbstgeschriebene Texte. Wer die Poeten aus ganz Deutschland nach Sigmaringendorf geholt hat und wie die Veranstaltung bei den Zuschauern ankam, haben Laura Keiß und Theresa Gnann für Sie herausgefunden.

Gelacht wurde dann wieder beim späteren Sieger Nik Salsflausen aus Esslingen und seinem Text über einen Junggesellenabschieds-Campingurlaub. Anja Perkuhn aus München beschrieb in ihrem Text „Orchideenmenschen“ ihre Beziehung zu den langstieligen Blumen, „die aktiv eingehen, ohne selbst zu wissen, warum überhaupt“, bevor Hanz, der baden-württembergische Vizemeister des Jahres 2015, seine Erlebnisse bei einer Wein- und Käseprobe so humorvoll schilderte, dass das Publikum ihn ins Finale wählte. Dort stand er dann Jonathan Löffelbein („Meine Mutter wollte immer, dass ich was Richtiges mit meinem Leben mache – oder wenigstens Lehrer werde.“) und Nik Salsflausen („Esslingen ist, wenn dir die Vermieterin den Putzplan ins Osternest legt“) gegenüber. In ihren Texten ging es um das Künstlerdasein, um Sexualkunde bei Teenagern oder um die Geräusche, die nackte Männer in der Sauna von sich geben. „Ich war der einzige, der noch seine natürliche Haarfarbe und den Sauna-Eintritt nicht beim Apotheken-Umschau-Kreuzworträtsel gewonnen hat“, sagte Hanz in seinem Siegerslam. Und während er anschließend minutenlang detailgetreu nachahmte, welche Geräusche ältere Männer in der Sauna machen, rief ein Zuschauer aus dem gröhlenden Publikum: „Der spricht mir aus der Seele.“

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