Mehr als 50 Kinder ziehen mit ihren Rübengeistern durch Sig’dorf

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 Mehr als 50 Kinder kommen zum Rübengeisterschnitzen.
Mehr als 50 Kinder kommen zum Rübengeisterschnitzen. (Foto: Wolfgang Metzger)
Schwäbische Zeitung

Die Rübengeister haben vor Kurzem wieder ihr Unwesen in Sigmaringendorf getrieben – doch der Schreck war bei vielen Bürgern eher freudiger Natur. Die Rüben werden kaum noch angebaut, deshalb schauen viele Schnitzer in die Röhre – oder höhlen Kürbisse aus. In Sigmaringendorf möchte der Schwäbische Albverein diese alte Tradition weiter aufrecht erhalten.

Bei schönem Herbstwetter wuselte es am Samstag in der Anlage des Kleintierzuchtvereins nur so von schnitzenden Kindern und ihren Angehörigen. Die Helfer des Albvereins hatten alle Hände voll zu tun, um die Rüben auszugeben, Getränke zu verteilen oder Kuchen aufzuschneiden.

Viele Kinder waren auch in den Vorjahren schon mit dabei, sodass das Schnitzen schnell vonstatten ging. Bei Anbruch der Dunkelheit versammelte Oberrübengeist Wolfgang Metzger die Kinder um sich, um die Sprüche einzustudieren. Dann ging es in einem Zug ins Dorf hinunter, um sich bei Familie Gasser und später bei Familie Lang anzuschleichen und zu klingeln. Die feurigen Geistergesichter wurden begleitet von über 50 fröhlichen Kindern: „Wir sind die Rübengeister und kommen aus dem Wald, wir springen über Hecken, um euch zu erschrecken“ lautete einer der Sprüche.

Als die Türe aufging, wurde der Spruch gerufen. Natürlich gab es zum Dank auch etwas Süßes. Michaela Lang hat für jedes Kind eine kleine Tüte mit Inhalt gebastelt. Zum Abschluss gab es dann noch die obligatorische Saiten-Wurst im Wecken und einen frisch gepressten Apfelsaft.

Der Schwäbische Albverein sorgt seit 14 Jahren dafür, dass der alte „Heischebrauch“ des Rübengeisterns erhalten bleibt. Wolfgang Metzger besorgte die großen Futterrüben für die Kinder von Landwirt Manfred Baier aus Egelfingen und war sogar zwei Tage mit auf dem Feld, um die Rüben zu ernten, die dort auch speziell noch für den Albverein angebaut werden. Seit einigen Jahren bauen die Landwirte das Gemüse, das normalerweise als Tierfutter dient, kaum noch an. „Diese ganze Aktion ist nur möglich, wenn ihr alle mit euren Kindern zusammen kommt und diesen Brauch weiter pflegt“, gab Metzger den Eltern mit auf den Heimweg. Viele Kinder stellen den brennenden Geist daheim vor die Türe oder klingeln auch in den nächsten Tagen noch beim Nachbarn, um die Geister zu zeigen.

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